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Frech wie Oscar

2007-02-27

Normalerweise gehen mir Mainstream-Dinge am Arsch vorbei. Klar, es gibt nette Pop-Musik, nette Standard-Filme uvm. Aber darüber würde ich eigentlich kein Wort verlieren, weil es zu alltäglich ist. So austauschbar wie geklonte Models. Eigentlich gehört die Oscar-Verleihung dazu. Seltsame und meistens öde Filme werden prämiert, ein Ritual der Danksagungen an die Familie läuft ab, öde, öde, öde. Diesmal war es dann aber doch ein Hammer. Warum? Wegen Florian Henckel von Donnersmarck. Ihr werdet euch fragen: was hat der Dödel denn schon wieder mit dem zu tun? Theoretisch nicht viel. Ich habe mich selbst noch nie schauspielerisch betätigt und persönlich ist es mir völlig Wurst, wer bei einem Film mitspielt, wer Regie führte usw., Hauptsache der Film ist gut. Aber Cymone schauspielert gern und hat sich oft als Statistin einspannen lassen. So z.B. für den Kurz-Film Der Templer. Und der ist zufällig von Mr. Oscargewinner persönlich. Und seinem Bruder Sebastian. Tja, da wir am Ende der Aktion bei der Premiere im Delphi-Kino hier in Berlin alle zusammen waren, gibt es sogar ein Foto von Cymone und anderen Statisten zusammen mit dem Riesen (er ist ziemlich groß). Dumm nur, das ist irgendwie verschollen, aber ich werde mich drum kümmern, es zu finden. Jetzt, wo man quasi mit einer echten Berühmtheit in Kontakt gekommen ist. Bisher beliefen sich ja meine Berühmtheitskontakte eher auf “Pinkeln gehen mit Horst Teltschik” oder “Gemeinschaftsbild mit Walter Momper im Tiergarten”. Vielleicht noch “Labern mit Christian Ströbele”. Aber das zählt nicht, der ist sowieso überall und labert Leute voll.

Jetzt kann ich also sagen: ich kenne einen Oscar-Gewinner persönlich! Hm, ist das jetzt noch Mainstream? :)
Jedenfalls: ich freue mich für den Herrn Henckel von Donnersmarck, Glückwunsch!

Wie auch immer, die Produktion des damaligen Kurzfilms “Der Templer” war heftig, es wurde im Winter gedreht und zwar im Museumsdorf Düppel. Cymone und der Rest der Crew froren sich dort den Arsch ab, denn kleidungstechnisch war es übelst, da es ein Mittelalter-Film war. Man glaubt kaum, daß für diese 23 Minuten Film mehrere Tage und Nächte dort gedreht wurden. Übrigens ist Herr Henckel von Donnersmarck ein recht umgänglicher Mensch, nicht abgehoben und recht witzig. Seinen Bruder Sebastian fand ich etwas reservierter, der soll wohl am Set auch mal cholerisch ausgerastet sein. Aber immerhin beide Beine auf dem Boden, das ist durchaus erfreulich in einer Branche, in der die meisten abdrehen, sobal der Scheinwerfer auf sie gerichtet ist.

Ich kann über den Film “Das Leben der Anderen”, für den Herr Henckel von Donnersmarck (was für ein Name) den Oscar bekommen hat, zwar nix sagen, aber “Der Templer” ist wirklich gut. Walter Sittler, der ja mittlerweile kein Unbekannter mehr ist, spielt die Hauptrolle und meine Lieblingsszene in dem Film ist, als ein Mönch in einer Kneipe eine kleine Dose mit Inhalt verkaufen will:

“Dieses ist eine Original-Schwanzfeder des heiligen Geistes! Mit einem Echtheitszertifikat des Bischofs von Trier!”

Tja, wahre Worte, dem ist nichts hinzuzufügen.

Der Kampf um DRM

2007-02-26

Vor kurzem war ja Steve Jobs von Apple auf den Gedanken gekommen, Musik ohne DRM vertreiben. Zuerst gab es einen Aufschrei der Musikindustrie. Logisch. Dann setzte aber kurzzeitig das Denken ein. EMI dachte laut üer eine Welt ohne DRM nach. Es war klar, daß da die Panik bei den Komplettverblödeten (also den Bossen der Musikindustrie) hochkochte. Angst und Dummheit sind ja immer innige Freunde. Tja, dumm nur, daß EMI recht eigenständig vor sich hin lebt. Aber natürlich kam es, wie es kommen mußte. Ein bloßer Zufall wollte es, daß es plötzlich ein Übernahmeangebot des Konkurrenten Warner gab. Natürlich reiner Zufall, daß Warner gerade jetzt wieder dran denkt, EMI zu kaufen. Und nur wenige Tage später dann die Nachricht von EMI, daß man vorerst keine MP3s vertreiben würde. Tja, so werdet ihr mich und Millionen, ach was sage ich, Milliarden von anderen Kunden wohl nie bekommen. Ich werde euren DRM-Dreck nicht kaufen.

