In den letzten Tagen erreicht mich ein gewisses Genörgel, daß hier zu wenig Updates sind. Was soll ich sagen? Ärsche auf mein Haupt? Einerseits ja, andererseits: es ist Winter! Kalt! Kälte entschleunigt Prozesse, also auch mein Hirn, meine Aufnahmefähigkeit. Außerdem verhindern niedrige Temperaturen ein erfülltes, mit sozialen Kontakten betriebenes Leben, da niemand für die Heizkosten zwecks gemeinsamen Treffens gerade stehen will. So nimmt also im Winter auch die Menge an Information ab. Wahrscheinlich sind die Zeitungen im Winter nur halbsodünn und man läßt sie extra feucht ausliefern, in der Hoffnung, daß das gefrorene Eis auf dem Papier die Druckerzeugnisse schwerer macht und der Leser es nicht bemerkt. Tja, im Internet hat man es als mitteilsamer Mensch nicht ganz so leicht, es fällt auf, wenn man träge im Angesicht der Heizung vor sich hinsabbert in der Hoffnung auf wohlige Wärme aus einem metallenen Hohlkörper.
Eigentlich ist das alles gelogen. Denn: im Winter hat man endlich mal Zeit zu schreiben! Wer geht da schon gerne freiwillig raus? Und Themen lassen sich im Netz doch immer finden. Und bevor angesichts dieses winzigen Eingeständnisses jemand bemerkt, daß ich in den letzten 2 Wochen einfach nur stinkefaul war, berichte ich mal über einen näher rückenden Termin, der in meinem Inneren glühende Freude auslöst. Das ist angesichts der täglichen Hiobsbotschaften im IT-Bereich (Überwachung, Gängelung, Zensur, Staatstrojaner usw.) nicht unbedingt einfach. Aber wir lassen uns nicht unterkriegen und sehen positiv in die Zukunft (wenn es denn eine geben wird, kann sie nur positiv sein, ansonsten gibt es keine Zukunft, nur ewige Dunkelheit).
Also, wo soll ich anfangen? Am besten in der Vergangenheit. Klar, da fängt ja irgendwie alles an. Ich selbst möchte ja ein einheitliches Gerät mit einheitlicher Software haben, welches man möglichst überall mit hinnehmen kann. Und natürlich etwas, das flexibel, virenfrei und frei von hirnrissigem Schwachsinn wie Software-Lizenzen, DRM und anderem krüppeligen Zeug ist. Da fällt die Wahl schwer, denn Windows-betriebener Mist fällt als erstes durch. Ein Laptop ist meistens Overkill, zumindest, wenn ich in den Urlaub fahre. Ich brauche im Grunde ein Gerät, auf dem man ordentlich tippen kann, lesen kann, MP3s abdudeln und Videos gucken kann. Internet wäre schön, auch mit Funk und Interfaces, an denen man eigene Datenquellen anbringen kann (USB, SD). Bisher nahm ich dafür einen Palm. Wie gesagt, der Windows-Müll fällt als erstes raus und schon wird die Sache schwieriger. Es gab mal von Toshiba einen echten PC in Fast-Palm-Format, aber der war zu teuer und verließ europäischen Boden schneller als er hergekommen war. Auch eine leicht größere Alternative von JVC wurde zu einem Mondpreis angeboten, den ich nicht bereit war, zu zahlen. Der Palm ist eine Krücke, der Stift nervt, Bluetooth-Tastaturen funktioneren mehr schlecht als recht und Video ging darauf nie. Wenigstens hatte man Buchlesetools mit Autoscroll, so daß man beim Lesen immer in der gleichen Zeile bleibt. Aber tippen ist eine Katastrophe, ich hasse diese Stift-Scheiße! Und Handies? Bloß nicht, das ist ja noch krampfiger, noch kleiner! Vor allem wäre das “zum Fenster rausgeworfenes Geld”… Insofern war der OLPC, der “One-Laptop-Per-Child” oder auch 100$-PC (ich berichtete letztes Jahr darüber) eine ernstzunehmende Alternative: klein, es war alles drin, was man brauchte und das Ding schien stabil zu sein. Klar, die Kiddie-Optik ist etwas seltsam, sieht genauso grützig aus wie Apple-Zeug (wer hat eigentlich gesagt, daß Apple gutes Design macht? Ärzte dürften dieses weiße “Gehe ins Licht”-Design toll finden, es sieht nach Medizin und Tod aus). Aber wie üblich bei Vaporware verzögerte sich dieser Mini-Koffer endlos und mittlerweile kostet es statt angepeilten 100 Dollar knapp 200. Logisch bei dem Dollar-Kursverfall.
