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Der Datenschutz ist tot

2010-01-29, 02:00 CEST

Seit dem 11. September 2001 werden Freiheitsrechte in der westlichen Welt Stück für Stück abgebaut. Mit dem Wort “Terror” kann man gegenüber den Bürgern so gut wie alles rechtfertigen. Vieles wird nicht kritiklos hingenommen, selbst der typische Bild-Zeitungsleser war wohl nicht ganz erfreut über die Nacktscanner. Aber es gibt ein Thema, da kämpfen nur einige wenige Freiheitsliebende für: Datenschutz

Alle trampeln auf ihm rum. Die Regierung will ihn nicht, weil sie genau wissen will, wer wieviel verdient, um die Steuereinnahmen anzukurbeln. Die Behörden wollen den Datenschutz nicht, weil man so verschiedene Raster wie “Geldeinnahmen” und “Hartz IV” nicht miteinander verknüpfen darf. Und viele andere Datamining-Möglichkeiten. Die Krankenkassen wollen den Datenschutz nicht, weil sie überall Betrug vermuten. Die Ärzte wollen keinen Datenschutz, weil sie so ohne ihn grenzenlos Daten zu Forschungszwecken austauschen können. Die Wirtschaft will ihn nicht, einerseits, um die Arbeitnehmer besser ausspionieren und unter Druck setzen zu können (= weniger Lohnkosten) und andererseits, weil man so den Kunden besser an sich ketten kann, wenn man alles über ihn weiß. Die Medien wollen den Datenschutz nicht, weil sie ohne ihn schneller und billiger an Informationen, Bilder usw. gelangen. Und natürlich, weil eifrig mit der Politik gekuschelt wird, die logischerweise fast komplett gegen den Datenschutz wettert. Dadurch trommeln die Medien heftig: Datenschutz sei Täterschutz. Das wiederum kommt beim Bürger gut an, wer will schon Täter schützen? Und natürlich das ewige Totschlagargument: wer nicht zu verbergen hat, braucht auch nichts zu fürchten. Damit bekommt man erstaunlich große Brügerschichten auf seine Linie und es ergibt sich ein unschönes Bild:

Ein Datenschutz-Niederwalz-Panzer rollt über eine Landschaft, die nur noch wenige Datenschutz-Knöspchen hat, vor ihm alle paar Kilometer ein Depp, der sich vor ein Pflänzchen wirft. Hinter dem Panzer läuft eine Meute mit Mistgabeln und Fackeln, die nachdem der Panzer drübergewalzt ist, das Pflänzchen (und den überfahrenen Retter) auch noch anzuzünden, in der Gewißheit, daß der Panzer gute Arbeit leistet und man ihn unbedingt bei seiner Arbeit unterstützen muß. Hin und wieder fällt einem Mitläufer auf, daß es ja die Pflanze ist, die er selbst gesetzt hat, aber dann ist es meistens zu spät und wenn er was sagt, werfen ihn seine Mitstreiter einfach unter den Panzer.

Das ist jedenfalls das Bild, das ich so im Kopf dazu habe. Fefe hatte von einer Datenschutzkonferenz berichtet, auf der sogar Datenschutzbeauftragte nicht gut wegkommen. Das kann etwas subjektiv sein, weil Fefe bei seinen Reden immer etwas provokant formuliert und deshalb erst Recht das dortige Gesamtvolk gegen sich hatte. Nichtsdestotrotz war die Haltung der Personen ziemlich eindeutig. Die meisten hatten als Grundhaltung, daß Datenschutz ihre Arbeit behindert. Interessante These dabei, weil es ja gerade um das Gesundheitssystem ging: Ärzte wüßten mit Computern umzugehen. Dieses kann man klar verneinen, ich arbeite in dem Bereich und habe selten mit Ärzten zu tun, die im IT-Bereich Ahnung haben (und das ist noch freundlich formuliert). Theoretisch ist das ja auch nicht ihr Ding, sie sollen heilen, aber die Verwaltung drückt den Ärzten natürlich zwangsweise IT auf. Und dann natürlich die internationalen Kooperationen: Der Arzt von heute muß Computernetze beherrschen und damit natürlich auch die Computer selbst. Dann kommen wir in folgendes Dilemma:

Medizin: geht rasant vorwärts. Forschung und Entwicklung sind kaum überblickbar, gerade auch in speziellen Bereichen. Da mitzuhalten, ist für so manchen Arzt schon ziemlich viel Arbeit.

Computer-Technologie: geht rasant vorwärts. Hier ist die Entwicklungsrate geradezu exponentiell. Nach wie vor ist diese Industrie immer noch eine der am stärksten sich verändernden Arbeitsbereiche.

Wie wird sich ein Arzt wohl entscheiden, welche Zeiteinteilung wird er vornehmen? Logisch, er ist Mediziner, also wird er sich mehr Zeit für die Medizin nehmen und den IT-Bereich gerade so eben vor sich hinstoppeln. Und so sieht es meistens auch aus. Das ist also ein unlösbares Problem, vor allem merkt man auch in Gesprächen, daß IT-Welt und Medizin-Welt selbst sprachlich schon weit voneinander entfernt sind. IT mag immer biologischer werden, trotzdem wäre es auch mit speziellen IT-Leuten, die den Ärzten zur Seite stehen, nicht geholfen. Außerdem würde das die Kosten wieder explodieren lassen.

