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Ölige Zukunft

2010-07-07, 20:19 CET

Es wird ja viel geschrieben und gesendet in letzter Zeit rund um die Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko. Allerdings kommen, wie immer, nur wenig vernünftige Informationen über die Standard-Medien. Welch Wunder, jetzt wo die Berichterstattung über den Oil-Spill auch noch zensiert wird. Natürlich informiere ich mich häufig über den Fefe-Kanal, wobei man immer darauf achten sollte, daß da nicht alles 100%-ig stimmt, schließlich bezeichnet er es selbst als Verschwörungs-Blog. Im Normalfall liest es sich erheiternd (wenn ein paar Großkopferte mal auf die Fresse fallen) bis deprimierend (negative News sind scheinbar eher News als positive). Letzteres wird oft dadurch wett gemacht, daß man mit der Zeit ein dickes Fell bekommt. Konfuzius sagt: warum sich über Dinge aufregen, die man nicht ändern kann? Oder waren es ZEN-Leitlinien? Wie auch immer, manchmal schüttelt man den Kopf und wenn es dann in den Standard-Medien auftaucht und alle sich drüber aufregen, ist es lange kalter Kaffee für mich.

Trotzdem hat diese Öl-Nummer irgendwie mehr meiner Aufmerksamkeit bekommen als sonst. Ich weiß auch nicht genau, was der Anlaß war, ich schätze, es waren die unendlich vielen Bilder von ölverschmierten Vögeln, die um die restlichen Stunden ihres Lebens kämpfen. Ich bin sonst auch naturtechnisch marktorientiert, Arten kommen und gehen, der bessere setzt sich durch, auch wenn wir Menschen oft an der Ausrottung von Arten stark beteiligt sind. Aber wir sind auch Teil der Natur und wenn der Elefant aus Platzgründen weichen muß, dann ist das nicht schön und schon gar nicht begrüßenswert, aber das ist der Lauf der Dinge. Faktisch ist diese Art dann nicht mehr zu retten, denn sie steht den Menschen vor Ort im Weg und wir alle wissen, wie unsere Art mit Gegnern umgeht (ich sage nur: Neanderthaler). Das alles mag herzlos klingen, ich versichere aber: das ist es nicht. Ich finde es durchaus traurig, wenn Tierarten auf Nimmerwiedersehen verschwinden und halte es oft auch für dumm, denn: man weiß nie, ob diese verlorenen Arten einem mal nützlich werden könnten (oder es schon immer waren?). Aber die Praxis zeigt es immer wieder: gegen Artensterben vorzugehen, ist größtenteils aussichtslos. Und es sind nicht immer die Großkonzerne, die schuld an Ausrottung tragen, manchmal reichen auch kleine Dörfer, die eine Art niedermachen, weil sie ihre Schafe reißt o.ä.

Insofern hält sich mein Mitleid mit den tierischen Kreaturen oft in Grenzen, z.B. bei der Diskussion um Klimaveränderung, wo ja viele Arten wegsterben und andere sich wiederum vermehren. Der eine hat Nachteile, der andere Vorteile, so ist es nunmal. Aber die Bilder der Tiere im Öl haben mich doch stark bewegt. Stärker, als ich selbst es je vermutet hätte. Also sitze ich jeden Tag da und lese die News über die Zahlen, wieviel Tonnen Öl da minütlich aus dem Bohrloch strömen und daß man damit bestimmt ein paar Millionen Autos ein Auto-Leben lang betanken könnte. Und wie sie das Loch schließen wollen. Mittlerweile habe ich da so meine Zweifel dran, ob das gewollt ist. Es sieht so aus, als wenn BP nur versucht, das ausströmende Öl zu verwerten. Der Rest scheint ihnen fast am Arsch vorbei zu gehen. Andererseits: die vielen Tank-Boykott-Aufrufe und die wohl doch aufkommenden Schadenersatz-Klagen, gerade auch der Anwohner im Mississippi-Delta haben zumindest dem Kurswert der Aktie nachhaltig geschadet. Ich gehe stark davon aus, daß der Konzern diese Nummer nicht überleben wird, wobei ich schon der Meinung bin, daß hier die gesamte Führungsetage eigentlich in den Knast gehört. Unsereins bekommt saftige Strafen, wenn er sein Altöl nicht umweltgerecht entsorgt und das kann durchaus bis Knast reichen. Und diese Leute verseuchen jetzt eine riesige Meeresfläche, ohne daß sie einer belangt. Es gab da mal eine Google-Maps-Anwendung, da konnte man das Zentrum über die eigene Stadt legen, als ich Berlin als Center festlegte, reichte der Ölteppich von Hannover bis weit nach Polen rein. Und das sind Daten von vor einem Monat. Mittlerweile hat die Öllache wohl die Größe von Halb-Europa erreicht.

