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Archiv für die Kategorie ‘Seltsam’

Man bezichtigt mich des öfteren, von der Norm abzuweichen. Ich kann dazu wenig sagen, ich selbst fühle mich relativ normal, außer wenn mein Bauch seine Last zu stark vorwölbt. Aber angesichts dieser groben Anschuldigung muß ich doch sagen, daß meine Wahrnehmung oft eine andere ist. Man mag mich exzentrisch nennen, aber rund um mich rum ist irgendwie immer das “Center of Freaks”. Was ich damit meine? Nun, gestern war so ein Tag, in dem irgendwie nur leicht bizarre Geschehnisse um mich rum passierten und zwar OHNE meine Beteiligung.

Ich ging zu meinem favorisierten Hühnchen-Mann, um dort, na was wohl, Grill-Huhn zu kaufen. Eine ewig lange Schlange zweier Personen tat sich auf. Ich war gewillt, angesichts der Aussicht auf ein vor Fett triefendes, leckeres Hühnchen der Wartezeit ins Auge zu sehen und stellte mich an.

Während des Vorgangs meines Anstellens bemerkte ich, wie sich Nummer eins der Schlange ebenfalls anstellte. Und zwar ziemlich. Es war ein älterer Herr, die oberen Haare blond gefärbt, aber irgendwie schlecht, denn rundrum war noch ein grauer Kranz zu sehen. Dafür war es aber glatt gefönt. Oder so gewachsen. Oder so gekauft. Wie auch immer, er tat ein bißchen schwuler und zeterte mit dem Hühnerverkäufer rum: “Der Salat ist immer zu kalt, kannst Du den nicht noch neben die Hühner stellen, damit er etwas wärmer wird?” Hm, ich bin mir gar nicht mehr so sicher, ob Grau-Blondie den Verkäufer duzte, aber passen würde es irgendwie. Der war sichtlich von der Rolle und versuchte, die diversen Spezialwünsche des Kunden zufriedenzustellen. Wer weiß, was vorher alles war, ich war froh, nicht alles mitbekommen zu haben. Die Dame, die vor mir stand, blieb erstaunlich gelassen dabei. Sie war etwas älter, Typ “Diva-Oma” und als sie rankam, sagte Sie: “Ich hätte gerne das dunkle Hähnchen da oben!” Sie zeigte auf die Mitte einer Reihe, aber irgendwie war ihr das auch nicht braun genug. Sie entschied sich für eins der Seitenhühner, aber der Verkäufer lehnte freundlich aber bestimmt ab, er könne nur Spieß für Spieß leer machen und nicht die halbfertigen Spieße von oben. Sie stellte zwar zurecht die Frage, ob es denn nicht sonst verbrennen würde, weil es wirklich schon recht dunkelbraun war. Aber der Verkäufer blieb dabei. Als er ihr ein Huhn einpackte, moserte sie die ganze Zeit rum, es sei zu hell (was es nicht war).

Als ich rankam, konnte ich natürlich nicht an mir halten und sagte: “Wenn sie das dunkelbraune da oben nicht will, nehme ich es.” Die Frau hatte mich zwar leider überhört aber der Verkäufer war so fassungslos, daß ich ihn beruhigen mußte: “Schon gut, war’n Scherz, ich nehme eins von den unteren, die sind alle dunkel genug.”

Die schönen Episoden schreibt doch das alltägliche Leben. Aber das war noch nicht alles. Bei dem Hühnerwagen gibt’s keine Pommes und ein Huhn ohne Pommes ist einfach nicht mundend! Jedenfalls geht es mir so. Ich brauche den Geschmack von Pommes UND Huhn im Mund (und zwar gleichzeitig, so viel wie gerade so eben in die Fresse paßt). Also latschte ich weiter zu unserem örtlichen Burger-Laden (dit jelbe Emm) und holte dort meine passende Sättigungsbeilage für das triefende Federvieh. Neben mir an der Kasse in der nächsten Reihe standen 2 ältere Damen, die eine hatte gerade aufgehört zu telefonieren und die Thekenfrau fragte: “Was soll’s denn sein?”