So falsch wie es beim Musikmonopol zur Zeit läuft, so gut läuft’s für den Kunden bunter Blätter. Ich hatte mich ja bereits ausgiebig über den Start von Vanity Fair ausgelassen. Vorher gab es ja noch eine andere Zeitschrift, die die Stadt mit Werbumm zunagelte: Park Avenue. Ich hatte mir das nicht so angesehen, es war aber von vornherein klar, daß das wohl der Hauptkonkurrent von Vanity Fair sein würde. Nun kam im Radio letztens eine Werbumm, daß man auch bei Park Avenue mit dem Kampfpreis von einem Euro antritt. Erinnert so’n bißchen an den US-Automobil-Markt: kleiner als 0% Finanzierung geht nicht. Und diese beiden Magazine werden wohl kaum unter den Euro runterdumpen. Denn es muß Dumping sein, ich kann mir nicht vorstellen, daß man da von einem Euro pro Magazin leben kann, auch wenn es mit Werbung nur so zugepflastert ist. Es bleibt spannend.

Noch spannender ist manchmal Fefes Blog. Sein Blog ist quasi ein News-Aggregator. Manches mag stimmen, manches nicht, auf jeden Fall empfehlenswert! Alle paar Wochen kommt so eine Art skurrilste Meldung, diesmal war es der Hut, der vor der Gedankenmanipulation durch Außerirdische schützt! Jaja, alter Hut, werdet ihr sagen. Aber trotzdem ‘ne klasse Sache. Brauche ich dringend. Dann können die Aliens mich mal kreuzweise, wenn sie mich das nächste Mal entführen, haha. Dumm nur: Wie bringe ich das Teil so fest am Kopf an, daß sie’s mir nicht einfach vorher abnehmen? Antackern? Supra-Magneten von innen in den Schädel einpflanzen lassen? Und: was ist, wenn sie trotz solcher Sicherheitsmaßnahmen den Helm trotzdem abreißen? Irgendwie eine etwas kopflose Idee, das muß noch reifen.

Life on Mars

2007-02-18

Nochmal kurz zu Vanity Fair: Die Typen von Karstadt hatten erzählt, schon ab der zweiten Nummer würde das Magazin 7,50 Euronen kosten. Dem ist nicht so, der Kampfpreis von einem Euro bleibt erhalten, jedenfalls vorerst. Insofern stimmen einige meiner Aussagen nicht mehr. Allerdings: der Umstand, daß sie nach wie vor ausverkauft ist, könnte dafür sprechen, daß die eigentliche Zielgruppe tatsächlich nicht erreicht wurde. Andererseits, wenn sie von dem Kampfpreis leben können: Who cares?

Aber mal hin zu spannenderen Themen:

“Life on Mars” mausert sich zur Zeit zu meiner Lieblings-TV-Serie. Es läuft jeden Samstag eine Doppelfolge auf Kabel1 und Cymone und ich beömmeln uns jedesmal köstlich, wenn der Mann aus dem Jahr 2006 mit den Widrigkeiten aus dem Jahr 1973 fertig werden muß. Manchmal bleibt einem das Lachen auch im Halse stecken. Ich möchte nicht Sam Tyler sein, wenn er in das Büro kommt und wirklich ALLE rauchen! Oder die schicken Autos. Selbst baumäßig sieht England zur Zeit moderner aus, nur die heutigen Bilder von Nordirland erinnern an das England der 70er. Das Ganze ist dermaßen schräg, da kann man sich für Mr. Tyler nur wünschen, er liegt wirklich im Koma und wird irgendwann im Jahr 2006 wieder aufwachen. Andererseits wird er bis dahin alle schlechten Angewohnheiten seines Chefs übernommen haben: Gewalttätigkeit, Korruptheit, Regelwidrigkeiten uvm. Außerdem muß man anmerken, daß diese Serie ganz gut zeigt, daß ein Team dann besonders erfolgreich ist, wenn die Leute möglichst unterschiedlich sind. Wäre vielleicht mal eine wertvolle Information für Personalchefs. Gut, das mag nicht immer funktionieren, schließlich ist diese Serie Fiktion, aber ich denke, daß da schon ein Funken Wahrheit drin ist. Jedenfalls: die Guck-Empfehlung von mir! Eigentlich müßten Serien wie “Life on Mars” oder “Sopranos” auf Arte laufen. Das hatte Martin mal vorgeschlagen, da hatten wir alle noch kräftig über diesen Vorschlag gelacht. Aber im Normal-TV haben Serien mit Hirn doch praktisch keine Überlebenschance. Es ist ja schon ein Wunder, daß Kabel1 das Ganze am Samstag um 20:15 Uhr zeigt…

Übrigens: das Thema Dada paßt ja eigentlich ganz gut zu “Life on Mars”, hihi. Deshalb hier eine kurze Ergänzung. Ich hatte vor kurzem einen Ausflug in den Dadaismus gemacht und schon fielen Ralf ein paar nette URLs dazu ein:

http://www.stupidedia.org/stupi/Kackmehl
http://www.stupidedia.org/stupi/Onanieren
http://www.stupidedia.org/stupi/Bananenkuchentombola
http://www.stupidedia.org/stupi/Kebabsche_Gesetz
http://www.stupidedia.org/stupi/Klofrau_Melissengeist
http://www.jwz.org/dadadodo/

Natürlich ist Jonathan Meese auch schon fast ein Dadaist, aber wie auch immer, die Stupidedia-Links zeigen den Weg in Richtung Dada noch am ehesten. Sind wir nicht alle ein bißchen Dada?