Das, was daraus resultiert, sind unvermeidliche Datenlecks. In der von Fefe besuchten Konferenz klang es aber geradezu so, als müßten wir alle es allgemein akzeptieren, daß Privatsphäre bald alle ist. Zitat:

“…dann erzählte, er habe ja mal in Skandinavien gewohnt, und bei denen sei das ja selbstverständlich, dass die da die ganzen Daten offen verknüpfen, und da hätten sie ganz tolle Erkenntnisse draus gewonnen, z.B. Krebsrisiko für Kinder von Schwangeren, die irgendwas nehmen…”

Jetzt sollte man sich mal die Bevölkerungsstruktur Skandinaviens ansehen. Wenige Leute, verteilt auf viel Land. Da hilft man sich, da ist sowas wie Solidarität, gerade auch im Winter. Dadurch entsteht natürlich auch eine andere Art der Intimität, man vertraut sich einander. Da erzählt man sich sicherlich so einiges, was man hierzulande lieber für sich behält. Daraus resultiert bestimmt auch die große Toleranzschwelle, die man häufig bei den Skandinaviern findet: denen ist es völlig egal, ob der Nachbar im Gummianzug seine Frau anspringt. Da wird nächsten Tag höchstens kurz drüber diskutiert, MIT dem Nachbarn, ob es irgendwelche Unfälle gegeben hätte, ob er Hilfe braucht o.ä. Ich denke, gerade in Landschaften wie Bayern, wo die Toleranzgrenze um ein Vielfaches anders liegt, werden offen wandernde Daten zu interessanten Toleranztests führen. Bestes Beispiel sind die Nackt-Scanner. Ich bin mit FKK aufgewachsen, mir geht das total am Arsch vorbei, ob mich da einer nackt sieht. Wenn man sich aber mal den FKK-Atlas in DE ansieht, so ist die Anzahl derer, die das akzeptieren können, verschwindend gering. Und wenn diese Daten dann mangels Datenschutz kursieren, werden einige merken, daß Datenschutz vielleicht doch einen Wert hatte.

Eigentlich ist es verrückt, daß wir einem Datensammler wie Google, der offen zugibt, Daten über uns zu sammeln, eher trauen können, als allen anderen, die es “mit uns gut meinen”. Denn allen anderen ist unsere Datensicherheit scheißegal, da gibt es nämlich noch ein Kostenargument: sichere Daten = höherer Preis. Da auch hier die Preise gedrückt werden, wird Datensicherheit als erstes den Bach runtergehen. Bzw. ist ja schon häufig passiert. Nur bei Google nicht. Warum? Weil Google den Wert der Daten erkannt hat. Das scheinen die einzigen zu sein, die verstehen, welchen Wert private Daten haben. Natürlich arbeiten sie selbst damit, aber die wären ja bekloppt, diese Daten leaken zu lassen, dann hätten ja alle ihre Konkurrenten diese Daten auch. Nur unsere Regierung, unsere Behörden, unsere Gesundheitsysteme und unsere Medien meinen, daß unsere Daten nichts wert sind. Komischerweise aber wert genug, erfaßt zu werden. Es ist sogar richtig teuer, sie zu erfassen.

Letztlich sollte man also tunlichst immer lügen, wenn es nicht drauf ankommt. Man sollte nie ve
rgessen: im täglichen Leben ist Lügen ja nicht verboten. Man kann es aber auch genau andersrum machen. Ein Kunstprofessor namens Hasan Elahi hatte bei der Rückreise in seine Heimat USA Probleme bei der Einreise. Als muslimischer Vielreisender, gerade auch in die verdächtige moslemische Welt wollte man abenteuerliche Dinge von ihm wissen. Das hat ihn viel Zeit und Nerven gekostet, weswegen er die Sache offensiv angeht. Er hat immer einen Fotoapparat mit und hat ein Live-Tracking-System erstellt, damit jede Minute seines Lebens nachvollziehbar wird. Eine Zeit lang hat er damit das FBI genervt, bis sie entnervt aufgaben und nichts mehr von ihm wissen wollten. Die Masse der Daten scheint zu viel zu sein für die Datensammler. Er selbst sagt, daß offene Daten für Sammler wertlos sind, weil sie jeder haben kann. Also sammeln sie sie gar nicht erst. Als Kunstprofessor weidet er das Thema natürlich leidlich aus, macht daraus Ausstellungen usw. Schon schön, wenn man sein Leben durch die Fehler des FBI finanzieren kann.

Einerseits ist das ein großartiges Projekt. Andererseits birgt es die Gefahr in sich, daß die Politik irgendwann sagt: wenn der das kann, muß das jeder können. Dann werden wir endlich mal Blogs und Twitter-Dienste haben, die ihren Namen wert sind. Da ist Blippy dann nur noch eine lächerliche Spitze des Eisbergs. Und ja nicht unken: viele der Überwachungsdinge, die uns in den letzten Jahren ereilt haben, hatte man früher nicht für möglich gehalten. Ich sage, es gibt für alles eine technische Lösung. Babies werden keine Chips implantiert bekommen, sondern gleich Mini-Rundum-Kameras. Um seine Unschuld zu beweisen, falls es hart auf hart kommt. Und dann sind wir am Ende unseres Rechtssystems angekommen, in welchem zur Zeit noch unsereins die Schuld nachgewiesen werden muß und nicht andersrum. Bis dahin sollten wir uns darauf vorbereiten, chinesisch zu lernen. Die können diese ganzen Mechanismen viel besser und effizienter als wir und ich bin mir sicher, daß die Politik sich Experten holen wird, wenn es um den Voll-Abbau des Datenschutzes geht. Der Todesstoß läuft bereits.

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