In letzter Zeit geht mir das Gerede um die Krise mächtig auf den Sack. Ich selbst bin kein Konjunktur-Experte, wette aber seit gut 2 Jahren gegen die Banken und bin damit gut gefahren. In der ganzen Zeit des langsamen Absturzes wurde was von Aufschwung gefaselt. Aufschwung, der eher nicht zu spüren war, es war eher sowas wie Stagnation. Nun reden alle von Rezession. Interessanterweise die, die früher immer gemeutert haben, wenn jemand “den Aufschwung kaputtreden wollte”, nämlich die Banken. Gefühlt herrscht für mich weiterhin Stagnation, aber das Gefasel um Rezession macht eigentlich nur eins: es kloppt die Preise in den Keller. Was für den Konsumenten gut ist, ist für die Wirtschaft und die Arbeitsplätze schlecht. Aber wenn alles billiger wird und kurz vor dem Kollaps ist, kann man es auch für ‘nen Appel und ‘n Ei kaufen. Ich werde das Gefühl nicht los, daß die jetzt übrig gebliebenen Banken genau diese Strategie verfolgen: billige Expansion. Dumm nur, daß sich das auf alle anderen Märkte auch auswirkt. Es wird eine Gier nach günstigen Preisen erzeugt, alle warten ab: vielleicht kriege ich den LCD-Fernseher auch für weniger? Diese Schnäppchenrunde ist eine Spirale, die von denen, die sie losgetreten haben, wahrscheinlich nicht aufzuhalten ist. Mal sehen, wann der Preis-Bodensatz erreicht ist. Aber ich bin da nicht anders, da mein Geld nicht locker sitzt, warte ich natürlich ebenfalls mit dem Konsumieren. Wir alle nehmen aktiv teil an der herbeigeredeten Rezession und werden sie zur Realität werden lassen, weil in den Medien die Stimmung weiterhin panikmäßig nach unten geredet wird.
Und dann kommt Polylux und stellt in der Sendung den Zwist zwischen Industrie und Ökologie als zusätzlichen Krisenfaktor hin. Eine Öko-Wirtschaftstante meint, die Klimakatastrophe wird teurer sein, als jetzt mehr CO2 zu sparen. Stimmt aber nur teilweise, die Klimakatastrophe ist auch Chance: Dinge, die vernichtet werden, müssen neu gebaut werden, das schafft Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft. Sie hatte nur Recht mit der Idee, daß wir in Umweltthemen weltweit führend sind und den Vorsprung besser nicht verlieren sollten. Ein Mann der Industrie hielt dagegen, daß die Arbeitsplätze zu sichern sind, gerade in der Wirtschaftskrise, und da müßten CO2-Spar-Technologien eben hintenanstehen. Das ist natürlich völliger Nonsens. Mit neuer Technik entstehen natürlich neue Arbeitsplätze und damit auch Auswege aus der aktuellen Finanzkrise. Andererseits muß durch mehr Klimakatastrophe auch mehr aufgebaut werden (wird ja wohl in einigen Gebieten sehr kriegsähnlich sein, siehe Beispiel Katharina in New Orleans), das schafft, wie eben schon gesagt, Arbeitsplätze. Beide haben also am Thema vorbeigeredet.
Ich bin hier mal ehrlich und sage: die Klimakatastrophe geht mir so ziemlich am Arsch vorbei (außer, daß ich mehr Wärme eigentlich ok finde, ich hasse den Winter). Erstens ist es zu spät. Das, was wir jetzt am Schmelzen der Arktis sehen, kommt aus den 60er Jahren (!). Das wird also noch 40 Jahre so weitergehen. Mindestens, denn die CO2-Emissionen nehmen weltweit ja immer noch nicht ab, selbst Stagnation der CO2-Werte haben wir noch nicht. Zweitens sind wir natürlich viel zu klein als Land, um dagegenzuhalten. Solange Indien, China, die USA und Rußland nicht mitziehen, ist unsere Anstrengung ein Pfurz im Wind. Drittens lebe ich nicht in einem Küstengebiet. Das mag egoistisch klingen, aber die Hamburger Bevölkerung oder andere (London zum Beispiel wird wohl komplett weggeschwemmt werden nach den aktuellen Modellen) sind frühzeitig gewarnt worden, die Diskussion gibt’s nicht erst seit gestern. In 20 Jahren Klimadiskussion hätte man schon lange umziehen können. Es war schon immer so: Die, die am Vulkan wohnen, kennen die Gefahr, Punkt. Viertens: für den Otto-Normalbürger wird die Klimakatastrophe immer zu hoch sein, das Verständnis gering. Es kann also nur politisch eine Veränderung herbeigeführt werden: Zuckerbrot und Peitsche. Oder auch Steuernachlässe für Hui und höhere Steuern für Pfui. Sage keiner was gegen Kapitalismus, mit Geld läßt sich vieles regeln.