In die Bresche schlägt nun die Firma Asus. Sie haben sich einen Mini-PC in der Größe des JVC-Mini-Teils ausgedacht und nennen ihr Gerät EEE-PC, sprich “Ih-Pih-Ssi”. Es ist klein, hat eine SSD-Disk (Harhar), also eine Flash-Disk mit 4 GB dabei, USB-, Ethernet-, VGA- und SD-Slot und *Fanfare* kommt mit Linux daher! Also im Grunde alles, was das Herz begehrt! Drin steckt eine echte X86-CPU, was bedeutet, die Tools, die auf Standard-PCs laufen, laufen auf dem Ding also auch anstandslos. Etwas ärgerlich ist, daß erstens in Europa wieder nur die mittlere Variante mit 4GB Disk und 512MB RAM (statt 8GB Disk und 1GB RAM) auf den Markt kommt und zweitens Europa wieder mal nach den USA beliefert wurde. Hey, ihr Taiwaner, falls ihr’s noch nicht bemerkt habt: der Dollar ist bald wertlos, kommt zu uns!
Aber wenigstens gibt es schon die ersten Testberichte und da das mitgelieferte Linux ein Xandros-Linux ist, war klar, daß sofort mit der Portierung eines vernünftigen Linux-Systems begonnen wurde, nämlich Debian. Wahrscheinlich wird die Ubuntu-Front ebenfalls aufspringen, wenn die Debianer erstmal die ganze Arbeit gemacht haben, wie immer. Aber auch das wäre bestimmt besser als Xandros. Wobei ich, bevor ich Windows nehmen müßte, Xandros immer noch als Super-Software ansehen würde. Dieses zur Geschmacksperiode, ganz unten ist halt da, wo Hunde hinpinkeln, alles Fensterblau.
Tja, um der Polemik noch einen draufzusetzen, gab es nun die erste Meldung, daß ASUS die GPL nicht gewahrt hat. Jedenfalls hat besagter Blogger aus den Quellen nix kompilieren können, daß komplett auf dem Gerät lief, diverse Treiber waren wohl so angepaßt, daß die Quellen andere waren, als tatsächlich im Binärpaket war. Noch nehmen wir mal an, daß ASUS hier einfach nur schlampig gearbeitet hat. Der Markt ist schnell und die Wettbewerber auch, man muß bei einem 300 EUR-Gerät (jaja!) fix sein, bevor die anderen es für 250 rausbringen. Ich wette in 2-3 Wochen sind die echten Quellen auf der Webseite zugänglich.
Wie auch immer, Heise hatte berichtet, der Mini-PC würde in der letzten Novemberwoche rauskommen. Das war wohl etwas verfrüht, Dezember wird es doch schon werden. Ich hatte also gleich mal in Berliner Läden vorgefühlt. Beim Planeten-Geizhals wußte der Verkäufer zwar vage, wovon ich sprach, hatte aber weder Termin noch hatte er Kunden, die danach gefragt hätten. Bei Conrad sah die Lage ähnlich aus. Dort klärte mich der Verkäufer auf, daß der kleine PC wohl im Dezember schon in der Hauptfiliale liegen könnte, aber die Berliner das Teil bestimmt erst 2 Wochen später zu sehen bekommen. Ganz schlecht war der Mann vom Mädchenmarkt drauf. Der war angesichts meiner Frage sichtlich unentspannt, denn: es hatten schon zig Leute danach gefragt und der Grund, daß er so sauer war, war nicht die Nerverei, Nein! Er war sauer, daß der Markt, dem man alles abkauft, kein Partner von ASUS ist, die haben nichtmal Grafikkarten oder Motherboards von ASUS im Programm! Insofern ärgert der sich natürlich schwarz, da hätte man dicke Reibach mit machen können, den nun andere machen werden. Insgesamt finde ich es ja eine Frechheit, daß der kleine Racker hierzulande in d
er mittleren Version 300 Euronen kosten soll, während man am Erzeuger-Ort für diesen Preis den großen Bruder bekommt (Big Brother kommt einem eigentlich immer teuer zu stehen, haha). Ich will nicht verheimlichen, daß ich einen Laden gefunden habe, der a) ASUS-Partner ist und b) zum Start auch Geräte da haben wird. Dort steckte man mir auch, die 299,- seien der “empfohlene Verkaufspreis”, also eher der Höchstpreis, es könnte also sein, daß man ihn für 249,- abstauben kann. Aber wollen wir mal lieber nicht zu früh brüllen und schon gar nicht den Namen des Ladens, höhö. Ich werde jedenfalls versuchen, so ein Ding aufzutreiben und dann meine Erfahrungen damit hier veröffentlichen.
