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Heute war mehr ein nicht ganz so technischer Tag, jedenfalls für mich. Wirklich interessant war der Beitrag um die Wahrheit. Die beiden Protagonisten Ron und Frank zeigten, was Wahrheit für Wege geht. Wenn es denn die richtige Wahrheit ist. Sie hangelten sich zuerst an Beispielen lang: waren die Amis wirklich auf dem Mond? Und wenn nicht, warum haben dann die Russen drüber dicht gehalten? Und werden die Chinesen das mit ihren Missionen aufdecken oder lieber etwas Schrott abladen, um den Amis bei der “verdeckten Operation Nevada-Film” zu helfen, um den Dollarverfall etwas zu bremsen? Im Publikum fanden sich jedenfalls genug Leute, die nicht an die Mondlandung glaubten. Es stellte sich die Frage, ob dem nun wirklich so ist, oder ob man sich nicht die Blöße geben wolle, daß man vielleicht doch zum Mainstream gehört. Also: auch die Reflektion von Daten kann durch die Wahrheit des Einzelnen ebenfalls beeinflußt werden. Es kommen also Wahrheiten hinzu: Das, was wirklich passiert ist, das, wie es erscheinen soll und das, was die Leute nachher glauben oder auch nicht. Alle 4 Szenarien können komplett unterschiedlich sein, weil 3 davon Phantasieprodukte sind. Ein weiteres Beispiel waren die TV-Serien. In US-TV-Serien wird gezeigt, wie man vorschriftsmäßig anhält, wenn einen die Ordnungshüter zum Anhalten bewegen: Rechts ran fahren, warten, Scheibe runter drehen, nicht aussteigen und die Hände am Lenkrad lassen. Weil in Amiland ja jeder Waffen haben kann. Bei uns also unnötig. Trotzdem gibt es jetzt schon deutsche TV-Serien, wo die Polizei-Darsteller genauso vorgehen. Und im Publikum gab es Einwände, daß auch die Realität schon dort angekommen sei, es ist wohl jemandem im Real Life so passiert. Das heißt, die Medien verzerren unser Bild dermaßen, daß wir irgendwann Dinge akzeptieren, die man vorher locker für nicht möglich gehalten hätte. Unwahrheiten werden zu Wahrheiten, die sich manifestieren. Gerade Medien verkürzen Informationen, das führt zu immer größeren Abweichungen von den eigentlichen Fakten. So ist eine Meldung irgendwann im Kern richtig, aber eigentlich faktisch total falsch. Paradox! Gerde TV loost bei dem System dermaßen ab, daß viele Leute dem Fernsehen nicht mehr trauen und ihre Informationen aus dem Internet holen (dazu weiter unten mehr bei einem anderen Vortrag). TV ist nur noch für Fun da und mehr als 10 Sender sieht sowieso kein Haushalt (wenn auch jeder Haushalt andere 10 Sender). Es sieht vor allem so aus, als wenn nicht etwa Sieger die Geschichte schreiben, sondern vor allem gute Geschichten. Eine Information läßt sich leichter an den Mann bringen, wenn die Geschichte kurz und prägnant ist. Als Anekdote kam dabei die Aussage eines Journalisten zum Zuge: “Wir trinken beide jeder 3 Whisky. Danach erzähle ich Dir eine kurze Geschichte. Wenn Du morgen nach dem Aufwachen noch alles darüber weißt, war die Story gut.” Deswegen kommen Skandale grundsätzlich komplex daher: damit die bösen Jungs nicht stolpern, so blickt niemand durch. Die bösen Jungs stolpern über ihre Lügen, die sind einfach nachvollziehbar. Insofern: lieber etwas zugeben und man kommt mit den Missetaten bei der öffentlichen Meinung davon. Irgendwie beschlich mich bei der anschließenden Diskussion das Gefühl, daß Darwin zwar Recht hat, mit den Merkmalen, die sich durchsetzen, aber daß der Grund dafür anders ist: nicht der stärkste oder klügste pflanzt sich fort. Nein, das einfachste, schnellste, flutschigste kommt durch. Das würde als Grundprinzip des Lebens passen: Optimierung, bis alle Komplexität wegfällt, erst dann hat es Bestand.

