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Der Tag fing etwas später an, da gestern abend noch Factory war, wo übrigens ebenfalls diverse Nerds abhingen. Matze brachte es auf den Punkt: “Die waren doch vor 15 Jahren auch zu dem Zeitpunkt da, oder?” Bruhahaha! Nunja, immerhin bewiesen sie Geschmack und waren nicht in der C-Base. C-Base ist als Laden ja ganz nett, aber die Musik ist extrem grottig.

Ich setzte mich also in Saal 1 und lauschte einem Windows-Vortrag, jaja! Es ging um ein Token-System, welches von Microsoft für Single-Signon und andere sicherheitsrelevante Dinge nutzt. Der Sprecher wies daraufhin, daß auch Windows langsam sicherer wird und doch irgendwann Ernst genommen werden müßte. Sein Vortrag war aber über ein Tool namens incognito (die Source-Forge-Seite dazu blieb rätselhafterweise den ganzen Tag leer), welches genau dazu gemacht war, das Token-System zu kompromittieren. Insofern war das mit dem “ernst nehmen” wohl doch etwas zweifelhafter. Mit Hilfe von virtuellen Windows-Maschinene, die auf seinem Debian-System liefen, konnte er das Online ganz gut zeigen, wie man sich Rechte auf dem Windows-System erschleicht. Perverserweise brauchte man noch nichtmal Administrator-Zugriffe oder so. Insgesamt war der Vortrag etwas trocken, ich bekam aber wenigstens soviel mit, daß sein Tool sich auch problemlos in metasploit integrieren lassen müßte. Ich bin kein Hacker, aber ich denke, auch hier will man möglichst wenig Tools haben, sondern scheint auf integrierte Werkzeuge zu stehen.

Danach kam dann endlich meine ersehnten LightningTalks! Alle 5 Minuten ein anderer Redner, da gibt’s Kruppzeug bei, aber auch gute Denkanstöße. Es begann mit einem Typen, der Vidalia vorstellte, ein GUI für Tor. Dieses ist wohl alles andere als fertig, er suchte jedenfalls noch nach Leuten, die sich drum kümmern, Manuals, Logos, es fehlt wohl noch eine Menge. Da ich in Saal 1 geblieben bin, Lightning Talks aber in Saal 3 lief, konnte ich die Lightning Talks auf dem Laptop verfolgen und den Saal-1-Vortrag so. Glücklicherweise hatte ich nämlich einen begehrten Netzwerkport in dem Saal bekommen. Dort ist das alles etwas knapper im Gegensatz zu vor den Sälen. Und WLAN kann man eigentlich fast vergessen. Es funktioniert zwar, aber der Durchsatz ist dermaßen mickrig: außer surfen geht da nix. So bekam ich also in Saal 1 den VOrtrag über PSP Protable Hacking mit. Mein Eindruck ist ja: Die Hersteller nageln ihr Zeug so stark zu, daß die normalen Kunden drunter leiden müssen, denn bei denen geht dann wegen der “Sicherheitsmaßnahmen” (die ja eigentlich keine sind und daher nutzlos), so wie bei DRM. Die Leute, die aber an die Innereien ranwollen, kommen auch ran. Hat so’n bißchen was vom Kampf mit den Borg. Schlaf, Data, Schlaf. Und schon sind die Tüftler drin in der Hardware. Ich denke, dieses Katz-und-Maus-Spiel muß ein Hersteller letztlich verlieren, die Bastler setzen da deutlich mehr Zeit und Energie hinter als die Entwickler der Firmen. Ich würde sagen, ihr Sonys, Microsofts usw.: gebt die Hardware frei und kümmert auch nicht um Hacks. Könnte dann sogar ein Kaufargument sein. Sony hat das bei der normalen Playstations wohl begriffen, andere Hersteller verklagen immer noch MOD-Chip-Verkäufer usw. Ich denke, das ist eine Art sinnloser Kampf, hier geht unnötig Energie verloren.

Bei LightningTalks kam nun einer, der Mitstreiter bei der Zerstörung der eigenen Fingerabdrücke sucht. Er würde gerne schmerzlosere Ideen austesten als verbrennen oder Ameisensäure. Ein Hautarzt, der Tips gibt, wie man verhindert, daß die Haut nachwächst, war ebenso verlangt worden. Interessanter Ansatz. Gestern hatten diverse Leute gezeigt, daß man sich mit Lötkolben auch Smilies und das CCC-Datenkabel-Logo in die Fingerkuppen brennen kann. Sieht dann nach dem Scannen sehr seltsam aus. Ich bezweifle ja, daß wir damit weiterkommen, aber alle Ansätze diesbezüglich sind willkommen, denn Fingerabdrücke hinterlassen wir immer und überall. Also die perfekte Idee für einen Überwachungsstaat, man ist immer und überall verfolgbar.

Danach kam einer von den typischen Sektierern, die bei LightningTalks auftauchen. Er redete von Weltrevolution, weil die Gesellschaft sich im Microsoft-Stadium befände und das System Vista-ähnlich sei, das müsse man ändern. Ich mag Microsoft auch nicht, aber für jeden Mist sollte man sie nicht in den Dreck ziehen. Der Vortrag war also meiner Meinung nach daneben, aber es ging ja glücklicherweise schnell weiter.

Ein Student von unhelp.de folgte, sowie jemand von ffii.org. Letzterer hatte nochmal auf den Kampf gegen Patente hingewiesen und daß die EU nach wie vor versucht, daß Patentsystem hochzuhalten, zu stärken und damit letztlich sinnlos zu machen. Wenn es nur noch ein Druckmittel ist, bringt es mit Sicherheit keine Innovation.

Nach libelektra.org und jemandem der ein Spiel vorstellte kam noch ein typ von fossbridge.org. Das schien schon etwas dichter an meinen Vorstellungen einer freien Welt zu liegen. Hier kam geordnet rüber, wie man an ein Thema wie Veränderung rangehen muß, im Gegensatz zu dem wirren Weltrevoluzzer.

OLPC Austria hatte ebenfalls noch ihre Seite ins Rennen geworfen: http://wiki.laptop.org/, dort gibt’s wohl auch die Software von den kleinen Dingern.

Dann stellte jemand www.serchilo.net vor, eine Wiki-ähnliche Suchmaschine mit vorgegebenen Suchtools, damit kann man gleich direkt im Telefonbuch suchen, ohne vorher durch diese lästige Prozedur zu latschen, vor allem trifft man so auch besser. Und viele andere Features mehr, ich werde diese Suche demnächst wohl öfter mal nutzen, das sah sehr gut aus!

Dann kam jemand von http://omegawiki.org. Das ist ein versuch, in einem Wiki automatisch zu übersetzen. Mit Sicherheit eine Mammutaufgabe, aber sie sind sicher, daß ihre Übersetzungen irgendwann mal so sein werden, daß man sie verstehen kann. Perfekt werden sie wohl nie sein, aber wenigstens verständlich.

Die anderen Themen erwähne ich jetzt mal nicht mehr, guckt euch den Stream an, wenn er da ist. Ich liebe diesen Track, LightningTalks ist wenigstens nie langweilig!

Nun kam der Rückblick und das Vorrausschauen auf das nächste Jahr. Heftig dind diese Zahlen: Alle 39 Sekunden läuft im Internet ein Angriff, Zero-Day-Exploits haben eine Überlebensdauer von 348 Tagen (!) und 30.000 Webseiten werden pro Tag infiziert. Also dieses Jahr war das so, nächstes Jahr werden die Zahlen wieder einmal höher sein…
IRC scheint für Botnet-Kommandos ausgedient zu haben, mittlerweile werden Kommandos für Botnetze per P2P ausgelöst. Das hat für die Gegner den fatalen Nachteil, daß man die Bösewichte kaum noch finden kann und die ja nicht nur einen Host als Command-Zentrum haben, sondern weltweit wild verteilte. Aber diese ganze Szene scheint immer merkwürdiger zu werden. Man kann wohl schon Trojaner-Ergebnisse (also gehackte PWs und Konto-Nummern, was auch immer) als “Webservice” einkaufen. Ganze Datenbanken, in denen man dann nach den passenden “Daten” suchen kann. Industrielle Trojanerförderung, würde ich mal sagen…

Ron & Frank wiesen explizit daraufhin: falls man einen Tor-Exit-Node betreibt und Ärger bekommt, unbedingt an den CCC wenden, dort wird man auf jeden Fall helfen! Dann wurde auch geunkt, daß die Gesetze dieses Jahres doch sehr danach aussahen, als ließe man sie in China machen. Sie waren schnell gemacht, schnell durchgewunken, strotzen vor Fehlern und weisen den Weg in ei
ne
n totalitären Staat (ich würde es mal Kulturausgleich nennen: wir kriegen das chinesische Polit-System und die dafür West-Autos). Also wenn das nicht eindeutig ist und billiger ist’s bestimmt auch. Dann gab’s ein paar Tritte in Richtung OpenSource-Hardware. Das neo-Handy hält glatte 3 Stunden mit dem Akku durch. Weia! Und: die Datensammlungen des Einzelnen werden immer unüberblickbarer, ständig geben Leute Daten weiter, wenn sie ihre vermeintlich leeren Flash-Speicher verticken. Das hat ja fast was britisches, wenn Daten so oft in falsche Hände kommen. Dann kam nochmal das Thema Barcodes. Wir hatten ja nun gelernt, daß Barcode-gesicherte Sachen total unsicher sind. Dumm nur, daß in der Medizin ebenfalls alles mit Barcodes läuft. Also: immer gucken, was für Pillen man da schlucken soll und auch lieber einmal mehr beim Arzt oder Apotheker nachfragen…

Da der CCC fleißig Fingerabdrücke von Prominenten und vor allem Politikern sammelt, könnte es sein, daß mittels Veröffentlichungen irgendwann das Fingerabdruck-System komplett den Bach runtergeht, jedenfalls juristisch. In dem LightningTalks-Vortrag von dem Finger-Typen hatte derjenige gesagt, es sei ein Leichtes, wenn man die Finger erstmal mittels Ameisensäure flach gemacht hat, sie mit Patterns von jemand anders auszurüsten, da könne man keinen Unterschied mehr feststellen. In der fröhlichen Runde hier gab es die Idee, die eigenen Fingerabdrücke zu veröffentlichen, weil man dann immer sagen kann: ich war’s ja nicht, kann ja jeder meine Fingerprints benutzt haben. Tja, das hat die Riege der Überwacher nun davon: das Fingerabdrucksystem könnte bald keine Beweiskraft mehr haben. Am schönsten fand ich noch die Idee, daß man den Leser verwirrt, indem man Fingerkuppenart in seine Prints macht (mit Lötkolbe oder wie auch immer). Da stellte sich nämlich die Frage, ob es hier auch Buffer Overflows geben könnte, die den Scanner abschmieren lassen.