Womit wir nun die Fäden der Krise gebündelt haben beim Thema Mobilität. Autos gelten als Klimakiller und sollen deshalb CO2 sparen. Obwohl mir das aus obigen Gründen so ziemlich egal ist, bin ich trotzdem für Stromautos. Und warum? Sind wir doch mal ehrlich: die Autoindustrie hat es über Jahrzehnte versäumt, Autos sparsam zu gestalten. Als Kunde, der bei Computern jedes Jahr doppelt so viel Leistung für halb so viel Geld bekommt, fragt man sich schon, was diese Industrie eigentlich da macht. Theoretisch müßte ein Auto heute mit einem Liter Benzin 1000 km weit kommen. Wenn die ihre Hausaufgaben gemacht hätten, aber die Hängematte war wohl bequemer, das Geld kam ja auch ohne Anstrengungen in Massen rein. Ich selbst habe ein Auto, welches kurz vor der Deadline steht. Ich werde es wohl fahren, bis es auseinanderfällt. Wenn die bis dahin immer noch keine Stromautos und kein Tankstellennetz mit modularem Akkutausch (eine andere Lösung wird’s nicht geben) bereitstellen, werde ich auf Stattauto oder andere Leihlösungen umsteigen. Ich brauche mein Auto nicht wirklich häufig in der Stadt. Zum Einkaufen vielleicht, für weite Strecken (Bahnfahren ist zu zweit immer deutlich teurer) manchmal auch aus Faulheit, um zur Arbeit zu kommen. Wäre es nicht da oder würde es extra kosten, würde ich wohl durchaus eher die U-Bahn nehmen. Fahrrad ja sowieso.
Und warum bin ich so für Strom? Oh, da gibt es eine Menge Gründe! Erstens nervt die unklare Situation an den Tankstellen. Mal schießt der Ölpreis in die Höhe, mal fällt er. Langfristig kann der Ölpreis nur steigen, weil das Zeug vor 2 Jahren seinen Höhepunkt überschritten hat, seitdem fallen die Fördermengen. Auch wenn es zur Zeit billiger wird, Auto zu fahren, es wird bestimmt bald wieder deutlich teurer. Zweitens: die Abhängigkeit. Öl kommt aus Gegenden, in denen keine demokratischen Zustände herrschen. Diese Leute, die sowieso keinerlei Verständnis für die Rechte des Einzelnen haben, treiben es noch weiter: sie bilden Kartelle. So wird aus einer Diktatur eine Art Multidiktatur. Von der der Rest der Welt abhängig ist. Gut, es gibt noch die Weltmärkte und die Spekulanten, aber wenn es den Scheichs irgendwann auffällt, daß die Preise zu tief sind, dann werden die den Hahn auch wieder komplett abdrehen, wie in den 70ern. Strom dagegen können wir selber produzieren. Atom ist eine dumme und superteure Idee (man muß immer die Müllkosten mit einrechnen, dann ist das purer Luxus), Kohle ist auch nicht endlos. Aber Sonne, Wind und Wasser sind quasi endlos. Druckspeicher und andere Akku-Ideen sind ebenfalls am Anrollen, insofern gilt auch das Argument der Stromversorger nicht, sie hätten zu starke Differenzen im Netz bei Öko-Energie. Nur mit Strom sind wir unabhängig. Und zwar Öko-Strom. Denn die Energieversorger selbst in unserem Land bilden ja eine Art heimliches Kartell, einen echten Markt, wie bei Telekommunikation, kann ich nicht erkennen. Liegt aber daran, daß die Energieressourcen zur Zeit von außen gekauft werden. Auch diese Fremdbestimmung im Energiemarkt muß man loswerden, sonst wird auch Strom kein Bringer. Drittens: Die Praktikabilität. Strom kann man transformieren. Mit relativ wenig Energieverlusten. Es gibt ihn überall, wir haben ein deutlich dichteres Stromnetz als wir Tankstellen haben. Desha
lb könnte man Akku-Ladestationen viel häufiger aufstellen. Noch dazu könnte man sie dezentralisieren. Jeder könnte sich ein Windrad in den Garten stellen und über Nacht Akkus laden, die nächsten Tag vom Kunden, desssen Akku gerade leer ist, ausgetauscht werden, ähnlich dem Gasflaschen-System. Man könnte hier zwei aufgeblasenen, monopolisierten Industrien, nämlich der Öl- und der Stromwirtschaft Paroli bieten und sie zum ersten Mal in einen Wettbewerb zwingen. Und Wettbewerb ist immer gut für Arbeitsplätze, denn es werden mehr Mitbewerber sich für so einen neuen Markt entscheiden und die brauchen Personal. Fünftens: mit so einem dezentralisierten Öko-Strom-Markt würden die Preise sinken, die Technologie würde zwangsläufig besser und sogar die CO2-Bilanz wäre besser. Andere Länder würden dieses Erfolgsmodell kopieren, denn damit kann man Unmengen an Geld sparen. Die Wirtschaft, der Staat, die Bürger. Und wer ist besser im Kopieren als die Chinesen, hm? Das hätte also durchaus Auswirkungen auf die Welt. Auch wenn Hamburg, Bangladesh und andere Gebiete langfristig wohl nicht mehr zu retten sind.