Und dann hört man so Meldungen wie: In 2 Wochen ist es abgedichtet. Dann: wir schaffen es in 2 Monaten. Und schließlich leiert sich jemand aus dem Kreuz: Es könnte auch noch 2-4 Jahre so weitergehen…

Und dann kommen die Russen. Mit einem für meine Vorstellungen völlig durchgeknallten Vorschlag: Nuked die ganze Gegend! Zuerst dachte ich, jaja, die Russen. Immer mit dem großen Hammer auf winzige Probleme kloppen. Im Grunde legen die Russen oft eine amerikanische Haltung an den Tag. Sie lösen viele Probleme mit Gewalt, haben einen Hang zur extremen Größe und nehmen den Mund auch oft zu voll. Als ich das las, dachte ich zuerst, die wollen den Amis was einreden, um später mit dem Finger auf sie zu zeigen, wenn’s schief geht. Dann kamen die ersten Meldungen: die Russen labern nicht nur Blödsinn daher. Die haben das schon ein paar mal gemacht (die meisten Meldungen sagten so 5-6 mal). Und erfolgreich. Da dachte ich immer noch: Jaja, wen wollt ihr verarschen, hm? Und dann hatte Jamie Zawinski einen Film gefunden (direkter Link zum Video), wie sie es tatsächlich gemacht haben. Mit Illustration usw. Das mag immer noch Fake sein, aber das ist schon gut gemacht. Aber ich dachte immer noch: das hier ist der Meeresgrund, da könnte alles mögliche passieren, Verseuchung, Tsunami usw. Wobei Verseuchung angesichts des Ausmaßes der Katastrophe kein Thema mehr sein kann, es wurde eine größere Fläche als in Tschernobyl vernichtet. Trotzdem: in meinen Augen zu heikel.

Frischer Wind kam aus Holland. Die Holländer sind relativ gut gerüstet, was Ölkatastrophen betrifft. Sie lassen Firmen 12 Stunden Zeit, das Problem zu beseitigen. Danach nehmen sie ihre Regierungsflotte und die betroffene Firma zahlt den Einsatz. Die haben Experten (echte, nicht aufgeblasene wie im TV) und sogar sehr gutes Filterequipment. Logisch: Holland lebt quasi mitten im Wasser, die haben extremes Interesse daran, ihr Wasser rein zu halten. Der Filtermechanismus schafft bis auf 5 von einer Million Teile das Öl aus dem Wasser zu filtern. War den Amis nicht genug. Holland hatte alles für lau angeboten, aber die Amis wollen es selber machen. Ebenso Küstenschutz, auch da haben die Holländer viele Ideen, die Amis wollen aber nur die Schulungen der Experten, um es selbst zu machen. Und auch das Equipment soll auf amerikanische Schiffe installiert werden. Auch wenn’s nicht paßt. Schließlich: wie sieht das denn aus, wenn sich ein Riese wie die USA von einem Zwerg wie Holland helfen lassen muß? Meine Güte, je mehr man davon liest, desto mehr möchte man kotzen.