Unruhe überfiel die Frau vor der Kasse, sie drehte sich zu der anderen um und fragte: “Was wollen wir eigentlich?” Die sagte nur: “Na, die Wings.” Numero Uno drehte sich wieder um und bestellte: “Die Wings!” Die Dame hinter der Kasse sagte: “Das heißt bei uns Nuggets. Darf’s sonst noch was sein?” Nun fiel ihr doch wieder ein, wo sie war und was sie wollte und sie bestellte ein Wasser. “Wollen Sie vielleicht ein Menü?” Schweigen. “Das wäre mit Pommes.” Die Frau fast erbost: “Ja, natürlich will ich Pommes! Also ein Menü!” Aber es ging noch weiter: “Ein 6er oder ein 9er Nuggets?” Entnervt drehte sich No. 1 wieder um: “6 oder 9?” No. 2 war nun ebenfalls heftig genervt und blaffte: “Wat soll’s, 9!” Schließlich kam Nummer 2 dran und bestellte einen BigMac aber ohne Majonnaise und noch diversen Extrawünschen, ich verließ darauf das Etablissement und bekam dadurch nicht mehr die volle Auseinandersetzung mit. Und ich dachte immer, ich wäre pissy mit meinen Sonderwünschen.

Damit ist bewiesen: ich bin deutlich durchschnittlicher als so manch anderer. Allerdings könnte man auch sagen: Dit is Berlin, wa’?

Von pissy zu zickig ist ja kein weiter Weg, deswegen führen wir hier einen gar nicht so entfernten Themenwechsel ein. Denn es gibt einen neuen TV-Sender im TV-Kabel: Timm. FAB mußte weichen, was kein Verlust ist. Cymone liebt Timm, denn es ist ein Schwulensender und sie meint, sie hätte sowieso einen schwulen Geschmack. Kunststück als Frau. Mir bringt der Sender nicht viel. Sendungen, in denen die “heißeste Drag-Queen” gesucht werden, sind für mich als Hetero relativ unspannend, haben aber wenigstens noch einen gewissen unterhaltsamen Faktor. Nachts kommen obligatorische Sex-Filmchen, in denen es Männer miteinander treiben, ebenfalls unspannend. Ich meine, mir persönlich ist es egal, wer mit wem warum ins Bett steigt und es tut mir auch nicht weh, im TV sich küssende Männer zu sehen, es ist halt nur vergleichbar mit: Aquarium als Testbild. Kann ich gut bei einschlafen.

Aber: ich breche hier trotzdem ein paar Lanzen für diesen Sender, weil er anders ist. Ich bin nicht die Zielgruppe, deswegen darf er für mich eingentlich so öde sein wie er will. Trotzdem fand auch ich etwas erfrischendes, was mich wach hielt: die Nachrichten. Die News auf Timm sind wahrlich anders. Natürlich geht es um Homo-Themen, aber schon mit sehr politischer Sichtweise. Und interessanterweise verbarrikadiert man sich nicht in seiner eigenen Welt, es geht generell um Toleranz. Einmal gab es eine Meldung, bei der ein Hetero-Mann in Neuseeland aus einer Kneipe rausgeflogen ist, weil er dem Betreiber zu schwul aussah. Hätte ich auch als Frechheit empfunden. Dieser Mann tat mehr, er ging als Hetero zum Gleichstellungsbeauftragten der Schwulen und schwärzte den Laden an, da gab es richtig Ärger für den Betreiber.

Und auch, wenn die meisten dieser Nachrichten mich nicht betreffen, so finde ich es wichtig, zwischen dem einheitlichen Genudel unserer Medien (ARD: “Der Papst hat gehustet!” ZDF: “Der Papst hat geröchelt” RTL: “Papst gleichauf mit Grippekranken!” Sat1: “Papst bald krank”) mal andere Nachrichten zu sehen. Im Internet ist es ja schon lange so, daß man durch die Blogs geht und deutlich andere Dinge wahrnimmt, als Spiegel & Co. berichten. Schön, wenn es endlich TV-Sender gibt, die wirklich mal was anders machen. Denn meistens treten sie mit der Werbung an: “Bei uns alles anders!” (Dieser Satz kein Verb) Und dann ist es doch nur das gleiche Geblubber.