So, und wenn ich nicht ganz alleine mit meinen Gedanken bin, dann ist die Autokrise völlig unabhängig von der Finanzkrise, deshalb bin ich strikt dagegen, diesen Leuten Geld in den Rachen zu werfen. Die Autokrise würde das nur verlängern, weil man an falschen und veralteten Technologien hängt, die einen noch dazu abhängig von den Fossil-Energielieferanten macht. Wirtschaft geht anders: Neues muß gefördert werden. Ja, ich weiß auch, daß die Autofirmen dicke Lobbies haben. Aber wenn nur genug Leute wie ich keinerlei spritbetankte Autos kaufen, ist irgendwann das Geld für den Lobbyisten alle. Das ist wie bei DRM und der Musikindustrie: wer sich die Kaufverhinderung seines Produkts selbst strickt, hat bald kein Geld mehr für Anwälte und Lobby, das ist ein Selbstläufer im Niedergang (DRM-Systeme im Audiobereich sind übrigens stark am Aussterben, woran das wohl liegt?
)). Insofern sollte man nur Autokonzerne sponsorn, die tatsächlich in großen Stückzahlen Stromautos liefern und vor allem, was wirklich viel wichtiger ist: man muß das Tankstellen-Problem lösen! Niemand will nach 300km 2 Stunden Akkuladezeit warten, bis er weiterfahren kann. Es bleibt meiner Meinung nach nur Modultausch als Lösung übrig. Wir brauchen also schnell Normen (Modulformen, Stecker, Volt/Ampère-Werte usw.), damit der Markt auch möglichst viele Tankstellen-Mitbewerber an den Start bringt.
Übrigens: wenn Strom sich in Autos durchsetzt, könnte Öl deutlich länger halten als bis 2040 (viele Prognosen sehen das Ende des Öls zwischen 2030 und 2050). Und es wäre ratsam, diesen Zeitpunkt auszudehnen, denn für Flugzeuge gibt es bisher keine Stromlösung (im Gegensatz zu Schiffen, selbst hier arbeitet man an alternativen Ideen, Segel für Frachter z.B.). Eine Teilabhängigkeit des Öls kann man auch mit diesem Modell leider nicht verhindern. Aber es wäre ein Anfang: meine Utopie von der schönen, neuen Autowelt. Übrigens: in alten Science-Fiction hat man uns versprochen, daß wir spätestens im Jahr 2000 alle mit Flugautos durch die Gegend segeln (ungefähr wie im Film “Das 5. Element”). Ich bin bis heute erzürnt darüber, daß das Versprechen nie eingelöst wurde. Aber ich bin mir sicher, daß wir diese Art Utopien brauchen, um vorwärts zu kommen. Ich habe heute meine vorgestellt (ich verspreche nix!
), bin aber der Meinung, das sollten mehr Menschen machen. Also füllt eure Blogs und erzählt, wie man eurer Meinung nach unsere Energie- und Mobilitätsprobleme lösen kann. Vielleicht schaffen es dann auch einige Thesen in die Mainstream-Medien und es bewegt sich was? Mir ist persönlich die Tank-Situation am Wichtigsten: Ohne Tanksystem keine Stromautos. Bitte weitersagen! 
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