Aber es kommt ja immer noch schlimmer. Die letzte Meldung zeigte nun, daß die Russen doch nicht ganz so bekloppt sind, wie ich dachte. Denn: der Boden ist brüchig dort unten, d.h., es fließt an vielen Stellen dort Öl aus dem Meer. Und es droht die Gefahr, daß alles weiter aufreißt. Momentan hat man ein Gebiet von 15 km abzudecken, das ginge wohl noch mit nuklearen Sprengsätzen (dann wohl mehr als einer). Aber wenn die Löchrigkeit des Bodens zunimmt, wird wohl selbst das nicht mehr reichen. D.h., die Zeit läuft davon. Nun fragt man sich: wie schlimm könnte der Supergau sein, wenn es weiterläuft? Und nun gibt es Schätzungen zwischen 20 und 30 Jahren. Das könnte den gesamten Atlantik töten. Und was macht der sagenumwobene Obama? Ziemlich wenig, denn Amerika steckt tief mit seinem Hintern im Öl. Dagegen vorzugehen ist quasi unmöglich, die Öl-Lobby ist zu stark. Wenn sie das Gebiet also mit einer Atombombe abdichten, kann man da wahrscheinlich nicht mehr bohren. Kein Öl für die Amis aus dem Golf mehr. Das bedeutet natürlich Riesenverluste. Deshalb wird wohl der Mammon siegen, Adieu Atlantik. Für mich sieht es nicht danach aus, als wenn ein Interesse besteht, das Loch wirklich dichtzumachen. Aus Sicht von BP ist jeder Liter Öl, der ins Meer läuft, keine Umweltkatastrophe, sondern ein Geldverlust. Vielleicht ist das die einzige Rettung für diesen Ozean: die Filter so gut zu machen, daß man aus dem Öl, das im Ozean treibt, Gewinn ziehen kann. Ansonsten dürfte es für ein paar 100 Millionen Menschen, die Fisch mögen, bald schwierig werden, ihr Lieblingsessen auf dem Teller zu haben. Aber es gibt ja noch den indischen Ozean und den Pazifik, die Hoffnung stirbt zuletzt.

Eigentlich wollten Cymone (neues Blog!) und ich irgendwann mal wieder nach Vegas. Angesichts der Tatsache, daß der Naturschatz Atlantik bald ein stinkender Tümpel werden könnte, werden wir das wohl noch nach hinten schieben und uns eher noch öfter auf den Kanaren rumtreiben, solange das Öl dort noch nicht angekommen ist.

BTW, angesichts der Klimakatastrophe wurde immer ein Abreißen des Golfstroms befürchtet. Öl ist bekanntlich zäh und ich denke, die gleiche Gefahr taucht auch auf, wenn das Zeug erstmal auf der Ostseite der USA angekommen ist und den Golfstrom verlangsamt durch seine Zähigkeit. Mal sehen, ob England dann wirklich zufriert, wahrscheinlich alles Panikmache (*schwitz*)…

Übrigens, zum Thema “verrückte Russen” empfehle ich noch Informationen über einen gescheiterten Versuch. In der turkmenischen Wüste ist ihnen eine Gasquelle unter die Räder gekommen, das Loch war auf einmal zu groß, um es zu schließen. Da Methan und andere Gase noch schlimmer für unser Klima sind als CO2, haben die Zuständigen vor Ort empfohlen, das Monster anzuzünden, damit das Gas abfackelt. Wobei es da auch andere Legenden gibt, warum man’s letztlich angezündet hat. Die Wüste ist sowieso schon heiß dort, aber der brennende Gaskrater wird, um die Sache zu unterstreichen, das “Tor zur Hölle” genannt. Das Höllentor brutzelt da schon ein paar Jährchen vor sich hin (“Jährchen” sind ca. 30) und im Google-Bild ist eine Legende dran, da sieht man schön, daß das Ding fast 100 Meter Durchmesser hat. In Google waren schwer Informationen darüber zu finden, hier wenigstens ein Link mit Bildern dazu. Ich schreibe dieses auch, um zu zeigen: auch die “russische Problemlösungsstrategie” funktioniert nicht immer. Wir sind also quasi schon halb doomed.

Was ich ja daran richtig Scheiße finde: kann man da nicht wenigstens Energie abfetchen bei? Turbinen hinbauen, Strom erzeugen? Das ist so eine sinnlose Verschwendung von Hitze, da fehlen mir echt die Worte. Die Spezies Mensch ist echt Meister im Verkacken von Großproblemen.

Ein Kommentar zum Artikel “Ölige Zukunft”

  1. nachrichten

    Wirklch sehr informativ! Werde aufjedenfall wieder kommen. Danke fuer den Beitrag.

    Gruss
    Andres

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