Aber: Die News sind immer noch nicht alles. In einer Vorschau sahen wir die Werbung zu einer Serie: Gay Army. Ein Drill Instructor der US Army soll aus 9 schwulen Männern (3 Dänen, 3 Schweden, 3 Norweger) echte Soldaten machen. In der Vorschau war es deutlich lustiger als in echt, weil der Kontrast der 9 Probanden zu dem schreienden Drillboy nicht größer ausfallen konnte. Leider schreit der Typ während der Veranstaltung nicht genug rum, er schont sie gewissermaßen. Schade eigentlich, hätte man auch lustiger hinkriegen können. Z.B. wie bei anderen Mitmachshows: wer als letzter durchhält, kriegt einen Preis, oder so, mit Zuschauervoting. Angesichts meiner eigenen Weicheirigkeit sah ich mich in manchen der Typen wieder, während sie das Klo putzen mußten oder so, da bekommt die Show tatsächlich einen Mitlights-Faktor. Oder um es anders auszudrücken: es ist irgendwie alles drin. Nur leider ist es als Comedy aufgemacht, also wohl nix richtig echt, deswegen verliert das Ganze dann doch ein bißchen. Aber nehmen wir mal an, es wäre ernster gemeint, dann könnten die Weicheier, die mehr Hang zu Lipgloss und Haarlack haben, mal die andere Seite des Lebens kennen lernen. Das ist doch sicherlich eine Erfahrung, die man nicht missen möchte, oder? In der Show gibt’s nur einen, der total aus der Reihe tanzt, die anderen bemühen sich. Und wenn man die Samthandschuhe des Drill-Instructors so sieht und daß sie trotzdem mitmachen, so kann ich nur sagen: Hut ab! Wer es schafft, fast alle diese Jungs zum durch den Schlamm kriechen (Zitat: “Meine Frisur!”) zu kriegen, dürfte jedem etwas beibringen können, nämlich den inneren Schweinehund zu besiegen. Vielleicht könnte man aus Gay-Army-Troops sogar eine echte Elite-Truppe machen? Ich meine, welcher Feind flüchtet nicht schreiend, wenn er weiß, daß diese Marines ihn nicht nur töten würden, sondern auch noch vorher ficken? Wäre mal ‘ne interessante Kriegstaktik gegen religiöse Gotteskrieger.

Aber bevor ich in das Klischee “kein Taliban kann je wieder sitzen” oder irgendwelche Seifen-Bück-Witze abdrifte und damit nahezu Null-Niveau erreiche, beende ich das lieber hier. Obwohl ich die falsche Zielgruppe bin, rufe ich Timm zu: weiter so! Besonders die News!

Kurzer Nachtrag: Hermes Phettberg wurde interviewt! Und war lustig wie eh und je! Klasse!

Der eine oder andere hat es vielleicht vermutet, da meine Meldungen doch arg schwach waren im letzten Monat. Aber wir waren einfach mal wieder urlaubsreif. Folglich ging es auf unsere Lieblingsinsel: Gran Canaria. Deshalb wird dieses auch ein Reisebericht, ähnlich dem denen aus meiner Reisetagebuchsammlung, nur etwas kürzer, also auf die wirklich wichtigen Anekdoten zugeschnitten. Nur mal so als Warnung für alle, die denken, es gäbe hochpolitische Dinge auf dieser Seite.

Wo fangen wir an? Vielleicht bei der Planung? Na gut, wenn so viele für die Planung sind, dann fange ich halt da an. Wir waren ja nun schon einige Male dort und es ist einfach ein idealer Ort, um dem letzten Rest des Winters zu entkommen. Von der Wohngegend her ist es ziemlich auswählerisch. Es gibt diverse Orte, die touristisch erschlossen sind, aber da muß man vorher wissen, was man will. In Puerto de Mogán ist es wohl recht ruhig, aber dafür auch am Arsch der Welt. Die Öffnungszeiten der Läden sind nicht so dolle und ab 18 Uhr klappen sie fast die Strandpromenade hoch. Die künstlich neu erzeugten Gegenden wie z.B. Taurito haben schonmal gar kein Flair und sowas wie Puerto Rico hat uns auch nie gefallen, auch wenn der wirklich schöne Playa de Amadores dort um die Ecke liegt. Aber da kann man zur Not ja auch so hinfahren. Es bleiben die kleineren Orte rund um Arguineguin, welche aber alle keine schönen Strände haben. Oder aber die fetten Brummer. Wie z.B. Maspalomas/Playa del Inglés. Eigentlich ist das ein Ort, hat aber irgendwie 2 Zonen, oder sogar 3, wenn man das westliche Meloneras noch mitzählt. Meloneras fiel gleich aus, weil es zwar schön, aber einfach zu teuer ist. Fast nur 4-5-Sterne-Hotels. Bisher hatten wir ja immer Hotels in Maspalomas genutzt. Weil: Maspalomas ist ruhig, da kann man gut schlafen. Playa del Inglés dagegen ist Partyzone, also laut. Dumm nur: Maspalomas sieht zwar so aus, als sei es dicht am Strand. Aber um ans Wasser zu kommen, muß man Und man wird vom Strand aufgefressen! über die Dünen kraxeln, das nervt. Oder aber mit dem Auto nach Inglés fahren. Denn Playa del Inglés hat ja den Strand vor der Tür. Wir suchten uns also durch Holidaycheck, um ein Hotel zu finden, das weniger nervig und laut ist, als z.B. das Corona Roja. Ich verlinke jetzt mal nicht auf die Kritiken, die waren dermaßen vernichtend, sowas hatte ich vorher noch nie gelesen.

