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Die guten, alten Pogues

2010-08-04, 03:28 CEST

Das letzte Mal, daß ich Live-Bilder von den Pogues gesehen habe, war auf einem Fernsehschirm. Ich sage bewußt Fernsehschirm, weil das Wort LCD-TV oder gar LED-TV noch nicht annähernd am Horizont zu vermuten war. So lange ist das her. Die Bilder waren schräg. Shane MacGowan, der Sänger, zeigte seine schlechten Zähne fletschend beim Singen in die Kamera und in der ersten Reihe gröhlten die “Fans”: “You are sooo uglyyyy!” Mag sein, daß die Aussage vom ästethischen Standpunkt einem Wahrheitsgehalt > 0,9 entspricht. Nichtsdestotrotz wäre es nett von einem Fan, seinem Helden diese Wahrheit vorzuenthalten. Nunja, besoffenes Volk ist halt selten nett.

Die Pogues brachen auseinander, weil Shane seine Finger nicht vom Alkohol nehmen konnte

und dadurch ein paar Live-Auftritte den Jordan hinunter gingen. Nach dem Bruch versuchte es der Rest der Band alleine, ebenso erfolglos wie Shane alleine auch. Letztlich haben sie sich wieder zusammengetan und touren nun. Ich hatte das Glück, ein Kärtchen zu ergattern und begab mich heute bei furchtbar beschissenem Wetter in Richtung Zitadelle zum Open-Air-Bereich. Warum haben sie Kachelmann rausgelassen, wenn das Wetter nun trotzdem beschissen ist?

Dort regnete es durchgehend, solange die Vorband Civet spielte. Es war eine Frauenband aus L.A., die entfernt an L7 erinnerte. Aber L7 hatten irgendwie mehr Musikstücke, die mich ansprachen. Aber das mag Geschmackssache sein.

Ach ja, vorweg noch: kurz vor Konzertbeginn gab es eine Ansage an die Besucher, daß dem Sicherheitspersonal Folge zu leisten ist, wenn etwas passieren würde und daß es mit Schildern gekennzeichnete Ebenen gäbe, auf denen alle Platz hätten. Dann das Gleiche noch mal auf Englisch, aber mit der Ansage “Dear Passengers” und am Ende “Good Flight!”. Mann, wir werden immer amerikanischer. Als wenn Vernunft eine Massenpanik verhindern könnte. Hallo! Da bratzen sich zig Leute mit Alk das Hirn weg! Da kann keine Vernunft aufkommen, insofern ist die Maßnahme völlig sinnfrei! Panik kann man nur durchdenken, wenn die hirnlose, unvernünftige Masse mit in die Rechnung kommt. Ach, das ist alles so grundfalsch, daß man kotzen könnte! Die Ansage kam jedenfalls nochmal als die Pogues zu spielen anfingen. Oh Mann…

In der Pause zwischen beiden Bands wurde ja umgebaut. Vor allem wurden die Instrumente der Pogues aufgebaut. So viele Instrumente, die zu stimmen waren, habe ich bisher bei keinem Konzert gesehen. Die brauchten glatt ‘ne halbe Stunde komplett für Soundcheck und Stimmen.

Nun kamen die Helden endlich und das Gröhlen fing an. Erstaunlich: nicht nur das Publikum war im Schnitt um die 50. Auch die Teilnehmer auf der Bühne schienen diese Altersmarke

The Pogues

Die Pogues komplett in Aktion

teilweise hinter sich gelassen zu haben. Dieses ist kein Kritikpunkt, für keine der Seiten! Ich find’s cool, wenn auch die Alten noch cool sind und das waren sie irgendwie alle! Ich meine: Pogo in dem Alter? Hut ab!

Doch wo war Shane? Dann wurde das Volk aufgeregter und von links kam ein Mann auf die Bühne. Er bewegte sich wie ein Greis, hatte eine etwas abgetragene Hose und ein abgetragenes Jackett an, dazu einen Zylinder auf. Seine Mundpartie schien zahnlos zu sein. Der tatternde Greis war Shane MacGowan! Ich war sprachlos! Laut Wikipedia ist er 53, aber auf den ersten Blick wirkte er eher wie 83.

Sie legten los und er sang auch im Takt mit den richtigen Texten und verpatzte den ganzen Abend nur 2 Einsätze, welche er sogar korrigiert bekam. Die ganze Zeit wurde ich das Gefühl nicht los, daß er total dicht war, was aber obiger Performance widerspricht. Es sei denn, er kann das alles im Schlaf und im Suff auswendig. Auf einem Beistelltischchen standen 2 durchsichtige Getränke, Gin Tonic wurde gemunkelt, eisgekühlt. Diese beiden Getränke waren