Die End-Veranstaltung rückte näher und auch hier ein paar Zahlen: über 5600 verschiedene Mac-Adressen, davon 35% Apple-Rechner. Schon komisch, in freier Wildbahn sieht man sie seltener. Der typische Hacker ist wohl anders als der Normalbürger. TV-B-Gone wurde nochmal erwähnt, weil es wegen Sachbeschädigung (Hallo? Photonen? Ein Ausschaltgerät macht wohl kaum was kaputt?) durch dieses Gerät zu einer Verhaftung gekommen war. Der Abend wurde beendet mit einem Lied. Es ist “Surfen Multimedia” von den “Eurocats”. Es ist superschlecht, die Band ist wohl 1996 damit bei der Vorausscheidung zum Grandprix auf die Nase gefallen. Aber der Text ist extrem klasse. Da hat jemand vorrausschauend gearbeitet. Ich empfehle dringend den Video-Stream der Endveranstaltung! Am Schluß war ich dann nochmal mit Stativ zugange, um Rocket die Rakete HDR-technisch abzubilden. Es war ein schöner Congress, wenn auch dieses Jahr unter keinem guten Stern. Deshalb wünsche ich auch allen meinen Lesern einen guten Rutsch ins Jahr 1984!

Heute war mehr ein nicht ganz so technischer Tag, jedenfalls für mich. Wirklich interessant war der Beitrag um die Wahrheit. Die beiden Protagonisten Ron und Frank zeigten, was Wahrheit für Wege geht. Wenn es denn die richtige Wahrheit ist. Sie hangelten sich zuerst an Beispielen lang: waren die Amis wirklich auf dem Mond? Und wenn nicht, warum haben dann die Russen drüber dicht gehalten? Und werden die Chinesen das mit ihren Missionen aufdecken oder lieber etwas Schrott abladen, um den Amis bei der “verdeckten Operation Nevada-Film” zu helfen, um den Dollarverfall etwas zu bremsen? Im Publikum fanden sich jedenfalls genug Leute, die nicht an die Mondlandung glaubten. Es stellte sich die Frage, ob dem nun wirklich so ist, oder ob man sich nicht die Blöße geben wolle, daß man vielleicht doch zum Mainstream gehört. Also: auch die Reflektion von Daten kann durch die Wahrheit des Einzelnen ebenfalls beeinflußt werden. Es kommen also Wahrheiten hinzu: Das, was wirklich passiert ist, das, wie es erscheinen soll und das, was die Leute nachher glauben oder auch nicht. Alle 4 Szenarien können komplett unterschiedlich sein, weil 3 davon Phantasieprodukte sind. Ein weiteres Beispiel waren die TV-Serien. In US-TV-Serien wird gezeigt, wie man vorschriftsmäßig anhält, wenn einen die Ordnungshüter zum Anhalten bewegen: Rechts ran fahren, warten, Scheibe runter drehen, nicht aussteigen und die Hände am Lenkrad lassen. Weil in Amiland ja jeder Waffen haben kann. Bei uns also unnötig. Trotzdem gibt es jetzt schon deutsche TV-Serien, wo die Polizei-Darsteller genauso vorgehen. Und im Publikum gab es Einwände, daß auch die Realität schon dort angekommen sei, es ist wohl jemandem im Real Life so passiert. Das heißt, die Medien verzerren unser Bild dermaßen, daß wir irgendwann Dinge akzeptieren, die man vorher locker für nicht möglich gehalten hätte. Unwahrheiten werden zu Wahrheiten, die sich manifestieren. Gerade Medien verkürzen Informationen, das führt zu immer größeren Abweichungen von den eigentlichen Fakten. So ist eine Meldung irgendwann im Kern richtig, aber eigentlich faktisch total falsch. Paradox! Gerde TV loost bei dem System dermaßen ab, daß viele Leute dem Fernsehen nicht mehr trauen und ihre Informationen aus dem Internet holen (dazu weiter unten mehr bei einem anderen Vortrag). TV ist nur noch für Fun da und mehr als 10 Sender sieht sowieso kein Haushalt (wenn auch jeder Haushalt andere 10 Sender). Es sieht vor allem so aus, als wenn nicht etwa Sieger die Geschichte schreiben, sondern vor allem gute Geschichten. Eine Information läßt sich leichter an den Mann bringen, wenn die Geschichte kurz und prägnant ist. Als Anekdote kam dabei die Aussage eines Journalisten zum Zuge: “Wir trinken beide jeder 3 Whisky. Danach erzähle ich Dir eine kurze Geschichte. Wenn Du morgen nach dem Aufwachen noch alles darüber weißt, war die Story gut.” Deswegen kommen Skandale grundsätzlich komplex daher: damit die bösen Jungs nicht stolpern, so blickt niemand durch. Die bösen Jungs stolpern über ihre Lügen, die sind einfach nachvollziehbar. Insofern: lieber etwas zugeben und man kommt mit den Missetaten bei der öffentlichen Meinung davon. Irgendwie beschlich mich bei der anschließenden Diskussion das Gefühl, daß Darwin zwar Recht hat, mit den Merkmalen, die sich durchsetzen, aber daß der Grund dafür anders ist: nicht der stärkste oder klügste pflanzt sich fort. Nein, das einfachste, schnellste, flutschigste kommt durch. Das würde als Grundprinzip des Lebens passen: Optimierung, bis alle Komplexität wegfällt, erst dann hat es Bestand.

Nach diesen seltsamen Gedankengängen machte mich jemand auf eine schräge Sache aufmerksam. Es gab Listen, auf denen sich Leute brüsteten, im Media-Markt Hausverbot bekommen zu haben. Das war ja schon seltsam genug, aber der Grund war noch verrückter. Die sind dort in die TV-Abteilung mit einem TV-Be-Gone-Tool reingegangen und haben auf Knopfdruck alle TVs auf einmal ausgeschaltet. Das ist ja der Grund von TV-Be-Gone: TVs ausschalten. Daß da der Mediamarkt etwas sauer ist, weil seine Werbefront ausfällt, kann man nachvollziehen. Und damit sowas auffällt, muß es wahrscheinlich sehr genervt haben: immer wieder hingehen, ausschalten, und nochmal, nochmal… Insgesamt schon sehr Kindergarten-mäßig. Aber daß man sich damit dann noch brüstet in irgendwelchen Listen, das ist wirklich sehr bizarr…

Als nächsten Beitrag sah ich einen Track von Professor Wippermann, der über Verschwörungen Auskunft gab. Krisenzeiten sind grundsätzlich Verschwörungszeiten, da ufert es richtig aus. Insgesamt fand ich seine Argumentationskette zwar stichhaltig, aber doch etwas löcherig. Die Konstruktion des Teufels allein und die Fundamentalisten, die sich der Religion als Hilfsmittel bedienen, hatte schon etwas Merkwürdiges an sich. Ich möchte hier aber nicht ideologisieren, vor allem, weil ich den Mann teilweise verstehen kann. Er zeigte eigentlich recht gut den Mißbrauch der Religion und das die neue Religionswelle eher eine Fundamentalisten-Welle ist, auch auf der westlichen Seite! Daß man dem Einhalt gebieten muß, ist völlig klar. Und Toleranz gegenüber Intoleranten stehe ich genausowenig zu. Er nörgelte aber auch am Internet rum, daß es diese Verschwörungshaltung begünstige. Da kam natürlich wieder der Vorwurf: ihr glaubt ja alles im Netz, ihr lest ja keine Bücher. Ihr glaubt dem Netz mehr als dem TV, obwohl sie faktisch auf einer Stufe stünden. Ich denke nicht, daß ich alles, was im Netz steht, glaube. Die Gefahr, daß ich nur Meldungen lese, die zu meiner Meinung passen, ist natürlich größer als im TV oder bei anderen Medien. Aber ich lese auch durchaus Meldungen von Medien, wo mir der Tenor nicht paßt, alleine um auch zu sehen, was die andere Seite denkt. Mir ist das wichtig. Vielen anderen vielleicht nicht. Aber zum Thema Buch lesen: Mich nervt diese Papier-Numemr genauso wie andere Feststoffe (CDs, DVDs): es verstopft die Wohnung, ist lästig beim Umzug, weil schwer und die Brandgefahr vergrößert es auch noch. Deswegen lese ich Bücher gerne auf dem PDA. Man muß nicht umblättern, bleibt durch autoscroll immer in der selben Zeile beim Lesen und muß nur wenig rumtragen. Aber nur, weil ich weniger Bücher kaufe, heißt das nicht, daß ich keine mehr lese. Ich konsumiere sie nur auf eine andere Art und Weise, aber der Inhalt ist der gleiche. Natürlich kam der Vorwurf: “Früher war alles besser!” Prof. Wippermann versuchte noch kurz gegenzuhalten, aber mußte diesen Satz dann doch als sein Credo hochhalten. Tja, kein dummer Mann, ich stimme knapp zu 50% mit ihm überein, aber mir kommt er so ein bißchen hin und hergerissen zwischen Altertum und Moderne vor. Ich empfehle deshalb: seht euch den Stream an. Auch wenn man mit ihm querliegt: er ist ein guter Redner und dabei witzig und mitreißend. Und Show ist ja immer gut.