Angesichts dieses Dilemmas überlegten wir schon, ob wir nicht mal in Las Palmas versuchen sollten, eine Unterkunft zu finden. Aber da gab es nur teure Hotels oder aber man hätte ohne Pauschalreise buchen müssen und da kann man qualitätstechnisch ganz schön auf die Fresse fallen. Also weitere Suche in Inglés. Wir waren schon fast soweit, aufzugeben und wieder Maspalomas zu buchen, da fanden wir ein Hotel, welches gute Kritiken bekam. Es war das Hotel Los Nardos, eine Apartmentanlage dicht am Strand (das mit dem roten Dach, fast 90°-Winkel und kleinem Nierenform-Pool). Vorweg kann man sagen, daß die Bewertungen halbwegs richtig waren: das Hotel ist ruhig, es sind hauptsächlich Skandinavier und Holländer dort, die Putzfrauen lassen einen pennen und alles ist relaxt. Daß es auch ungeschmeidiger werden konnte, erfuhren wir an unserem Anreisetag.

Jener war ein Samstag und auf der Autobahn begegneten uns bunte Karnevals-LKW. Mit Maspalomas-Schildern. Da der Karneval auf den Kanaren starke Ähnlichkeit mit dem von Rio und anderen lateinamerikanischen Umzügen hat, freuten wir uns darauf. Wir parkten auf dem Parkplatz vor unserem Hotel (Achtung: blaue Markierungen, jeden Tag von 9-21 Uhr bezahlen!), luden unsere Sachen aus und dann fuhr ich zu dem Parkplatz auf der rechten Seite vom Hotel, der ist nämlich kostenlos, und stellte den Wagen dort ab. Der Karneval fing damit an, daß praktisch ganz Inglés zugeparkt wurde, außer dort, wo die Route des Zuges war. Dort waren die Gruas (Abschleppdienste) in vollem Einsatz. Der Zug war ganz nett, wenn auch irgendwie etwas langweilig. Thema war “Piratas” und das sah leider alles gleichförmig aus. Und das, obwohl wir eigentlich auf Schädel-Zeug stehen.

Am Abend war praktisch ganz Inglés eine Partyzone. Hier eine kleine Minikack statt Minigolf Vorbereitungs-Impression beim Yumbo-Center… Das eigentliche Partyzonen-Center C.C. Kasbah war ja sowieso nur 5 Minuten von unserem Hotel entfernt. Trotzdem hätte ich nicht erwartet, daß auch die Parkplätze rundrum zum Feiern genutzt wurden. Wobei Feiern hier bedeutete, sich möglichst schnell neben oder in seinem Auto zu besaufen, bei möglichst laut aus dem Wagen schallender Musik. Und unser Hotel war zwischen 2 Parkplätzen! Es wurde auch gegen 2 Uhr nicht leiser und so nutzten wir unsere Ohrenproppen, die wir vorsorglich mitgenommen hatten. Damit war dann die ganze Hektik doch aus unserem Bewußtsein entschwunden und wir konnten ruhig schlafen.

Morgens dann ein übles Bild. Überall Kotze, der Parkplatz direkt vor dem Hotel stank nach Pisse und in diverse Ecken hatten auch noch einige hingekackt (hier gab es keinerlei Vorsorge wie beim Yumbo…). Die Spanier oder zumindest die Canarios, sind ja ein Gruppenvolk. Die waren also zusammen mit ca. 4 Leuten pro Auto angereist und in der Nacht natürlich völlig unfähig auch nur den Zündschlüssel zu finden, weil sie so dicht waren. Die Hotels waren auch alle gut gefüllt, also pennte man im Auto. In einem Kleinwagen des Typs Polo habe ich 4 Leute schlafen sehen, die lagen alle verknäult übereinander. Die Scheiben waren zu und der Wagen stand in der Sonne. Morgens um 10 ist die Sonne schon hoch am Himmel und hier hat sie richtig Kraft. Es ist erstaunlich, daß die darin nicht erstickt sind, das müssen Schmerzen beim Aufwachen sein…

Am Sonntag sah man dann noch einige Leichen in ihren zerfetzten Restkostümen rumwandern, aber ab hier wurde es tatsächlich deutlich ruhiger. Zumindest in unserem Hotel. Das fette “Playa del Inglés”, welches der direkte nördliche Nachbar unseres Hotels war, schien nicht so ruhig zu sein. Da hatten spanische Kids Einzug gehalten und die machten Party all night long. Aber das hörte man bei uns dann glücklicherweise nicht so.