The Pogues

Shane und die Drinks

reserviert für Shane, der sie im Laufe des Abends auch plättete. Dann kam die erste Ansage. Aufgrund der Zahnlosigkeit war er superschwer zu verstehen, machte aber durchaus blöde Witzchen. Auch hier beschlich mich das Gefühl: Der feine Herr wird doch nicht der Trunkenheit anheim gefallen sein? Jedenfalls klang vieles gelallt, aber angesichts der Zahnlosigkeit ist das wirklich schwer zu sagen. Der Rest der Truppe ist ja mittlerweile clean, offiziell jedenfalls. Insofern wird sich das Alkohol-Rätsel nicht lösen lassen.
So lustig Shanes elende Figur für viele war (ich bekenne: auch ich mußte “schmunzeln”, ein “Udo-Schmunzeln” mit einer gewissen Lauthaftigkeit), so war auf vielen Gesichtern doch ein bißchen Bestürztheit und sogar Mitleid zu sehen. Und einer schrie sogar immer wieder “Shane, stay alive!” Ein trotziger Wunsch, der angesichts der Darbietung nur schwer in Erfüllung gehen kann. Andererseits: Totgesagte leben länger und 53 ist kein Alter, um ins Gras zu beißen, auch wenn man aussieht, als hätte Herr von Hagens die entscheidenden Teile schon fertig ausgemessen.

Während der Auftritte verschwand Shane immer wieder nach hinten, er konnte wohl nicht so lange stehen. Dann machten die anderen ein oder 2 Solo-Stückchen, wo ein anderer sang (mal der, mal der), bis Shane dann wiederkam und weiter machte. Dazu hatten Sie ihm auch extra einen nicht-knickbaren Mikroständer hingepappt, an dem er sich immer festhalten

The Pogues

Shane und Mikroständer

konnte. Überhaupt hatte man während des Konzerts das Gefühl, daß auch die Band sich durchaus Sorgen um Mr. MacGowan machte. Andererseits machten sie sich auch lustig über ihn. Eine Ansage war: “This is a celebration of Life!” Ja, klar…

Wenn ich über meinen Text so rübergehe, dann muß ich sagen, daß das alles etwas sehr kritisch klingt. So kritisch war der Abend ja eigentlich nicht. Shane ist im Grunde nur eine Fortsetzung seiner früher schon zelebrierten Selbstzerstörung. Viele Lieder handeln ja auch vom Elend und der Hoffnung, aus dem Elend irgendwann wieder raus zu kommen. Insofern ist dieses Bild ja auch gewollt. Noch dazu paßt das als Kontrast sehr gut zur fröhlichen Musik, die nebenbei gesagt, wunderbar war. Klar, es sind keine neuen Stücke dazugekommen, aber ein Abend mit Pogues-Liedern reißt automatisch JEDEN mit. Und wie gesagt: Shane hat da ja auch nicht gepatzt, er blieb professionell, deswegen könnte es sogar sein, daß die Greis-Nummer nur eine Show-Nummer ist. Wie auch immer, es war ein sehr, sehr geiler Abend, das muß hier einfach mal erwähnt werden, gebrechlicher Shane hin oder her. Sie haben alle zusammen eine Supershow abgeliefert und ich kann nur jedem raten, der die Chance hat, hinzugehen: nutze sie! Und: sogar 2 Zugaben!

Eins noch: DSLRs waren natürlich nur den Profis vorbehalten, die sich relativ schnell verabschiedet hatten. Normale Knipsen gingen durch. Aber bei der Zitadelle hatte ich mal belustigt beobachtet, wie ein Security-Fuzzi bei einem Knorkator-Konzert sich sichtlich Mühe gegeben hatte, jemanden aus dem Volk rauszuziehen, der statt Fotos zu machen gefilmt hatte. Dieses war nun auch wieder so: hielt man zu lange drauf, wurde man sofort angebrüllt, man solle nicht filmen. Und diesmal auch bei Handy-Besitzern. Logisch, die können ja mittlerweile auch HD.

So, und hier ein paar weitere Imaginationen des Abends:

The PoguesThe PoguesThe Pogues

4 Kommentare zum Artikel “Die guten, alten Pogues”

  1. Ralf Hildebrandt

    Wie soll Shane “ins Gras beissen”?
    OHNE ZÄHNE?

  2. UWP

    Da ist was Wahres dran. Vielleicht ist das so eine Art “Rückversicherung”? :)

  3. Foxxi

    Uff, da bin ich ja fast froh das Konzert verpeilt zu haben, erstens wegen dem Wetter und zweitens hätte ich es vor Sorge kaum ausgehalten, ich bin doch so fürsorglich …;-)

  4. UWP

    Ich glaube, der ist härter als man glaubt. Ich empfehle dieses hier, ist zwar länger her, aber trotzdem ein echtes Aushängeschild:

    http://www.youtube.com/watch?v=SirutCHZ-QI

    Oder wie wär’s hiermit:

    http://www.youtube.com/watch?v=UIBkkw6F7lo
    http://www.youtube.com/watch?v=Pr09CE7OWkE

    Fast tot, aber super drauf!

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