Ich hatte danach noch den Rest der Veranstaltung über die Zunkunft von tor gesehen, wo Roger Dingledine, der Macher der Software, referierte. Er meinte, es gibt genug Betreiber für schnelle Verbindungen (anonyme Netzte kranken ja immer am Speed), aber leider noch zu wenige Betreiber, um eine bessere Anonymität gewährleisten zu können. Mit anderen Worten, zu wenige Tunnel-Hops. Er erzählte noch von Memory-Freß-Problemen bei den Nicht-Server-Versionen von Windows und rief dazu auf, mit der Software zu den Ermittlungsbehörden zu gehen und ihnen mal z

u zeigen, was es ist, wofür es da ist usw. Er meinte, das ist dann deutlich entspannter, als wenn man als Verdächtiger zu denen geht, was irgendwie logisch klingt. Trotzdem finde ich die Idee eigentlich ganz gut. Viele gegenseitige Verhärtungen basieren auf Mißverständnissen oder Nichtwissen, gerade im menschlichen Bereich zwischen Polizei und den Computer-affinen Personen. Ich denke, daß hier Schulung durchaus die Lage entspannen könnte, so könnte sich die Polizei mal wieder den echten Straftätern zuwenden, statt wie jetzt, irgendwelchen Schatten hinterherzulaufen, bei denen nachher der Richter sowieso nur den Kopf schüttelt und die Leute freispricht. Vertane Energie, verschwendete Zeit, all das könnte man sparen.

Am Abend gab es dann noch eine Demo, mit dem Motto: “Guten Rutsch ins Jahr 1984!” Es ging um Vorratsdatenspeicherung, aber auch die Anti-Schäuble-Plakate waren allgegwnwärtig. Schäuble war ja fast das Maskottchen des diesjährigen Congresses, aber ich denke immer: es könnte auch noch schlimmer kommen. Darüber macht sich aber scheinbar keiner einen Kopf, daß auf diesen Sessel grundsätzlich nur Leute kommen, die mit der Verfassung hadern.

Dann hatte ich noch ein Gespräch mit einem Chaos-Engel, also einem freiwilligen Helfer. Die Helfer zahlen vollen Eintritt, dafür gibt’s wenigstens Essen und Getränke frei. Macht man mehr als 10 Stunden Arbeit, gibt’s noch ein T-Shirt dazu. Übrigens zahlen wohl selbst die Großkopferten des CCC ihren Eintritt, Selbstausbeutung dient der Sache. Da er auch oft Video-Betreuuung in den Sälen machte, sagte ich ihm, daß ich ja einiges nur über die Streams gesehen habe und daß es mich stört, wenn so viel vom Sprecher gezeigt wird, aber so wenig von dem Beamerbild mit den Inhalten des Vortrags. Das konnte er noch nachvollziehen, meinte aber, in den fertigen Streams später, dürfte das besser aussehen, da wird das nochmal neu zusammengeschnitten. Wenig Gegenliebe erntete ich mit meinem Vorschlag, wenigstens bei der Diskussion die Fragenden zu zeigen. Das geht aber nicht, da dann ja auch alle anderen im Sall auf’s Bild kämen. Recht am eigenen Bild. Manchmal kann Hacker-Ethik wirklich nervig sein… Ich plädiere für eine Ausschnittssoftware im laufenden Stream.

Der Abend endete mit Hacker-Jeopardy, dazu habe ich massenweise Bilder gemacht, die ich aber erst demnächst auflisten werde, so im neuen Jahr. Da waren echt schräge Fragen bei, aber Geduld! Vielleicht muß ich das ja auch gar nicht bringen, weil es jemand anders schon veröffentlicht hat? :)
Wer Hacker-Jeopardy verpaßt hat: mein Byelight. Das ist eine der Krönungsveranstaltungen des Kongresses. Übrigens: diesmal hat Fefe verloren. Sehr unüblich…

Den Vortrag bzw. die Vorträge von Lightning Talks (alle 5 Minuten Redner-Wechsel) habe ich leider verpaßt heute. Ich denke, das werde ich mir auf jeden Fall nochmal reinziehen, wenn die Video-Streams fertig sind.

Dafür habe ich heute etwas rumgeguckt und war zuerst beim Stand der Motorkopter Motorkopter. Den Vortrag hatte ich nicht gesehen, da lief gestern parallel der Bundestrojaner und ich kämpfte da sowieso gegen meine Technik. Die Dinger kosten normalerweise im Laden zwischen 10.000 und 15.000 Euro. Im Selbstbau ist man ab 500 Euro dabei. Dumm nur: eine Batterieladung reicht gerade mal 15 Minuten. Auch mit Verbrennungsmotor käme man nicht weiter. Und die Dinger baut man in Leichtbauweise. Bei 500 Metern Höhe ist Schluß denn darüber wird’s zu windig, das stehen die Teile wohl nicht durch. Aber trotzdem: beachtliche Entwicklung!

Dann natürlich: Blinkenlights Blinkenlights!

Die sind ja jedes Jahr dabei, aber irgendwie sieht das Ganze von Jahr zu Jahr besser aus. Also, finde ich jedenfalls. Kann auch dadurch dramatischer gewirkt haben, weil es im dunklen Keller stattfand. Aber trotzdem, der Kram macht sich. Und eigentlich würde ich gerne so einen kleinen Bausatz erwerben, aber sowohl das “Haus des Lehrers” in Blinkenlights-Modell-Version (mit SD-Karten-Einschub oben links für die Filme) als auch andere ähnliche Modelle scheinen entweder zu teuer in den Einzelteilen zu sein, oder aber es gibt diverse Einzelteile nicht mehr. So ist z.B. der SD-Slot, also die simple Metall-Klemme mit dem Pin-Anschluß bei knapp 7 Euronen. Und das ist lediglich ein Stück Blech, noch dazu ändern die wohl dauernd die Bauweise und manchmal ist da auch gar nix zu kriegen. Die Chinesen trinken uns nicht nur die Milch weg, sie klauen auch noch die SD-Slots um dann unsere Märkte mit billigen Kameras zuzutackern! Oder wie jetzt? Nun ja, hier jedenfalls das kleine Blinkenlights-Haus und ein Blinkenlights-Tetris-Spiel (echt bedienbar!) für die Hauswand:

Tja, da ich da vielleicht nicht alleine stehe, vor allem auch mit dem Wunsch nach fertigen Lösungen, ich bin nämlich kein großer Bastler, riet man mir, öfter mal ins Forum von www.blinkenarea.org zu gucken oder dort anzufragen, ob da mal irgendwas Neues kommt oder so. Alle, die also wie ich meinen, das Geblinke hat Zukunft, bitte ich deshalb ebenfalls: geht zu den Blinkenlights-Leuten und redet mit ihnen!

Bei den Vorträgen gab es einen, den ich eigentlich zuerst als etwas unprofesionell angesehen hatte. Fast hätte ich mir das gar nicht angetan, das las sich zuerst so sozialistisch:

23 Wege für Deine Rechte zu kämpfen

Aber war es gar nicht. Der Redner Markus Beckedahl zeigte sehr schön, was man bei Lobby-Arbeit alles beachten muß. Warum man lieber Fax oder noch besser Briefpost nutzen sollte (Politik und ihre Verwaltung: alles alte Säcke, die schieben Emails nur weg), daß man es über www.abgeordnetenwatch.de versuchen sollte, seine Anliegen vorzutragen und daß man für unterschiedliche Parteien auch unterschiedliche Argumente vortragen müßte. Bei der CDU käme man mit Datenschutz gar nicht weit, das sehen die eher als feindlich an, aber fehlender Datenschutz kostet auf jeden Fall Arbeitsplätze und das wiederum können die natürlich nicht einfach so hinnehmen und sperren ihre Lauscher auf. Bei anderen Parteien kommt man mit Datenschutz-Argumenten weiter, aber schwierig wird’s wohl bei den Linken, da muß man auf alte Parolen zurückgreifen, damit die einem zuhören. Schön fand ich den Hinweis, daß, sollte man persönlich zu einem Abgeordneten gehen, man besser auf die Kleiderordnung achtet. Auch vorher duschen könnte helfen. Das gab natürlich großes Gelächter im Saal. Der Redner rief auch dazu auf, mehr Blogs zu schreiben (genau: selbst ist der Mann! Oder die Frau! Schreibt mehr Blogs! Use more Brainwidth!) und auch nicht immer nur an die großen Magazine zu schreiben. Das kleine, lokale Käseblatt wird auch von vielen gelesen und was da drin steht, wird manchmal eher wahrgenommen. Am Ende kam die Fragerunde und ein anwesender Abgeordneter (wer eigentlich?) bestätigte gerade diese Email-Wegwerf-Mentalität (und da heißt es immer, es geht nix ohne). Er meinte auch: er würde vieles anders entscheiden wollen, hätte er mehr Informationen. Er kriegt vieles aber von der Verwaltung durchgereicht und nickt das dann nur ab, er hat halt nur diese eine Meinung vorliegen. Er meinte: ein Brief pro Woche, nur 55 Cent, an den jeweiligen Abgeordneten, würde reichen, um durchaus etwas zu bewegen! Und frühzeitig, also möglichst, bevor die Gesetzgebungsmaschinerie losrattert. Er bezeichnete LobbyArbeit übrigens als Spaß, ich lasse mal dahingestellt, wer den Spaß hat. Hoffentlich hat der Mann nicht ursprünglich mit der Post angebändelt und lacht sich jetzt ins Fäustchen wegen der zusätzlichen Milliarden, die jede Woche bei der Post in die Banktresore rauschen.