Vor allem: Spanier. Bisher waren es ja immer die Engländer, die in Europa schlecht auffielen: ständig besoffen, prügelnd, pöbelnd, dann noch rot verbrannt von der Sonne. Das Klischee erfüllte sich diesmal nicht. Obwohl der Einbruch der englischen Touristenzahl aufgrund des schwachen Pfundes nur 25% betragen soll, waren wenig englische Hirntote zu sehen. Das bedeutet übrigens im Umkehrschluß, daß das Klischee nicht stimmt. Denn wenn noch 75% aller Engländer da sind, man die aber nicht bemerkt, dann ist diese Gesellschaftsgruppe durchaus zivilisierter als ihr Ruf. Da sieht man mal wieder, wie einige wenige den Ruf des Ganzen beschädigen können. Diese wenigen hatten jetzt wohl nicht mehr das nötige Kleingeld, um die Kanaren zu überfallen. Deutsch war ebenfalls auf dem absteigenden Ast, man hörte es zwar noch, aber es war nicht mehr so massiv wie früher. Holländisch und Norwegisch/Schwedisch/Dänisch war dagegen häufig zu hören, Finnisch eher weniger. Obwohl man uns permanent für Finnen hielt. Die einzige Bevölkerungsgruppe, die wohl häufiger vertreten war als die Jahre davor, waren die Norweger: 1% plus!

Aber das Verwunderliche war wirklich die Zunahme der Spanischen Mundart. Hatte man diese früher in den Urlaubsorten höchstens im Restaurant oder im Supermarkt bemerkt, so war spanisch tatsächlich häufig zu hören: im Hotel, am Pool, am Strand, in den Bars usw. Meistens eher Jugendliche und jüngere Alte (Haha). Bis Mittwoch blieben die Parkplätze auch ruhig, aber ab Donnerstag wurde Partytime eingeläutet, vorwiegend spanische Jugendliche. Mit ihren Autos. Mit Suff. Mit Lärm. Man bekam das Gefühl, daß für die Gran Canaria sowas ist wie Malle für die Deutschen: hier läßt man einfach die Sau fliegen. Da waren viel Festlandsspanier bei (mittlerweile können wir das unterscheiden). Ich dachte nur immer wieder: Wieso ausgerechnet auf dem Parkplatz? Das Party-Centro Kasbah ist ja nicht weit und außerdem: wir haben früher Strandparties gemacht, auch der war nicht weit weg. Ein Kollege meinte: ganz klar, an den Strand dürfen sie nicht mit dem Auto. Und er hat recht. Selber Suff mitbringen ist billiger als im Club und im eigenen Auto läuft wirklich nur Musik, die einem selbst gefällt. Wobei: auch in Zeiten von Ipod & Co. sollte es doch sowas wie Ghettoblaster geben, die man mit an den Strand nehmen kann, oder? Zur Not halt mit SD-Slot.

Insgesamt war das doch recht nervig. Vor allem, weil sie ab 0 Uhr praktisch alles zuparkten. Ich hatte bei der Hotel-Auswahl zwar den Hinweis “Keine Parkplätze” gesehen, trotzdem hatte ich mir da nix bei gedacht, weil wir früher ja tagsüber, um zum Strand zu kommen, immer einen Parkplatz gefunden hatten. Tja, tagsüber… Nun war es so, daß man, wenn man später als 0 Uhr nach Hause kam (in der Regel dann, wenn wir in Las Palmas waren), ewig weit weg parken mußte. Wäre noch gegangen, wenn man nicht beim Kasbah vorbeiwatscheln müßte und dort die hirnlosen Abschlepper versuchen, selbst die noch so mit Krempel behangenen Touris in ihre Saufhöhlen zu locken. War ein richtiger Slalomlauf.