Nach diesen seltsamen Gedankengängen machte mich jemand auf eine schräge Sache aufmerksam. Es gab Listen, auf denen sich Leute brüsteten, im Media-Markt Hausverbot bekommen zu haben. Das war ja schon seltsam genug, aber der Grund war noch verrückter. Die sind dort in die TV-Abteilung mit einem TV-Be-Gone-Tool reingegangen und haben auf Knopfdruck alle TVs auf einmal ausgeschaltet. Das ist ja der Grund von TV-Be-Gone: TVs ausschalten. Daß da der Mediamarkt etwas sauer ist, weil seine Werbefront ausfällt, kann man nachvollziehen. Und damit sowas auffällt, muß es wahrscheinlich sehr genervt haben: immer wieder hingehen, ausschalten, und nochmal, nochmal… Insgesamt schon sehr Kindergarten-mäßig. Aber daß man sich damit dann noch brüstet in irgendwelchen Listen, das ist wirklich sehr bizarr…

Als nächsten Beitrag sah ich einen Track von Professor Wippermann, der über Verschwörungen Auskunft gab. Krisenzeiten sind grundsätzlich Verschwörungszeiten, da ufert es richtig aus. Insgesamt fand ich seine Argumentationskette zwar stichhaltig, aber doch etwas löcherig. Die Konstruktion des Teufels allein und die Fundamentalisten, die sich der Religion als Hilfsmittel bedienen, hatte schon etwas Merkwürdiges an sich. Ich möchte hier aber nicht ideologisieren, vor allem, weil ich den Mann teilweise verstehen kann. Er zeigte eigentlich recht gut den Mißbrauch der Religion und das die neue Religionswelle eher eine Fundamentalisten-Welle ist, auch auf der westlichen Seite! Daß man dem Einhalt gebieten muß, ist völlig klar. Und Toleranz gegenüber Intoleranten stehe ich genausowenig zu. Er nörgelte aber auch am Internet rum, daß es diese Verschwörungshaltung begünstige. Da kam natürlich wieder der Vorwurf: ihr glaubt ja alles im Netz, ihr lest ja keine Bücher. Ihr glaubt dem Netz mehr als dem TV, obwohl sie faktisch auf einer Stufe stünden. Ich denke nicht, daß ich alles, was im Netz steht, glaube. Die Gefahr, daß ich nur Meldungen lese, die zu meiner Meinung passen, ist natürlich größer als im TV oder bei anderen Medien. Aber ich lese auch durchaus Meldungen von Medien, wo mir der Tenor nicht paßt, alleine um auch zu sehen, was die andere Seite denkt. Mir ist das wichtig. Vielen anderen vielleicht nicht. Aber zum Thema Buch lesen: Mich nervt diese Papier-Numemr genauso wie andere Feststoffe (CDs, DVDs): es verstopft die Wohnung, ist lästig beim Umzug, weil schwer und die Brandgefahr vergrößert es auch noch. Deswegen lese ich Bücher gerne auf dem PDA. Man muß nicht umblättern, bleibt durch autoscroll immer in der selben Zeile beim Lesen und muß nur wenig rumtragen. Aber nur, weil ich weniger Bücher kaufe, heißt das nicht, daß ich keine mehr lese. Ich konsumiere sie nur auf eine andere Art und Weise, aber der Inhalt ist der gleiche. Natürlich kam der Vorwurf: “Früher war alles besser!” Prof. Wippermann versuchte noch kurz gegenzuhalten, aber mußte diesen Satz dann doch als sein Credo hochhalten. Tja, kein dummer Mann, ich stimme knapp zu 50% mit ihm überein, aber mir kommt er so ein bißchen hin und hergerissen zwischen Altertum und Moderne vor. Ich empfehle deshalb: seht euch den Stream an. Auch wenn man mit ihm querliegt: er ist ein guter Redner und dabei witzig und mitreißend. Und Show ist ja immer gut.