Zwischendrin hatte ich immer wieder mal Ausschau nach komischen Dingen gehalten. Eins dieser Dinge war der “Telefon-Vergleich”. Auf einem Tisch waren sowohl Relais-Telefonie ein altes und ein neues Telefon aufgebaut. Dazwischen, an das alte gekoppelt natürlich, das Relais für die Wählscheibe. Und das ratterte extrem laut! Aber nett, es funktionierte immerhin. Allerdings habe ich jetzt nicht getestet, ob man damit auch noch telefonieren konnte, ich nehme es aber mal an. Auf dem CCC funktioniert dieses Jahr einfach alles! Und das trotz einer extremen Laptop-Schwemme. Fast jeder rennt mit so ‘nem Ding rum. Die Geizpickelei scheint wegen der doch runterfliegenden Preise zu Ende zu sein und es ist interessant, daß die Anzahl der freien Netzports an den rumliegenden Switchen kein Problem darstellt. Selbst das WLAN hält meistens stand (wenn auch nur mittels FIX-IP, DHCP bricht im WLAN gerne weg). Das einzige, was wirklich schwierig ist: Strom! Es sind scheinbar nicht genug Steckdosen da, überall liegen Mehrfachsteckdosen rum und meistens alle vollgestöpselt. Klar hält ein Laptop auch so mal 2,5 Stunden durch, aber wenn bis dahin keiner aufgestanden ist, heißt’s gute Nacht.

Nun kam die Abwägung: CCC-Jahresrückblick oder I2P-Vortrag? Ich entschied mich für letzteres,

da ich schon öfter mit I2P rumgespielt hatte. Der Redner kam mir bekannt vor, vielleicht hielt er einen ähnlichen Track schon letztes Jahr bei den Lightning Talks? Wie auch immer, er faselte viel, versuchte zwar Licht ins Dunkel zu bringen, aber außer daß Tor eben nicht so viel Dienste zuläßt, sind mir die grundsätzlichen Unterschiede zwischen Tor (Onion-Routing) und I2P (Garlic-Routing) immer noch nicht klar. Auf das schlimmste Problem von I2P ging er gar nicht ein: die Benutzbarkeit. I2P krankt nämlich enorm an der Geschwindigkeit. Man braucht mehrere Tunnel, um halbwegs anonym zu sein und jeder Tunnel macht alles lahm, lahmer, am lahmsten. Ich habe I2P lange nicht mehr genutzt, mal sehen. Manchmal reichen ja solche Anstupser, um sich mal wieder mit sowas zu beschäftigen.

Dann der CCC-Jahresrückblick. Vieles kannte man ja schon aus den Medien, aber die Detailreichheit gerade von Leuten wie Andy Möller-Maguhn (oder Müller-Maguhn? Darüber stolpere ich ständig: ö oder ü?) und der Witz, mit dem diese Riege die Dinge vortrug, war doch sehr spaßig! So erzählte Andy (ich verzichte jetzt einfach auf den Nachnamen) von einer Sitzung, in der beim Mittagessen so unter der Hand mal schnell eingeworfen wurde, daß das BKA seinen Bundestrojaner mittels Zero-Day-Exploits an den Mann bringen will und die werden fleißig eingekauft vom BND. Hand-in-Hand-Arbeit sozusagen, viel Platz für Verschwörungen. Das wurde in der Sitzung natürlich dementiert, ebenso wurde abgestritten, daß die Abstrahlung von Geräten auswertbar sei. Andy vermutete das altbekannte NOBUS-System: No One But US. Sonst nutzt nachher noch jemand diese Technik gegen sie. Bei der Sitzung zum Bundestrojaner beim Bundesverfassungsgericht meinte Frank Rieger lapidar, das sei dermaßen unterhaltsam gewesen, er hätte sogar Eintritt dafür bezahlt. Der dortige BKA-Mann hatte auf die Frage, woher sie denn wüßten, ob sie da überhaupt gerade den richtigen PC remote aufmachen und ausschlachten, geantwortet: na, das sehen sie ja dann an den ausgewerteten Daten. Eine Art 2. Vorratsdatenspeicherung: wir machen solange fremde PCs auf, bis wir den richtigen gefunden haben, oder wie? Was sagt eigentlich die russische Mafia dazu, wenn unsere Polizei ständig deren Konzept klaut? Dann gab es die üblichen Sicherheitsnummern, die keine sind und einem eher ein mulmiges Gefühl machen: Sie erzählten von einem mit Magnetkarten gesicherten Flughafen, bei dem aber die Journalisten mit ihrer Kamera trotz blinkendem Alarmsignalen überall anstandslos rein- und rausgehen konnten. Sicherheit ist das wohl eher nicht. Dann die Sache mit den Fingerabdruck-Scannern bei Edeka. Ich wußte gar nicht, daß die das schon in 150 Filialen machen. Der CCC hatte jedenfalls Reportern in wenigen Stunden beigebracht, wie man die Scanner täuscht und auf fremde Kosten einkaufen geht. Wenn die das schaffen, dürfte das jeder können. Da wird Edeka wohl ein paar Verluste machen, aber ich vermute angesichts ihrer Preisstruktur dürfte das mittlerweile eingepreist sein. Zwischendrin gab es zum Chaosradio ein paar interessante Bemerkungen: obwohl sie über Analog-Radio eine Stunde (pro Woche?) auf Fritz vertreten sind, scheinen sie per Netz mittlerweile mehr Hörer zu haben. Der Hammer: 5-stellige Nutzer-Zahlen und 12 Terabyte Datenaufkommen im Monat! 12 TB!!! Unfaßbar! Dann gab es noch den unschönen Hinweis, daß jemand versucht hat, sie mehrfach aus den Ausschüssen rauszuhalten, obwohl sie vorher telefonische Zusagen bekommen hatten. Alles sehr unschön, da fühlt sich wohl eine große Gegenkraft auf die Füße getreten und hält dagegen. Frank Rieger bewertete trotz des fatalen Anti-Bürgerrechts-Jahres (im Grunde ist dieses Jahr die Einführung des Überwachungs-Stasi-Staates komplettiert worden) die CCC-Entwicklung als positiv. Nicht nur die steigenden Mitgliederzahlen sprächen dafür, sondern auch, daß sie mittlerweile im ganzen politischen Spektrum was erreicht hätten. Nur, weil Gauweiler gegen die Vorratsdatenspeicherung gestimmt hat. Ich denke, gerade ältere Leute dürften in letzter Zeit etwas hellhöriger geworden sein. Nicht nur, daß sie oft von der schnellen technischen Entwicklung abgehängt werden, nein auch der Staat wird sie wohl jetzt schon elektronisch nach Strich und Faden verarschen. Daraus werden 2 Resultatmenschen kommen: der eine wird total technikfeindlich und lehnt jeden technischen Fortschritt ab. Der andere dürfte sich an technophile Leute wie den CCC halten, die einfach nur sagen: Technik, ja bitte, aber nicht ohne Folgenabschätzung! Insofern ist der CCC sauber, er hat keine ideologisch verbrämte Doktrin. Das dürfte das Geheimnis des Erfolgs sein. Und natürlich das ständige unlogische Blabla von Politikern fast jeder Couleur, die Journalisten von allen Seiten dazu brachten, sich mit dem CCC zusammen einen Kopf zu machen. Ich hoffe ja mal, daß der Erfolg des CCC anhält, aber ich weiß nicht, ob das Ruder der Gängelung und Überwachung noch zurückzureißen ist.

Dann war da ein Projekt, welches auch letztes Jahr schon erste Ergebnisse präsentierte: Der One-Laptop-Per-Child-Computer, oder auch OLPC oder auch $100-Laptop. Nunja, er ist wohl teurer geworden, knapp $200 und theoretisch soll man ihn auch schon kaufen können: man zahlt für 2 (also $400) und einer wird in die dritte Welt geschickt. Heute gab es einen Stand, da wuselten OLPC Austria diese Mini-Laptops nur so rum. Es war die Gruppe OLPC-Austria, die hatten gleich Massen davon. Das sieht im Grunde sehr putzig aus. Sie arbeiten weiterhin unentgeltlich an dem Projekt und ich bin davon fast so begeistert wie von dem ASUS EEE-PC.

Zu guter Letzt das Highlight des Tages: FX von Phenoelit fing harmlos an. Barcodes kennen wir ja vom Einkaufen, also die 1D-Dinger. Neuerdings gibt’s ja auch für Briefmarken auch 2D-Codes zum selber drucken. Die Spezifikationen für die 1D-Welt sind größtenteils offen, während man für 2D-Spezifikationen meistens bezahlen muß. Aber keine Sorge, nur $20, also nächstes Jahr umgerechnet 3,50 Euro. Diese Aussage fand beherzten Beifall. Morgens war übrigens eine wenig beachtete Demo vor der Berliner-Bank-Zentrale gewesen, in der auf die Geldvernichtung der Banken hingewiesen wurde. Diese Demo fand weniger Beachtung, aber hier hätte sie jetzt gut hergepaßt, für einen kurzen Moment… FX fuhr jedenfalls fort und meinte: vieles müsse man gar nicht entschlüsseln. Es reicht die simple Kopie, so prüft ein Parkhaus in Dresden wohl den Code nur soweit, ob es wirklich eine Dauerkarte ist. Ob derjenige schon drin ist oder nicht, steht gar nicht drauf. Und wird wohl auch nicht geprüft. Überhaupt scheinen sich viele Firmen darauf zu verlassen: Da ist ein Code drauf, dann ist es sicher. Fatal mal wieder das Beispiel des Flughafens: in Frankfurt waren sogar physische Zugänge mit Barcode-Karten erreichbar. Und mit ausgedruckten Tickets, an die man ja sein Gepäck logisch bindet kann man jemandem also auch noch böse Dinge anhängen. Dieses zur Sicherheitsauffassung unserer Behörden. Sinnlos Flüssigkeiten verbieten, aber da wo’s drauf ankommt, versagen. “Diesen kleinen Bereich Sicherheit werden wir hochtreiben! Das mag uns ein Vermögen kosten, aber wen