Am letzten Tag unseres Dortseins kam nochmal ein großes Hallo. Denn wir fuhren am Sonntag morgen los Richtung Fluch-Hafen. Gegen 7 Uhr. Der Parkplatz war schon relativ leer (wir hatten übrigens das “mobile Labor” der Polizei noch im Einsatz gesehen, da wurden viele Autos angehalten) aber neben unserem Auto stand ein Wagen, bei dem die Scheiben leicht runtergedreht waren. Auf dem Rücksitz konnte man auch schemenhaft jemanden pennen sehen. Schemenhaft deshalb, weil die Scheiben hinten getönt waren, man hätte dichter ran gehen müssen, um mehr zu sehen. Das wollten wir aber nicht wegen der Kotze vor der Fahrertür Ausrutschgefahr vor der Fahrertür. Ja genau, der Typ hat sich vor die Tür gereihert. War ja schon lustig. Aber Cymone wies mich auf einen weiteren lustigen Umstand hin. Der schlafende Partymensch war wohl nicht schnell genug, man beachte den roten Rahmen des Bildes links oben. Die Hälfte der Kotze dürfte also im Innenraum rumgammeln. Übrigens waren 2 vorbeigehende Typen total aufgeregt, was ich da fotografieren würde und sahen mich etwas seltsam an. Nachdem ich aber auf den Fahrertür-Schlitz hinwies, fanden sie’s auch lustig und bestärkten mich, weiterzumachen.

Abseits dieses kleinen Wahnsinns war es natürlich wie immer superschön. Die erste Woche war auch knallig heiß, nur in der 2. Woche gab es einen Regentag und daraufhin immer kalten Wind. Am Strand bot sich deshalb dieses Bild: Lag man in der Sonne, kochte einem das Kaffeewasser im Hintern. Lag man unter’m Sonnenschirm, wurde man kraß durchgekühlt. Das war besonders nervig für Cymone, die ja mit zu viel Sonne so ihre Probleme hat, aber an Wärme nicht genug bekommen kann. Normalerweise ist da der Ort unter dem Schirm für sie optimal, aber so war das für sie etwas schwierig.

Computertechnisch hätte es im Hotel WLAN geben sollen. Ich hatte zwar einen Access-Point gefunden, den ich nutzen konnte. Angesichts der miesen Erreichbarkeit zweifle ich allerdings immer noch, daß es derjenige war, der zum Hotel gehörte. Vielleicht mal den Prospektmacher drauf aufmerksam machen. Ich nutzte danach immer das WLAN eines Nachbarhotels, bis man mich dort bemerkte. Zuerst gab es beim Netzzugang keine DNS-Server-Zuweisung mehr. Kratzte mich ja wenig, kenne ja genug. Dann merkten sie, daß sie mich damit auch nicht raushalten können. Also machten sie MAC-Adreß-Filterung. Nicht etwa so, daß nur bestimmte Macs reindürfen, nein. Sie schlossen meine explizit aus. Dank des macchangers ging’s also fröhlich weiter. Naja, ich habe ja keine großen Daten oder so gezogen, nur einmal ein kleines Laptop-Update. Insofern weiß ich nicht, warum die sich die Mühe machten und vor allem, warum sie es so dermaßen falsch machten. Werden spanische Access-Points von der deutschen Regierung administriert? Es hätte durchaus Wege gegeben, mich draußen zu halten, aber egal. Unterwegs gab es eigentlich immer irgendwo WLAN, wobei die Zahl der offenen WLANs deutlich zurückgegangen ist. Und wenn verschlüsselt, dann tatsächlich mindestens WPA1, meistens sogar WPA2. Insofern wird man über lange Sicht um UMTS oder sowas nicht drumrumkommen. Schade eigentlich, WLAN ist so viel besser und schneller. Ach ja, ich hatte wieder den kleinen EEE-PC mit, aber irgendwie muß ich mir da mal was Schnelleres zulegen. Denn die Bilder begutachten oder die HD-Movies, die meine neue Kamera ausliefert, war ein Ding der Unmöglichkeit.

Die Kamera selbst lief natürlich quasi im Dauerlauf und ich werde die nächsten Wochen sicherlich auch das eine oder andere HDR oder Panorama rausrücken. Und natürlich die HD-Movies.