Zum Schluß etwas Kulturelles. Ich bin ja ein TV-Junkie, gucke oft jeden Quatsch wie CSI, NCIS, Monk, Dr. House und andere seltsame US-Serien. Sport mache ich höchstens selbst, aber sonst kommt mir Sport kaum ins Haus. Schon gar nicht der öde Fußball-Scheiß oder Tennis oder so. Wenn schon, dann eher Boxen oder, wie in letzter Zeit: Fight-Club. Das ist zwar oft hart an der Kante des Erträglichen, trotzdem fasziniert es mich, daß sich Menschen dafür hergeben. Beim Fightclub oder auch “Kay One” (K1) ist fast alles erlaubt: Fußtritte, Schläge, Ringen usw.. Nur die Gürtellinie ist tabu und beißen habe ich auch noch nicht gesehen. Also kein Sport für Mike Tyson. Da treten dann auch mal Leute aus anderen Sportarten auf, gestern war ein Karateka da, der sogar durch die Luft wirbelte, wie im Film. Das ist mal aufregend, weil man sowas nur aus Hollywood- oder Asia-Schinken kennt. Und mal ist es lahm, weil diese Leute mit dem Box-Kampf nicht klarkommen und merken, daß manchmal auch Karate nicht viel nützt. Aber hier ist wenigstens Action, man sieht Zeitlupen, wo der Niedergeknüppelte nochmal die Augen hochdreht, bevor er umfällt. Eben alles, was man sonst nicht sieht, weil es zu schnell geht. Ein Kontrast-Sport dazu ist z.B. Snooker. Obwohl ich selbst ungern Billiard spiele (jede Art, egal, welche) sehe ich mir doch gerne Snooker an. Das beruhight und es fasziniert mich schon, wie das hinkriegen, so exakt zu schießen. Manchmal sind die Kugeln tatsächlich schnell, aber eine Zeitlupe habe ich hier noch nie gesehen. Heute dagegen gab es etwas, wo ich staunend davorsaß. Die International Open in Perth, Australien. Tja, die Sportart war… Boule! Ja, genau, mit großen Kugeln so dicht wie möglich ans “Schweinchen” (die kleine Kugel) kommen. Werfen und Rollen auf einer langen Bahn. Ok, ich hatte auch schon Bowling im TV gesehen, das war ähnlich spannend, beinahe noch langweiliger als Fußball (*gähn*). Aber hier war das Faszinierende: obwohl die Werfer wirklich langsam und konzentriert ihre Kugeln zum Schweinchen kullerten, man also praktisch nix verpassen konnte, gab es tatsächlich eine ZEITLUPE! Kein Witz! Boule ist also das für den Sport, was Derrick für Krimis und Rudolf Scharping für Fahrradsport und Politik war: Langsaaaaam! Dumm nur, daß das dortige zuschauende Publikum nichts davon hatte. Die mußten die Kugeln schnell verfolgen und den Moment auskosten. Die hatten schon richtig graue Haare bekommen wegen der hohen Geschwindigkeit! Hätten mal beim Fußball bleiben sollen, das ist auch für Über-80-Jährige überblickbar.
Zu guter Letzt noch etwas Multimediales. Ich habe heute mit Last FM angefangen. Das lief eigentlich nur testweise im Hintergrund (pfui, das Webtool braucht Flash als Player), aber ich war so begeistert, daß sich viele Leute mit meinem Muikgeschmack fanden und ich für den Musik-Konsum quasi fast nix machen mußte, daß ich eingestiegen bin. Das echte Tool ist OpenSource (sogar GPL und ohne Flash!) und es gibt eine ganze Reihe von zusätzlichen Anwendungen rundrum, die einem das Leben versüßen. So auch ein Proxy, der nicht nur alle möglichen Player anbindet, sondern im Grunde einem auch die Möglichkeit gäbe, mitzurippen. Angesichts dessen, daß es mir persönlich viel einfacher scheint, wenn diese Software den DJ macht statt meiner selbst und Musik in absehbarer Zeit sowieso nur noch wenige Cents kostet, eher irrelevant. Ich bin relativ begeistert bis jetzt, da kommt Internetradio mit Geseier (ich berichtete ja mal über meine Erfahrungen mit echtem Radio via Internet und Einzelstreams von Internet-Radios a la Shoutcast) nicht mit. Ich könnte mir nur vorstellen, daß echtes Radio wie Motor-FM vielleicht öfter mal neuere Musik spielt. Irgendwann dürfte die aber auch via Last FM verfügbar sein. Auch hier werde ich berichten, wie sich das Ganze macht. Für alle, die sich anschließen, wünsche ich frohes Lauschen!
Hat eigentlich jemand bemerkt, daß noch gar nicht Winter ist? 
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