igstens verlieren wir dann hier nicht wie in allen anderen Bereichen, in denen wir schon verloren haben!” Da wird einem ganz anders das nächste mal auf dem Flughafen… FX führte auch aus, wie die Punks wochenlang mit den gleichen Pfand-Bons bei Lidl & Co. einkaufen gingen, immer wieder kopiert, kopiert, kopiert. Nirgends scheinen echte Sicherheitsmerkmale drauf zu sein, wie: ist nun benutzt. Zumindest im Abrechnungssystem muß doch sowas auffallen! Wie mies kann so ein Controlling in so einer Firma sein? Es gab aber wohl positive Ausnahmen: Packstation, Ikea und Deutsche Bahn ließen sich nicht so leicht austricksen, jedenfalls hätte man da deutlich mehr Mühe reinstecken müssen, bei letzterer Firma war der Code wohl sogar verschlüsselt. Es scheint also Leute zu geben, die nachdenken. Aber an der Barcode-Front sind es definitiv nur sehr wenige. Der neueste Schrei waren wohl 2D-Barcodes in Zeitungen, die man mit dem Handy abfotografieren sollte, eine bestimmte Software installieren sollte und dann würde man was tolles sehen. Die Auswertung des Barcodes ergab dann eine Internet-URL. Das könnte bedeuten, daß die nächsten Angriffswellen aus normalen Zeitungen kommen: “Klickt bloß nicht alles an, was ihr in der Zeitung lest!” Sehr schräg! Das heftigste fand ich persönlich, daß die diversen Codes Weiterführungssteuerzeichen haben, so kriegt man Geräte zu einem Buffer-Overflow und sie verraten einem viele Dinge, die sie einem sonst nicht offenbaren würden. In den meisten Fällen übrigens werden noch nichtmal die Daten klar abgelesen. So kommt man bei vieln Scannern schon durch, wenn überhaupt was gelesen werden konnte. Da kann man sich echt nur an den Kopf fassen! Wenn das als Stream rauskommt: unbedingt ansehen!

Tja, es fing dieses Jahr ruhiger an als erwartet. Das könnte daran liegen, daß die Hacker immer mehr in die Defensive geraten. Die Demokratisierung der Welt ist zur Zeit stark rückläufig und dabei geht es lange nicht mehr nur um Vorratsdatenspeicherung und Bundestrojaner. Die Geschichten rund um tor zeigen, wie der Staat immer mehr versucht, das sowieso schon dünne Eis zerbrechlicher zu machen. Exit-Nodes werden beschlagnahmt, Betreiber finden keine Provider mehr, da diese dann auch Ärger mit den Behörden haben usw. Einen lustigen Hinweis fand ich, ist die Tatsache, daß tor ursprünglich von der US Navy finanziert wurde und zwar als Waffe gegen den Terror. Nun sind Sicherheitsbehörden der Meinung, tor wäre terroristisches Werkzeug. Sehr paradox. Als ob die Betreiber nicht genug Probleme mit wirklich ekligem Content haben oder mit DDOS-Attacken u.ä. Ich bin ja erstaunt, wie mutig diese Leute sind und was sie alles auf sich nehmen, ich wäre da etwas zu angsthasig für. Naja, Datenvorratsspeicherung läuft ja erst ab 2009, mal sehen, ob bis dahin das Bundesverfassungsgericht die Politik unserer verfassungsfeindlichen Politiker wieder gerade gerückt hat. Die Chancen dürften gut stehen.

Eine weitere Methode zur Demokratiebeendigung wird weiterhin durch Wahlmaschinen vorangetrieben. Obwohl mehrfach in der Kritik, zigmal gehackt und anderere negativer Dinge (z.B. keine Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse wegen fehlendem Papertray) versuchen unsere Ordnungsbehörden grob fahrlässig, weiterhin Wahlcomputer gegen jede Logik durchzudrücken. Das wird gleich doppelt teuer. Die Dinger, die übrigens Technik aus den 80ern beinhalten, kosten ein Schweinegeld und vielleicht auch noch das richtige Wahlergebnis. Man sollte dabei immer im Hinterkopf behalten, daß Nedap als holländsche Firma im eigenen Land keine Wahlmaschinen mehr stellen darf. Das wird die nicht groß kratzen, schließlich machen sie auch andere Systeme, wie z.B. die Türschranken bei H & M. Aber uns könnte es schon kratzen, wenn wir auf diesen untauglichen Dingern wählen müssen. Ich mache es ja schon seit langem so: zur Wahl einfach mal wegfahren und per Briefwahl wählen, das war auch die allgemeine Empfehlung. Würde sich dieses Modell durchsetzen, könnte ebenfalls das Bundesverfassungsgericht einschreiten, da die Briefwahl Ausnahme bleiben sollte. Wird sie zur Regel, dürfte etwas mit dem Wahlsystem nicht stimmen, eine Abstimmung mit den Füßen quasi, wie kurz vor Maueröffnung. Mal sehen, was wird sicherlich noch spannend. Aber daß mir in 20 Jahren keiner behauptet, das konnte man ja nicht ahnen, was da alles so kommt. 1984 beginnt nun Ende 2007 und das ist lustigerweise 23 Jahre später…

Aber es gab nicht nur Politik. Die Technik kam nicht zu kurz, wobei ich das Wort Bundestrojaner schon nicht mehr hören kann (*gähn*). Ein Holländer (tz, diese Holländer hier überall) namens Maarten Van Horenbeeck erzählte etwas über Viren- und Trojaner-Forschung. Es war ganz interessant, wie chinesische Trojaner-Schmieden arbeiten. Da gibt es unterschiedliches Aktivierungsverhalten bezogen auf die Zeitzone. Oder andere schräge Dinge: eine Winrar-Version wurde verändert, aber die Chinesen bemerkten wohl, daß ihre Version anders ist als die von den anderen Ländern. Das vervirte Tool schmierte in vielen anderen Sprachen einfach ab. Um zu retten, was nicht mehr zu retten ist, pappten sie eine Abturzmessage rein, die besagte: das hier ist kein Virus, es sind lediglich nicht alle Dateien von Winrar installiert, weswegen das Tool nun abkackt. Der Trojaner war wohl trotzdem drauf, aber man hoffte, der User würde die Sache nicht näher untersuchen, schließlich schmieren ständig irgendelche Tools ab. Ideen muß man haben. Als Hinweis gegen Verseuchung gab er die üblichen Hinweise: Sandboxen nützen wenig (dazu zählen im Grunde auch Virenscanner), nur Hardening und abschalten nicht benötigter Dinge bringt etwas. Er zeigte auch eine IP-Map der Server, die die geklauten Passwörter usw. einsammeln, nachdem sich der Trojaner mittels entferntem Kommando selbst entfernt (!). So sind die Beweise des Eindringens getilgt, aber in der IP-Map wollte der Mann nicht alle Adressen preisgeben, weil er nicht wollte, daß die Server durch seine Veröffentlichung sterben. So könnte man besser an den Dingern forschen. Tja, man darf dann nur kein Windows benutzen, sonst legt man sich die Karten. Insgesamt machte diese Argumentation auf mich eher den Eindruck von Seven of Nines Eltern, die einfach mal fröhlich die Borg studieren wollten. Der Student geht solange zur Mensa, bis er bricht.

Aber ich will gar nicht unken, es war mal mein erstes Erlebnis mit Laptop hier und das normale Netz ist superschnell! Sogar das WLAN geht häufiger, auch wenn ich mit der bcm43xx-Karte etwas gekämpft habe…

Als letzte Dinge, die noch erwähnenswert sind, bleiben das anonyme Schließsystem (fand ich persönlich nicht so spannend), genetisches Programmieren und ein zwar in etwas holprigem Englisch dargebrachten Vortrag über Social Engineering und wo die Reise hingehen könnte: nämlich ebenfalls in Mafia-Richtung: mehr Wegelagerei, mehr Einschränkung und mehr Überwachung. Also die Fortsetzung der Vergangenheit. Der Aufruf, mehr für die Freiheiten zu tun, indem man mehr offene Lizenzen benutzt, erreichte bisher auch nicht genug Leute. Ich hatte mehr Problemlösung erwartet. Eine davon kam als Flyer: jemand brachte eine Werbung für “Eshield”. Eshield ist ein Produkt, mit dem man nicht nur seinen Paß sondern auch andere RFID-gestützte Dinge vor unbefugtem Auslesen schützen kann. Interessant: die Wirtschaft springt schon an auf das Panik-Pferd. Das wird eine weitere Spaltung der Gesellschaft zementieren: die Trennung wird verlaufen zwischen denen, die sich Privatheit leisten können und denen, die komplett gläsern sind, weil sie kein Geld für Privatsphäre haben. Sie enden nachher im Gestrüpp der Sicherheitsbehörden. Unschuldige Fische, die von den Orkanwellen hin und hergeworfen werden. Was lernen wir daraus? Wir müssen alle mehr Kohle machen, nur Geld kann uns noch schützen. Alles andere ist die Überlegung nicht wert. Mal sehen, ob die nächsten 3 Tage etwas weniger depressiv verlaufen. Klar wurde bei den Vorträgen gelacht. Aber manchml bleibt einem das Lachen auch im Halse stecken. Ach ja, für die an die Wohnung oder Arbeit Geketteten:

Hier befindet sich die Liste, was wann wo läuft und hier die dazu passenden Live-Streams zum jeweiligen Saal.

Das finde ich eine schöne Sache, vor allem, weil es mittlerweile relativ stabil läuft. Wenn auch meist mit proprietärem Protokoll, welches wieder nicht durch die Proxies gelassen wird, da MMS. Ok, man könnte auch Flash nehmen, aber den Link werde ich hier sicherlich nicht propagieren…:)

Aber wenigstens war der Weihnachtsmann da und brachte mir Weihnachts-Geschenk: Downloading dieses nette Kapuzen-Shirt! Ich hoffe nicht, hier behauptet jetzt jemand, ich würde jeden Scheiß downloaden. So ist es natürlich nicht. Aber ich denke, es paßt ganz gut zu mir, harhar. Natürlich werde ich es zum Chaos Communication Congress (übrigens auch als Ankündigung unter termine.dicke-aersche.de, ich werde auch wieder über das dort Gesehene/Gehörte bloggen) anziehen, dort paßt es so schön hin.