Als weiterer Höhepunkt auf der Insel sollte man Las Palmas nicht vergessen. Hier hat man auch mal abseits der Zombie-Städte (für Cymone war ein Großteil
der Miturlauber Zombies) eine echte Stadt, in der es vernünftiges Essen, vernünftige Parties und auch vernünftige Stores gibt. Was immer auch “vernünftig” ist. Ich hatte in einem meiner Reiseberichte ja vermerkt, daß es in Las Palmas einen Mediamarkt gibt. Das Center dazu ist allerdings etwas nervig zu finden. Nun gibt es einen weiteren Mädchenmarkt, nämlich im neu aus dem Boden gestampften Centro Terrazas, kurz vor Las Palmas (in Google Maps noch in Aufbau…). Dort findet sich ein Food-Court, diverse Klamottenläden usw., aber: wir waren 2 mal dort und es war nie wirklich voll. Also nichtmal annähernd. Vielleicht wird es noch, aber so weit draußen in der Pampa könnte daneben gehen… Wie auch immer, das Center ist schön zum Abhängen, da es direkt am Meer ist und da auch nix los ist, kann man sich da ewig in so ein Café setzen und träumen. Wenn einen der Leche-Leche-Largo nicht zu stark aufweckt.

Aber wenn wir schon über’s Essen reden, muß ich wenigstens ein paar Tips und Non-Tips loswerden. Wir sind ja schon oft für japanisches Essen, besonders Cymone. Meistens landen wir dann bei einem der Sakura-Restaurants, davon gibt’s auf Granny 4. Sowohl in Playa del Inglés als auch in Las Palmas probierten wir es, aber irgendwie war das schonmal besser und der Service auch. Viel besser dagegen war das indische Restaurant Dayana (praktisch auf der südwestlichen Ecke des Kreisels), hier gab es endlich mal scharfes Essen und die Kellner machten die ganze Zeit schräge Scherze. Es war nicht billig, aber sehr lecker. Ach ja, hier waren tatsächlich mal die “vermißten” Engländer zu finden. 2 Pärchen, eins zivilisiert, das andere sturzbesoffen, faselnd, daß sie erst vor einer Woche geheiratet hätten. Sie versuchte ständig, sich eine Zigarette anzuzünden (trotz Rauchverbots), er brüllte (seiner Meinung nach lustig) rum und die Kellner versuchten, mit ihren Scherzchen die Situation am Kippen zu hindern, was ihnen auch gelang. Am Schluß wackelte sie aus dem Laden zu ‘nem Taxi während er sich die beiden angefangenen Bierpullen griff und hinterherlief (Nein, sie hatten schon vorher tatsächlich bezahlt). Draußen stellte er die Pullen erstmal auf den Boden und laberte mit dem Taxifahrer. Dann kam er zurück und sammelte seine beiden Pullen wieder ein und stieg trinkend ins Taxi, ein Bild für die Götter. Beim Abräumen des Tischs meinte einer der Kellner (auf englisch): “Nichtmal Kinder haben jemals einen Tisch so versifft zurückgelassen.”

Interessanterweise ist mein zweiter kulinarischer Tip ebenfalls indischer Natur. Obwohl die chinesischen Buffets ja immer empfehlenswert sind, waren wir trotzdem irgendwie auf indisch geeicht. Gut, natürlich gab’s beim Karneval die Festival-Wagen, bei denen man Bocadillos kaufen konnte. Die sind definitiv IMMER empfehlenswert, wir haben selten Läden dort angetroffen, die den Bocadillo versemmeln oder den Kaffee (Leche-Leche-Largo!!!). Aber da uns Tapas irgendwie nicht so liegen, orientierten wir uns in Las Palmas vor allem am Füllstand von Restaurants: leere meiden, volle bevorzugen. So kamen wir durch Zufall an Tip 2, nämlich durch Rumgeschlendere bei Nacht, in der Hoffnung, einen unserer geliebten Nachtclubs zu finden (dazu später mehr). Die Wahl fiel auf das Wirtshaus mit dem Namen Polar. Es ist eigentlich indisch, aber irgendwie doch nicht. Angepriesen wird es auf hinduistisch, das Tajmahal war groß an der Wand. Aber außer dem Koch sah dort niemand indisch-stämmig aus. Die Karte hatte auch seltsame Gerichte, am lustigsten war ein “Paquistani Sandwich”, welches Schweinefleisch (!!!) beinhaltete. Wir probierten einiges durch, aber als wir das zweite Mal dort waren (daran zeigt sich immer, wie gut es ist: wenn man mehr als einmal hingeht), bestellten wir etwas, daß den Namen “Semaforo” trug. Es war eine Zusammenstellung aus 3 Sorten Huhn und 3 Sorten Fleisch. Grün = Spinat-Geschmack, Gelb = Curry-Geschmack (indisch-Curry, nicht Currywurst-Curry!) und Rot = Tandoori-Geschmack. Sowohl Reis als auch die Hühnerteile hatten die Farbe und auch den Geschmack. Dazu gab’s dann noch 3 Saucen, eine grüne sahnige, eine rote fruchtige und eine rote scharfe. Die scharfe war nicht wirklich scharf, auch wenn die Bedienung immer “muy picante” als Warnung rief. Wir ließen jedenfalls nichts von den Soßen übrig und man könnte auch die scharfe eher “gut gewürzt” nennen. Cymone war es im Nachhinein zu knofig, aber es war supergut und superviel für 2 Leute. Theoretisch hätte es auch ein Medio Semaforo (also eine halbe Portion) gegeben, aber das wiederum wäre für 2 zu wenig gewesen. Auf jeden Fall: Daumen hoch! So gut und günstig kann man selten auf dieser Insel essen, allerdings muß man Wartezeiten kalkulieren. Der Laden ist klein und immer voll. Und hier die genaue Adresse: Calle de Sagasta 17, Las Palmas.

