Tja, es fing dieses Jahr ruhiger an als erwartet. Das könnte daran liegen, daß die Hacker immer mehr in die Defensive geraten. Die Demokratisierung der Welt ist zur Zeit stark rückläufig und dabei geht es lange nicht mehr nur um Vorratsdatenspeicherung und Bundestrojaner. Die Geschichten rund um tor zeigen, wie der Staat immer mehr versucht, das sowieso schon dünne Eis zerbrechlicher zu machen. Exit-Nodes werden beschlagnahmt, Betreiber finden keine Provider mehr, da diese dann auch Ärger mit den Behörden haben usw. Einen lustigen Hinweis fand ich, ist die Tatsache, daß tor ursprünglich von der US Navy finanziert wurde und zwar als Waffe gegen den Terror. Nun sind Sicherheitsbehörden der Meinung, tor wäre terroristisches Werkzeug. Sehr paradox. Als ob die Betreiber nicht genug Probleme mit wirklich ekligem Content haben oder mit DDOS-Attacken u.ä. Ich bin ja erstaunt, wie mutig diese Leute sind und was sie alles auf sich nehmen, ich wäre da etwas zu angsthasig für. Naja, Datenvorratsspeicherung läuft ja erst ab 2009, mal sehen, ob bis dahin das Bundesverfassungsgericht die Politik unserer verfassungsfeindlichen Politiker wieder gerade gerückt hat. Die Chancen dürften gut stehen.
Eine weitere Methode zur Demokratiebeendigung wird weiterhin durch Wahlmaschinen vorangetrieben. Obwohl mehrfach in der Kritik, zigmal gehackt und anderere negativer Dinge (z.B. keine Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse wegen fehlendem Papertray) versuchen unsere Ordnungsbehörden grob fahrlässig, weiterhin Wahlcomputer gegen jede Logik durchzudrücken. Das wird gleich doppelt teuer. Die Dinger, die übrigens Technik aus den 80ern beinhalten, kosten ein Schweinegeld und vielleicht auch noch das richtige Wahlergebnis. Man sollte dabei immer im Hinterkopf behalten, daß Nedap als holländsche Firma im eigenen Land keine Wahlmaschinen mehr stellen darf. Das wird die nicht groß kratzen, schließlich machen sie auch andere Systeme, wie z.B. die Türschranken bei H & M. Aber uns könnte es schon kratzen, wenn wir auf diesen untauglichen Dingern wählen müssen. Ich mache es ja schon seit langem so: zur Wahl einfach mal wegfahren und per Briefwahl wählen, das war auch die allgemeine Empfehlung. Würde sich dieses Modell durchsetzen, könnte ebenfalls das Bundesverfassungsgericht einschreiten, da die Briefwahl Ausnahme bleiben sollte. Wird sie zur Regel, dürfte etwas mit dem Wahlsystem nicht stimmen, eine Abstimmung mit den Füßen quasi, wie kurz vor Maueröffnung. Mal sehen, was wird sicherlich noch spannend. Aber daß mir in 20 Jahren keiner behauptet, das konnte man ja nicht ahnen, was da alles so kommt. 1984 beginnt nun Ende 2007 und das ist lustigerweise 23 Jahre später…
Aber es gab nicht nur Politik. Die Technik kam nicht zu kurz, wobei ich das Wort Bundestrojaner schon nicht mehr hören kann (*gähn*). Ein Holländer (tz, diese Holländer hier überall) namens Maarten Van Horenbeeck erzählte etwas über Viren- und Trojaner-Forschung. Es war ganz interessant, wie chinesische Trojaner-Schmieden arbeiten. Da gibt es unterschiedliches Aktivierungsverhalten bezogen auf die Zeitzone. Oder andere schräge Dinge: eine Winrar-Version wurde verändert, aber die Chinesen bemerkten wohl, daß ihre Version anders ist als die von den anderen Ländern. Das vervirte Tool schmierte in vielen anderen Sprachen einfach ab. Um zu retten, was nicht mehr zu retten ist, pappten sie eine