Und da Downloading auch ein bißchen mit Software zu tun hat, hier ein kurzer Bericht zwischen den Jahren:

Zuerstmal die erwartete Richtung der Antivirenlösungen. Die Erkennungsrate geht drastisch nach unten. Das tut sie allerdings schon seit Jahren. Insofern kann man wohl davon ausgehen, daß auf jedem 2. Windows-PC irgendwas rumfleucht. Klar, die Dinger spähen nur noch aus, aber ist schon dumm, wenn einem jemand das Konto abräumt. Wie auch immer, die Richtung ist zwar seit langem klar, schließlich verdient die Mafia, die die Dinger entwirft, bestimmt ein Vielfaches von dem, was die Anti-Virenhersteller verdienen. Mehr Leute, mehr Ideen. Was mich mehr verwundert, ist, daß auf einmal auch alte Lücken wieder aufgehen. Was ist da los? Haben die Mafiosis ihre Leute schon bei den Antiviren-Herstellern sitzen? Das wäre mal eine ganz andere Art der Korruption… Dazu würde passen, daß der Staat diese Software bald auf allen Rechnern sehen will. Ein Schelm, wer böses dabei denkt: eine untaugliche Anti-Virensoftware läßt auch gerne mal den Bundestrojaner rein. Und die aktuellen Datenverluste der britischen Behörden zeigen sehr deutlich, wie besorgt der Staat um die Daten seiner Bürger ist: nämlich gar nicht. Solange er sie bekommt. Tja, da stellt sich die Frage, ob man proprietärer Software demnächst überhaupt auch nur noch ansatzweise trauen darf. Ich war da immer skeptisch, aber das zeigt eine schlimmere Richtung, als ich es in meinen kühnsten Alpträumen vorhergehorrort hätte.

Zum Haudrauf auf geschlossene Software paßt mein Lieblingsthema: Flash. Ich meide diese Grütze wie der Teufel das Weihwasser, Youtube ist das Schlimmste, was es in dieser Richtung gibt, es schleust den Mist nämlich auf jeden PC. Und eigentlich war da ein Supergau lange fällig. Der kündigt sich nun an und ich denke, da werden die üblichen Viren per Mail oder Webseite eher ein Witz sein, wenn man mal den Erfolg von Youtube und anderen Video-Seiten betrachtet: die nehmen alle Flash als Grundlage. Klar, wird so mancher einwenden: PHP ist auch buggy bis zum Gehtnichtmehr und das ist offen. Aber wenn etwas offen ist und dermaßen buggy, dann sieht man das ganz gut und wer es wider besseren Wissens nutzt, ist IMHO selbst schuld. Ich vermeide PHP genauso, denn die Loch-Listen dieser Errungenschaft erreichen Microsoftsche Höhen. Aber zu PHP gibt’s Alternativen. Zu Flash zur Zeit nicht wirklich, deshalb werden wir da sicherlich noch lustige Pressemitteilungen lesen.

Wo die Berichterstattung allerdings ziemlich hapert, dürfte bei Apple sein. Diese Firma führt sich mittlerweile auf, als sei sie ein Haufen von Top-Secret-Bundesagenten und verklagt jeden, der vom Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch macht. Also meiner Meinung nach sind die lange im Lager der Bösen angekommen, aber diese Meldung ist wirklich die Krönung. Was nehmen die sich raus? Wenn die Informations-Lecks haben, müssen die die intern schließen, aber den Berichterstatter vor Gericht zerren? Geht’s noch? Ich kaufe ja eh keine Apple-Produkte, aber angesichts dieser Maßnahmen müßte der Absatz dieser Firma in China stark zunehmen, dort ist man dann ja auf einer Wellenlänge. Mal sehen, wann der erste Apple-Berichterstatter nach Guantanamo (schrecklicher Ort, wir waren da, dort regiert der Verfall…;))) kommt wegen der “Nationalen Sicherheit”, damit kann man ja alles erschlagen, wenn man die richtigen Freunde in der Regierung hat.

Tja, heute nur kurze Beispiele aus dem Heise-Newsticker, immer noch eins der wichtigsten News-Organe des Netzes. Aber das liegt eigentlich eher daran, daß die anderen momentan nicht ganz so viel berichten, was mir persönlich am Herzen liegt. Aber ich hoffe, ihr verzeiht mir, den News-Aggregator mache ich hier doch meistens in Ausnahmefällen. Demnächst gibt’s erstmal mehr vom CCC, dann dürften es eher die traditionellen Medien mit ihrer zentralen Berichterstattung schwer haben.

Oder vielleicht Merry Xmas so? Wie auch immer, ich gehöre ja auch als typischer Vertreter meiner Spezies (nochmal kurz in die Hose gucken, ja doch…) zu denjenigen, die relativ kurz vor Schluß an den Geschenke-Wahnsinn denken. Ich versuche mich systematisch von dem ganzen Weihnachtstrubel abzugrenzen. Man kommt ja nicht ganz um Weihnachtsmärkte drumrum, aber wenigstens die Weihnachtshektik würde ich lieber auslassen. Nunja, das ist mir nicht immer vergönnt, denn heute bin ich also durch die Kaufhäuser gezogen. Es war voll, schweinevoll. Die U-Bahnen, die Läden. Aber ich hörte Verkäufer klagen (“zu wenig Kauflust”) und die Kassen waren sichtlich NICHT überfüllt. Und wenn man sich in den einzelnen Läden umsah, bemerkte man überall Menschen mit Handy am Ohr. Die Gespräche verliefen brachial geizgeilig:

“Ja, der MP3-Player Wukutuku, kannst Du mal gucken, was der im Internet kostet? Hm… Ach, 45 Euro? Gut, bestell mal, hier kostet er 95.”

Ähnlich auch für andere Artikel wie DVDs, CDs, Kühlschränke, Fernseher. Bei Büchern gab’s auf einmal andere Kriterien:

“Haben die zur Zeit nicht da, Lieferung mindestens nach Weihnachten. Wie sieht’s denn bei Amazon aus?”

Wobei die meisten Buchläden hier scheinbar halbwegs mithalten konnten, dort waren die Kassen ein bißchen voller. Jedenfalls ich hatte eher das Gefühl eines Sommerschlußverkaufs, denn wenn ich die Handy-Gespräche richtig deute, dann ist der Überraschungsmoment beim Auspacken schnurzpiepegal, hauptsache, man hat was gutes billig erstanden. Oder zumindest denkt man, man hätte etwas günstig gekauft. Hilft ja mental enorm.

Zu guter Letzt, quasi als meine Geschenke an euch, ein paar nette Blogs/Webseiten, die mir in letzter Zeit über den Weg gelaufen sind. Zuerstmal die Seiten von Karl Nagel. Er kommt aus Hannover und dürfte dem einen oder anderen nicht unbekannt sein. Er ist ein Mensch, der “komische Dinge macht”, wie viele Leute, die aus dieser Stadt stammen (habe ich mir sagen lassen, Bruhahaha), so kann ich mich z.B. erinnern, daß er mal Chef der APPD war (Das Motto der Partei ist “Arbeit ist Scheiße”). Auf seinen Webseiten outet er sich als Mitinitiator der Chaos-Tage (was wahrscheinlich, wie vieles von ihm, hoffnungslos übertrieben ist) und stellt auch zahlreiche Fotos aus dieser Zeit bereit. Wer also mal in Erinnerungen schwelgen will, sollte sich seine Seiten antun.

Dann gibt es da noch eine österreichische Comic-Zeichnerin namens Nina Ruzicka. Sie gibt ihre Comics frei ins Netz, darunter ihre Erstlingswerke Nina und mir persönlich deutlich näher, weil wirklich recht lustig: Der Tod und das Mädchen. Letzteres besteht aus einer richtig langen Comic-Story und sie werkelt gerade an Teil 2. Auch in die unfertige Story kann man reinriechen. Die Künstlerin aus Wien malt übrigens auch Bilder und hat wohl einige mit Blut gemalt. Natürlich kam dabei die Frage nach der Herkunft des Blutes auf. Sie führt hier sehr schön aus, daß es ihr eigenes Blut war und es auch ein paar Begleitumstände dazu gibt, die man wissen sollte. Mit anderen Worten: so morbid können nur Wiener sein. Aber im Grunde sehr informativ, weiter so!

In diesem Sinne: immer schön froh auf den Wein achten!

Zuerst mal das Wichtige: eine neue Gallery ist am Start. Nämlich die Gallery von unserem diesjährigen Gran Canaria Urlaub! 346 Normale Bilder plus 8 Panorama-Bilder! Falls jemand Sonntags die Auswanderersendung auf VOX guckt: wir waren schon im Golden Moments, Kaffee trinken. Wir haben zwar nur Fabio kennengelernt, können aber klar sagen: ein netter Mensch! Insofern, falls ihr mal nach Gran Canaria fahrt, besucht die beiden im Yumbo Shopping Center und laßt euer Geld ruhig in dem Laden! :)

Aber mal zum Thema Geld in eigener Sache: Ich hatte ja mal überlegt, zumindest, was Logo-T-Shirts o.ä. betrifft, mich an so einen T-Shirt-Shop wie spreadshirt.net zu hängen. Da war aber sehr abschreckend, daß die mit Flash arbeiteten. Ich bin erklärter Gegner dieses Formats, aus meiner Sicht der sichere Tod des Internets. Ein Frank Dreesbach war nicht ganz meiner Meinung bzgl. Flash, fand aber immerhin eine Alternative ohne Flash: www.shirtcity.com. Dafür gebührt ihm mein Dank! Deswegen (Fanfare) kommt hier mein T-Shirt-Shop:

http://dicke-aersche.shirtcity.com

Zur Zeit habe ich da noch nicht so viel Entwürfe, aber ich denke, das wird mehr werden. Ich versuche auch, nicht allzuviel Geld auf die Preise aufzuschlagen, schließlich soll das ja noch finanzierbar bleiben. Falls euch also mein Geschreibsel oder meine Bilder gefallen und vielleicht sogar noch eines der im Shop angepriesenen Kleidungsstücke, so wäre ich bestimmt nicht böse, wenn der eine oder andere Einkauf stattfinden würde. Und schließlich ist bald Weihnachten, da braucht man dringend Weihnachtsgeschenke, oder? :)

Eigentlich bin ich momentan etwas zu unfit, um zu bloggen. Aber ich wollte trotzdem mal etwas von mir geben, schließlich liegt mein letzter Beitrag schon wieder ein bißchen zurück. Obwohl ich krank geschrieben bin, meinte mein Chef, es wäre ok, wenn ich mal kurz zur Weihnachtsfeier dazukäme. Mein Doc meinte auch, daß das “für ‘ne Stunde oder so” machbar sei. Außerdem sicherte mir mein Chef dankenswerterweise Nichtrauchen zu (obwohl er ein starker Raucher ist). Dazu mußte ich allerdings etwas einpacken. Und zwar 2 “Brummel”-Geschenke.