So, zum Nachtleben sei gesagt, daß wir diesmal relativ unwillig waren. Das Turbo-Pub im Kasbah-Center ist zwar nett, aber nur Rumsitzen und Saufen ist doof. Entweder der Laden hat Gezappel oder Live-Musik, alles andere lohnt eigentlich kaum. Wir versuchten unser Glück also wieder in Las Palmas. Im Sala Paraninfo war diesmal nix dolles, also versuchte wir es im Pub La Calle. Dort war es relativ leer und der Barmann wußte auch nicht, wann es im “Live Music Club” wieder Live Music geben wird. Wir sollen Radio hören, denn die Webseite sei meistens sowieso nicht aktüll. Etwas enttäuscht fanden wir dann eine Mannschaft, die vor der Muelle eine Konzertbühne aufbaute. Am Freitag fuhren wir also dort hin, es war ein von einer Bank gesponsortes Festival. Natürlich fängt sowas selten vor 23 Uhr an, aber hier war es leider schon um 1 zu Ende, mehr ließen die “Sicherheitsbehörden” nicht zu, die interessanterweise in fast gleicher Stärke wie Zuschauer dort waren. Was haben die erwartet? 1. Mai-Krawalle wie in Kreuzberg? Dieser Sicherheits-Overkill ist weltweit momentan völlig bekloppt, eine reine ABM-Maßnahme. Die Musik allerdings war sehr gut und sehr professionell. Verschiedene Bands mit recht unterschiedlichen Musikströmungen. Ich habe ein paar HD-Aufnahmen gemacht, allerdings weiß ich nicht, ob die da einem ‘nen Strick draus drehen, wenn man sie veröffentlicht. Samstag ging das Festival weiter, das war dann der Tag vor unserer Abreise, da konnten wir dann nicht ganz so lange zugucken.

Auch, wenn beim nochmaligen Querlesen diverse Dinge nicht so gut klingen, ich kann nur sagen, daß es nach wie vor unsere Lieblingsinsel ist. Das einzige, was wirklich zu bemängeln war, war das kühle Wetter in der 2. Woche. Aber da dieser Winter wohl sowieso der kälteste seit langem auf den Kanaren war, sind wir wohl noch ganz gut davongekommen.

Ach ja, zwischendurch gab’s sogar Action! Aber wir hatten das leider nicht mitbekommen, erst, als die Trümmer schon teilweise aufgeräumt waren. Da war beim “Strandhafen” oder auch “Anexo II” eine Mauer eingestürzt. Fazit: 8 geplättete Autos und ein Verletzter. Übrigens: die Mauer stant vor einem Hügel, der damit wohl auch stabilisiert wird. Auf dem Hügel steht ein Hochh
aus-Hotel (ca. 15 Stockwerke). Ich bin nun weder Statiker, noch Architekt, aber ich könnte mir vorstellen, daß bei viel Regen ohne diese Mauer viel Material weggespült wird und damit auch der Sockel des Riesen-Hotels wackeln könnte. Natürlich regnet’s selten, aber wenn, dann richtig. Andererseits kann es diversen Besitzern von Restaurants im Anexo II vielleicht bald egal sein, ob eine Gerölllawine auf den Strandhafen runterstürzt. Denn laut Info Canarias Magazin sind die Geschäfte dort in einer Nacht- und Nebel-Aktion enteignet worden. Ob das so stimmt, sei dahingestellt, aber in Spanien ist vieles möglich.

All das kratzt uns aber nicht die Bohne, wir waren bestimmt nicht das letzte Mal auf Gran Canaria!

Zum Abschluß noch ein paar Bilder von niedlichen Tierchen:

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