Abturzmessage rein, die besagte: das hier ist kein Virus, es sind lediglich nicht alle Dateien von Winrar installiert, weswegen das Tool nun abkackt. Der Trojaner war wohl trotzdem drauf, aber man hoffte, der User würde die Sache nicht näher untersuchen, schließlich schmieren ständig irgendelche Tools ab. Ideen muß man haben. Als Hinweis gegen Verseuchung gab er die üblichen Hinweise: Sandboxen nützen wenig (dazu zählen im Grunde auch Virenscanner), nur Hardening und abschalten nicht benötigter Dinge bringt etwas. Er zeigte auch eine IP-Map der Server, die die geklauten Passwörter usw. einsammeln, nachdem sich der Trojaner mittels entferntem Kommando selbst entfernt (!). So sind die Beweise des Eindringens getilgt, aber in der IP-Map wollte der Mann nicht alle Adressen preisgeben, weil er nicht wollte, daß die Server durch seine Veröffentlichung sterben. So könnte man besser an den Dingern forschen. Tja, man darf dann nur kein Windows benutzen, sonst legt man sich die Karten. Insgesamt machte diese Argumentation auf mich eher den Eindruck von Seven of Nines Eltern, die einfach mal fröhlich die Borg studieren wollten. Der Student geht solange zur Mensa, bis er bricht.
Aber ich will gar nicht unken, es war mal mein erstes Erlebnis mit Laptop hier und das normale Netz ist superschnell! Sogar das WLAN geht häufiger, auch wenn ich mit der bcm43xx-Karte etwas gekämpft habe…
Als letzte Dinge, die noch erwähnenswert sind, bleiben das anonyme Schließsystem (fand ich persönlich nicht so spannend), genetisches Programmieren und ein zwar in etwas holprigem Englisch dargebrachten Vortrag über Social Engineering und wo die Reise hingehen könnte: nämlich ebenfalls in Mafia-Richtung: mehr Wegelagerei, mehr Einschränkung und mehr Überwachung. Also die Fortsetzung der Vergangenheit. Der Aufruf, mehr für die Freiheiten zu tun, indem man mehr offene Lizenzen benutzt, erreichte bisher auch nicht genug Leute. Ich hatte mehr Problemlösung erwartet. Eine davon kam als Flyer: jemand brachte eine Werbung für “Eshield”. Eshield ist ein Produkt, mit dem man nicht nur seinen Paß sondern auch andere RFID-gestützte Dinge vor unbefugtem Auslesen schützen kann. Interessant: die Wirtschaft springt schon an auf das Panik-Pferd. Das wird eine weitere Spaltung der Gesellschaft zementieren: die Trennung wird verlaufen zwischen denen, die sich Privatheit leisten können und denen, die komplett gläsern sind, weil sie kein Geld für Privatsphäre haben. Sie enden nachher im Gestrüpp der Sicherheitsbehörden. Unschuldige Fische, die von den Orkanwellen hin und hergeworfen werden. Was lernen wir daraus? Wir müssen alle mehr Kohle machen, nur Geld kann uns noch schützen. Alles andere ist die Überlegung nicht wert. Mal sehen, ob die nächsten 3 Tage etwas weniger depressiv verlaufen. Klar wurde bei den Vorträgen gelacht. Aber manchml bleibt einem das Lachen auch im Halse stecken. Ach ja, für die an die Wohnung oder Arbeit Geketteten:
Hier befindet sich die Liste, was wann wo läuft und hier die dazu passenden Live-Streams zum jeweiligen Saal.
Das finde ich eine schöne Sache, vor allem, weil es mittlerweile relativ stabil läuft. Wenn auch meist mit proprietärem Protokoll, welches wieder nicht durch die Proxies gelassen wird, da MMS. Ok, man könnte auch Flash nehmen, aber den Link werde ich hier sicherlich nicht propagieren…:)
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