“Brummeln” (oder auch “Wichteln”, “Jul Club” und viele andere geläufige Bezeichnungen) bezeichnet das Spiel, auf Weihnachtsfeiern Dinge auszutauschen, die niemand mehr braucht. Es gibt verschiedene Varianten, das zu spielen. Es gibt die Variante “in den Sack fassen ohne zu sehen, was man greift und behalten” oder aber direktes Tauschen der verpackten Geschenke oder aber Verlosung oder, so wie es bei uns ablief: um die Geschenke würfeln. Ich hatte also 2 Sachen eingepackt (in Zeitungspapier, damit alle gleichberechtigt sind) und erwürfelte mir während der Runde 2 Dinge: ein kleines Buch über Computer-Geschichten und 2 Parfum-Deosprays. Ersteres ginge noch, letzteres ist für mich als Asthmatiker ein Albtraum, schon die Parfümerien der Kaufhäuser sind echt das Allerletzte. Da regen sich die Leute über das Rauchen auf, aber diese Läden dürfen ihr Gift ungefragt dem Kunden engegensprühen. Es gibt nämlich für mich eine Reihenfolge der Atemnot erzeugenden Düfte: Pfeifengeruch, Blumengeruch, Nelkenzigaretten, Parfüm und dann erst Zigaretten. Aber gut, es wurde ja weitergewürfelt, also hatte ich Hoffnung, den Quatsch wieder loszuwerden. Schließlich gibt es Würfelregeln, nach denen man bei bestimmten Würfen etwas abgeben muß oder von jemand anders sich was nehmen kann usw. Die Hoffnung war vergebens, es kamen dazu: ein altes Bügeleisen (!), eine Mikro-Espresso-Tasse (wenigstens mit Mini-Schoko-Weihnachtsmann), ein Weinglas mit ledernem Umhängeband und als einziges vernünftiges Teil ein Stift mit integriertem USB-Stick. Bei letzterem kann man von den 128 MB (hui, so viel!) tatsächlich noch 37 MB (hui, so viel!) nutzen, dahinter endet alles mit massivem Lese- und Schreibfehler. Nennt mich also den König des Trash. Wer diese Dinge erwerben will, mailt mich bitte an, die Gebote gehen bei 100 Euro los und dienen einem guten Zweck. Ich werde mir nämlich von dem Erlös dieser von mir handsignierten und selbst angefaßten (!) Gegenstände einen ASUS EEE-PC kaufen (ein besserer Zweck fällt mir beim besten Willen nicht ein).

Also, würde ich gern kaufen. Wenn es denn dieses Gerät gäbe. Der Termin schob sich ja ständig weiter. Erst Ende November, dann Anfang Dezember, nun wohl nicht mehr vor Weihnachten. Sollte es sich hier um Vaporware handeln? “Guten Tag, mein Name ist Duke Nukem und ich habe hier einen nagelneuen EE-PC dabei!” News-Seiten über das Gerät gibt es scheinbar mehr als genug. Noch dazu sehe ich auf VOX letztens Nachrichten und selbst dort wird über das kleine Gerät genußvoll berichtet und ich sehe mich schon im Endkampf mit anderen Käufern inklusiver fliegender Fetzen. Wieso gibt’s das Ding schon in Amerika, aber nicht hier? Hallo ASUS, wir haben die Devisen, in Übersee gibt’s nur Spielgeld! Da hilft auch nicht, daß ASUS den Hackern entgegenkommt und erlaubt, das Ding ohne Garantieverlust zu modifizieren. Ist sicherlich sogar ein Kaufargument mehr, aber ich wäre schon froh, wenn ich das Ding noch rechtzeitig vor dem Chaos Communication Congress in meinen Griffeln hätte. Ich habe nämlich wenig Lust, mein schweres Laptop dorthin mitzunehmen. Oh Mann, das regt mich echt auf, ein Armutszeugnis für die Firma ASUS!

Zum Runterkommen hatte ich mir einen schönen TV-Abend gemacht, aber auch wenn Harald Schmidt endlich wieder deutlich böser als früher ist, was wahrscheinlich dem Pocher zu verdanken ist, so stellt sich mir schon die Frage, warum der Typ da durch die Sendung geistert. Klar, Andrack war sowieso nicht dolle, aber Pocher ist, außer bei schlechten Witzen, kaum wahrnehmbar. Pocher war ja noch nie lustig, Schadenfreude alleine zieht ja nichtmal Stefan Raab durch, trotzdem hatte ich mir da mehr von versprochen. Also wieder nix mit der erhofften Ablenkung und Erholung. Bleibt nur das Rumspielen mit HDR-Bildern und QTPFSGUI. Dieses Tool mit dem unerträglichen Namen hat seit einiger Zeit ein neues Tonemapping namens Mantiuk, welches ich doch mal ausprobieren wollte. Aufgrund meines etwas verhinderten Zustands der letzten Tage hatte ich zwar nur ältere Bilder, aber ich denke schon, daß sich HDR-Bild mit Tonemapping Mantiuk, qtpfsgui das Ergebnis sehen lassen kann. Endlich sind wir auch bei HDR-Aufnahmen im Linux-Bereich im Profi-Lager angekommen, danke ihr Macher von qtpfsgui!

Und schon wieder EEE-PC. Kaum schreibt man ein bißchen was darüber in sein Blog, schon wird man im Reallife ausgefragt. Vor allem kam die Frage auf, wo man das Schmuckstück denn kaufen kann. Und wann. Tja, die letzten Recherchen liefen auf Zähigkeit hinaus. Zuerst hieß es: Ende November. Dann Anfang Dezember. Nun ist Anfang Dezember und die Planungen sagen: Mitte Dezember. Amazon hat sich sogar vorbehalten, das Teil im Januar frühestens rauszurücken. Und dann kommen Anrufe von Leuten, die ähnlich unzufrieden sind wie ich mit der Palm-Welt. Der erste Mensch, der sich anmeldete, vorbeizukommen, wenn ich denn so ein Mini-Laptop mein Eigen nennen würde. Der Hype dreht in ungeahnte Höhen. Gleichzeitig ist die Modding-Szene dabei, dem Gerät Dinge beizubringen, die es noch gar nicht kann. So z.B. Blauzahn bzw. Bluetooth oder wie die Kolleginnen von Cymone immer sagen: Blutu. Der EEE-PC kann das von Haus aus nicht. Wobei man so einen Quatsch ja mittels USB nachrüsten könnte, die USB-Buchse ist schließlich dran. Aber es gibt Leute, die wollen das unbedingt native haben, also haben sie das Gerät aufgeschraubt und eine Bluetooth-Platine reingelötet. Und da ist kein Ende abzusehen.

Muß eine fitzelige Sache gewesen sein. Ich bewundere ja diese Leute, die aus einer Schrankwand ein Fluggerät bauen können. Ich selbst habe es nie geschafft, die Tücken der Hardware zu überwinden, weshalb ich mich ja auch der Informatik gewidmet habe. Trotzdem muß ich lobhudelnd über diese Modder berichten, denn oftmals fällt viel für andere dabei ab. Im Software-Bereich ist das Gang und Gäbe. Ohne Software-Veränderungen hätte es DIVX nie gegeben, kein Linux wäre geboren worden und das Internet wäre nie ein großer Erfolg geworden. Denn die meisten Applikationen sind erst durch ihre Veränderung gereift. Auch die nicht-offene Software, durch Reverse Engineering. Im Grunde sehen wir an solchen verrückten Basteleien, daß auch die Hardware den “Open Source Weg” geht. Da können sich Sony, Nintendo usw. noch so lange gegen stemmen, gegen den Einfallsreichtum der Modder haben sie auf Dauer nichts entgegenzusetzen. Klar kann man den einen oder anderen totklagen. Könnte aber eher zur Kaufverweigerung beim Kunden führen, siehe Musik-Industrie. Denn damit würde man auch gleichzeitig die Innovation totklagen. Jeder Hersteller kupfert nämlich auch gerne mal bei den Ideen der Modder ab. So wie Software-Hersteller auch im Open-Source-Lager Ideen klauen. Im OSS-Lager ist das übrigens gewollt, solange die Quellen offen gelegt werden und weitere Innovation aus der Veränderung möglich ist. Wird aus dem EEE-PC also irgendwann die eierlegende mobile Wollmilchsau?