Ich hatte danach noch den Rest der Veranstaltung über die Zunkunft von tor gesehen, wo Roger Dingledine, der Macher der Software, referierte. Er meinte, es gibt genug Betreiber für schnelle Verbindungen (anonyme Netzte kranken ja immer am Speed), aber leider noch zu wenige Betreiber, um eine bessere Anonymität gewährleisten zu können. Mit anderen Worten, zu wenige Tunnel-Hops. Er erzählte noch von Memory-Freß-Problemen bei den Nicht-Server-Versionen von Windows und rief dazu auf, mit der Software zu den Ermittlungsbehörden zu gehen und ihnen mal z

u zeigen, was es ist, wofür es da ist usw. Er meinte, das ist dann deutlich entspannter, als wenn man als Verdächtiger zu denen geht, was irgendwie logisch klingt. Trotzdem finde ich die Idee eigentlich ganz gut. Viele gegenseitige Verhärtungen basieren auf Mißverständnissen oder Nichtwissen, gerade im menschlichen Bereich zwischen Polizei und den Computer-affinen Personen. Ich denke, daß hier Schulung durchaus die Lage entspannen könnte, so könnte sich die Polizei mal wieder den echten Straftätern zuwenden, statt wie jetzt, irgendwelchen Schatten hinterherzulaufen, bei denen nachher der Richter sowieso nur den Kopf schüttelt und die Leute freispricht. Vertane Energie, verschwendete Zeit, all das könnte man sparen.

Am Abend gab es dann noch eine Demo, mit dem Motto: “Guten Rutsch ins Jahr 1984!” Es ging um Vorratsdatenspeicherung, aber auch die Anti-Schäuble-Plakate waren allgegwnwärtig. Schäuble war ja fast das Maskottchen des diesjährigen Congresses, aber ich denke immer: es könnte auch noch schlimmer kommen. Darüber macht sich aber scheinbar keiner einen Kopf, daß auf diesen Sessel grundsätzlich nur Leute kommen, die mit der Verfassung hadern.

Dann hatte ich noch ein Gespräch mit einem Chaos-Engel, also einem freiwilligen Helfer. Die Helfer zahlen vollen Eintritt, dafür gibt’s wenigstens Essen und Getränke frei. Macht man mehr als 10 Stunden Arbeit, gibt’s noch ein T-Shirt dazu. Übrigens zahlen wohl selbst die Großkopferten des CCC ihren Eintritt, Selbstausbeutung dient der Sache. Da er auch oft Video-Betreuuung in den Sälen machte, sagte ich ihm, daß ich ja einiges nur über die Streams gesehen habe und daß es mich stört, wenn so viel vom Sprecher gezeigt wird, aber so wenig von dem Beamerbild mit den Inhalten des Vortrags. Das konnte er noch nachvollziehen, meinte aber, in den fertigen Streams später, dürfte das besser aussehen, da wird das nochmal neu zusammengeschnitten. Wenig Gegenliebe erntete ich mit meinem Vorschlag, wenigstens bei der Diskussion die Fragenden zu zeigen. Das geht aber nicht, da dann ja auch alle anderen im Sall auf’s Bild kämen. Recht am eigenen Bild. Manchmal kann Hacker-Ethik wirklich nervig sein… Ich plädiere für eine Ausschnittssoftware im laufenden Stream.

Der Abend endete mit Hacker-Jeopardy, dazu habe ich massenweise Bilder gemacht, die ich aber erst demnächst auflisten werde, so im neuen Jahr. Da waren echt schräge Fragen bei, aber Geduld! Vielleicht muß ich das ja auch gar nicht bringen, weil es jemand anders schon veröffentlicht hat? :)
Wer Hacker-Jeopardy verpaßt hat: mein Byelight. Das ist eine der Krönungsveranstaltungen des Kongresses. Übrigens: diesmal hat Fefe verloren. Sehr unüblich…

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