Um nochmal eine kurze Themenwendung hinzulegen, empfehle ich die Seiten der Japan-reisenden Julia. Und zwar besonders ihre schöne Foto-Serie. Klo-Slipper kann man sich ja vorstellen aber abschließbare Regenschirmständer? Oder die sehr bizarren Übersetzungen! Ich habe selten so gelacht. Dann verweist sie noch auf einen Shop in Japan, der T-Shirts mit teilweise deutschen oder englischen Texten verkauft. Meine Favoriten sind klar diese:

Vonrunktur, Hübsch Gefahr, Frucht bringen Baum sowie Stadtsäubern

Nichts ist so bizarr wie schräge Übersetzungen aufgrund kultureller Differenzen. Ist auch heute auf Arte möglich. Zur Zeit läuft dort ein finnischer Film namens “Eisiges Land”. So langsam verstehe ich, wieso finnisch und japanisch miteinander verwandt ist. Sie sind ähnlich bizarr. Und an die ganzen Unker, die meinen, in finnischen Filmen wird zuviel geschwiegen: Wer würde diese Sprache schon gerne freiwillig sprechen? :)

Übrigens wird dieser Film am 9.12. wiederholt. Eine echte Empfehlung! Auch, wenn er oft hart am Rande ist…

Hm, eigentlich ist der 3. Dezember schon fast rum, aber ich werde trotzdem mal den “heutigen Abend” erwähnen. Heute war Motörhead-Konzert in der Columbia-Halle in Berlin-Tempelhof. Ich muß sagen, ich habe Lemmy und seine Jungs (wohlgemerkt, andere Jungs, damals noch mit dem irren Tier als Schlagzeuger) das letzte Mal auf einem Festival gesehen, da war ich gerade so im Wechselbereich zwischen Kind und Jugendlicher. Ist also schon laaaange her. Nun dachte ich mir, mache ich mal was Nostalgisches und sehe mir den alten Sack an, bevor er noch plötzlich dahingerafft wird und man keins seiner Konzerte mehr genießen kann. Lemmy scheint jedes Jahr im Dezember nach Berlin zu kommen, jedenfalls sieht es aus wie eine Tradition.

Auf dem Weg zur Halle wurde ich mehrfach angelabert, ob ich nicht Karten zu verkaufen hätte. Was schließt der aufmerksame Leser daraus? Richtig: ausverkauft! Der Schwabe hatte rumgeeiert, ob er mitkommt, am Ende abgesagt, aber er hätte wahrscheinlich sowieso keine Karte mehr bekommen. Ich selbst bin zur Zeit etwas angeknockt (Erkältung), aber da das mit dem Ausverkauf nicht unüblich ist, hatte ich einen Monat vorher vorgesorgt und dann geht man natürlich auch halbtot noch hin. Zuerst spielte eine mir unbekannte Band, die ich auch beim Verkaufsstand nicht wirklich erblicken konnte. Da ich zu spät kam, hörte ich noch ihr letztes Lied, ein Motörhead-Cover. Schien ok zu sein. Als zweite Band kam dann Overkill. Die fielen mir vor allem wegen der Langeweile auf. Klar, sie machten Show ohne Ende und laut waren sie und die Bühne rappelte vor Bewegung und Licht. Aber die Musik war öde, wie eine schlechte Iron-Maiden-Kopie. Vor allem waren ihre fetten Stroboskope (bestimmt 2000 Watt, 5 an der Zahl) nervig. Die waren direkt ins Publikum gerichtet und der Lichtmann nutzte sie ausgiebig. Wer bisher keine Epilepsie hat, dürfte ihr jetzt ein Stück näher gekommen sein. Noch nie wurde meine Netzhaut dermaßen ausgeleuchtet, ein Atomblitz kann nicht schlimmer sein, selbst bei geschlossenen Augen hatte man das Gefühl, die Strobos quillen einem durch’s Auge direkt ins Hirn. Müßte man in irgendwelche Laser-Klassen einordnen. Wat war ich froh, als die Dinger in der Umbauphase verschwanden. Nix gegen Strobos, aber man kann alles übertreiben. In der Umbauphase ging ich zum Klo. Bzw., versuchte, dorthin zu gelangen. Ein Motörhead-Event ist vor allem eine Männer-Party, es sind zwar auch Frauen da, trotzdem ist die Männer-Pinkel-Schlange länger. Diesmal war die Bar schon einmal ins Trudeln gekommen, weil das Bierfaß alle war und das neue nicht schnell genug ankam und angesichts solcher Zustände mußte man das Zeug ja auch wieder loswerden. Ich stand also vor dem Klo, konnte den Eingang schon sehen, als diverse Leute der Meinung waren, bei ihnen “drückt’s”. Dementsprechend drückten sie und es entstand der erste Klo-Pogo meines Lebens. Als nach ewigem Gequetsche (wenigstens konnte man nicht umfallen) endlich das Klo in Reichweite war, kam ich in den Klo-Raum. Links sind die Sitzklos, eine Reihe Türen und rechts in U-Form die Pinkel-Becken angelegt. Hinter jedem Typen der pinkelte, standen 2-3 Leute, die warteten, daß der erste fertig wurde. Ein merkwürdiges Bild. Sätze wie “Aber nicht gucken” machten die Runde. Auf “So kann ich nicht” kam natürlich prompt der Druck von hinten: “Mach hinne, sonst piß ich Dir in die Schuhe.” Naja, nach dem Geschiebe aus dem Klo raus besah ich mir mal den typischen Motörhead-Fan. Klar gab es auch jüngere Fans, aber die waren deutlich in der Minderheit. Die Mehrheit dürfte so zwischen 35 und 50 gewesen sein und ich habe sogar grauhaarige Exemplare gesehen, die die 60 überschritten haben dürften. Aber trotzdem sahen sie noch cool aus. Ist eigentlich gut zu wissen: wenn ich mal im Pflegeheim sabbernd rumsitze kommt wenigstens gute Musik und nicht Mutantenstadl oder so. Schließlich stimmten auch diverse ältere Fans oft überein: “ROCK’N'ROOOOOLL! *HUALP*”

Ja, nach Kotze roch’s dann auch irgendwann. aber man ist ja trotz der Fülle an Menschen beweglich. Übrigens hatten sie sogar die oberen Ränge aufgemacht, was sie sonst in der Columbia-Halle eher selten machen. Schließlich kamen Motörhead. Lemmy machte eine schöne Ansage: “Guten Abend Berlin. We are Motörhead.” Wer hätte das gedacht? Ich nahm an, das ist die Metal-Version der Dallmayer-Werbung. Sie legten gut los und wenn ich mal vergleiche: die Band Overkill hatte vorher alles gegeben an Show und Lemmy macht wirklich wenig Aktion auf der Bühne, er steht rum und der Gitarrist läuft etwas hin und her. Manchmal schmeißt der Drummer ein paar Sticks hoch. Also keine Riesen-Show. Aber letztlich ist man wegen der Musik da, so loosen Overkill meiner Meinung nach stark ab, denn Motörhead haben einfach geile Songs. Obwohl manche ähnlich klingen, so reißt einen fast jedes Stück bei Motorkopf mit. Aber vielleicht ist der Vergleich unfair, die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden, Ärsche auf mein Haupt.

Interessant ist auch, daß ich Motörhead als Kiddie lauter in Erinnerung hatte (muß ich mal mit meinem Ohrenarzt besprechen *hüstel*), vor allem, weil da Hirntote mit blutenden Ohren weggetragen wurden, weil sie unbedingt neben den Boxentürmen stehen wollten. Jedenfalls fragte Mr. Campbell, der Mann an der Gitarre, plötzlich, ob die Fans es nicht lieber lauter hätten? Welch Wunder, es kam natürlich ein gegröhltes Ja von den Rängen und meiner Meinung nach wurde es danach auch etwas lauter. Allerdings nicht so stark, daß einem die Ohren schmerzten. Eher litt der Sound darunter, diverse Stücke wurden dadurch etwas matschiger. Insgesamt muß ich diese Band ja mal loben: Die spielen live fast genauso wie auf Platte. Das mag daran liegen, daß sie im Studio nicht viel rumfeilen und den ersten Take nehmen (ich hatte die gleiche Haltung, als ich noch in ‘ner Band spielte, aber besonders Gitarristen wollen an allem rumfeilen *nörgel*), aber ich bin der Meinung, das ist alles völlig OK so. Lemmy war ein bißchen verwundert, daß so viele Becher durch die Gegend flogen, oftmals noch mit Resten an Inhalt. Da werden vor allem die Fotografen Spaß mit ihren Kameras gehabt haben, wenn so’n Bierrest auf das Gerät runterflutscht. Ich muß auch sagen, daß es mehr war als bei so manchem Punk-Konzert, dem ich beigewohnt habe.

Die Krönung lieferte eine Dame, die sich wellenmäßig mittels Fan-Hände über die Masse tragen ließ. Diese Stage-Diving-Nummern (in diesem Fall ohne Sprung von der Bühne, einfach nur von unten hoch) sind ja nix Neues. Aber diese langhaarige Blondine versuchte die ganze Zeit, ihren Oberkörper aufzurichten um noch ein bißchen dabei Headbanging zu betreiben. Und es klappte sogar mehrere Male! Bewundernswert! Schüttel Dein Haar für uns, Baby! Ja, diverse Begegnungen der dritten Art gab’s natürlich auch, aber der schrägste war ein Typ, der alle vollsabbelte mit dem Satz: “Heißt Du zufällig Frank?” Nach der Verneinung zog er suchend weiter. Nunja, Drogen sind nicht jedermanns Sache, oder wie? Tja, die Zugabe rollte an und Gitarrist und Drummer bezogen eine akustische Gitarre und Lemmy stellte sich ohne Baß hin und sang, dazu hin und wieder Mundharmonika spielend. Ich kannte das Lied gar nicht, aber es war cool. Danach kam natürlich die Krönung des Abends: Das Aß von Pik! Oh, Sorry, The Ace Of Spades natürlich… Mann, da war der Saal nicht mehr zu halten, rund um mich rum hüpfte es und ich stand schon woh

lweislich eher hinten. Am meisten wurde natürlich beim Zwischenteil mitgebrüllt:

“Und das ist der Weg, den ich mag, Kleinkind, Ich will nicht für immer leben”

Hey, dies ist ein deutschspachiges Blog! :)

Danach kam noch Overkill (mit dem Sänger von Overkill als Zusatz, Grmbl) und damit ließen sie den gelungenen Abend ausklingen. Und wo gibt’s das schon im Rock-Bereich, daß sich die Band beim Abschied geschlossen, Arm in Arm, verbeugt? Wer’s verpaßt hat: selbst schuld! Es war ‘ne geile Party!

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