Zu früh geurteilt?

2007-02-14

Hm, da kriege ich in der Nacht nette Mails, die mich auf die Abo-Seite von Vanity Fair hinweisen, da ich gestern ja über den zukünftigen Preis der Zeitschrift gelästert hatte. Die Info von den Zeitungsverkäufern war 7,50 Euro (ich habe nochmal nachgefragt) ab der nächsten Ausgabe. Komischerweise bleibt es im Abo aber beim Kampfpreis von 1 Euro für die nächsten Ausgaben. Sollte der Kampfpreis wirklich erhalten bleiben: Hut ab! Allerdings empfehle ich trotzdem, daß sich dann das Controlling nochmal die Rechnung der Marketing-Abteilung zeigen lassen sollte. Nur zur Sicherheit natürlich. *kicher*
Ab morgen wissen wir mehr, denn dann kommt die nächste Ausgabe raus. Eigentlich mal ein gutes Instrument, den Zeitschriftenmarkt unter die Lupe zu nehmen. Auch, wenn mich die Inhalte wenig interessieren, werde ich mal beobachten, wie sich das Magazin im Markt entwickelt. Das ist ein sehr spannendes und lehrreiches Beispiel. Mal sehen, wie die Macher dieser Zeitschrift sich schlagen werden.

Einen Schlag gab’s auch für jemand anderes. Pierre Pinoncelli, ein französischer Dadaist, hatte mit einem Hammer auf ein Urinal geschlagen und bekam mal wieder eine Quittung. Wahrscheinlich traf ihn jetzt der Schlag. Aber: ich finde, er hat Recht. Im Sinne von Dada hat er richtig gehandelt und wenn Gerichte sich schon über Kunstformen auslassen müssen, sollten sie auch das Thema im Kontext sehen. Daß es da dann schwierig wird, mit dem Gesetzbuch zu wedeln, ist mir klar, aber im Sinne von Dada war das Urteil nicht. Es zerstört mehr an der Kunstform als der Mann, der sonst in ausgestellte Kunst-Pißbecken pinkelte (auch dafür war er schon verurteilt worden), jemals kaputt machen könnte. Insofern: nicht zu früh geurteilt, sondern grundfalsch. Und jetzt singen wir alle zusammen die Nationalhymne der Berliner Dadaisten: Dada, Dada, in Berlin, Dada in Berlin, DADA IN BERLIN!

Aber wo wir gerade bei der Dada-Bewegung sind: Dada findet man heutzutage überall, sogar in technischen News beispielsweise. Dort wurde behauptet, ein Internet-Nutzer bekommt zwischen 10 und 100 Spam-Mails pro Woche. Da frage ich mich schon: wo leben die denn alle? Nutzen die etwa ihre Mail-Adressen nicht? Ich hatte im zurückliegenden Jahr 72000 EMails bekommen, die in der Tonne landeten. Gut 71500 Mails davon landeten gar nicht erst bei mir, weil ich mein Mailsystem selbst abschotte, dadurch gehen diverse Dinge gar nicht erst durch. Würde ich das nicht tun, wären also statt 500 Mails (die übrigens als Spam markiert wurden) die vollen 72000 Mails auf mein Postfach eingebrettert. Das sind also knapp 1300 Spam-Mails pro Woche, gut 180 pro Tag. Und ich nutze eigentlich meine Mailbox relativ normal, habe Kontakt zu gut 20-30 anderen Leuten und versuche auch, mich relativ unauffällig durch’s Netz zu bewegen, damit man nicht gleich mit Werbung zugeworfen wird. Gut, jetzt könnte man sagen: gemeint waren die Mails, die durchkommen. Dann wäre ich unter dem Limit. Bei 500 Mails pro Jahr kommen nichtmal 10 pro Woche zusammen. Und das sind auch nur die erkannten und weggefilterten. Die, die ich noch sehe, sind gut 3 pro Monat. Plus der Werbung, die man kriegen will, irgendwelche Newsletter oder so. Dürfte pro Woche ebenfalls höchstens einer sein. Also entweder passe ich in kein Nutzer-Profil oder die Untersuchung war total gaga. Und das ist ja auch irgendwie dada. Urteile ich mal wieder zu früh, ohne alle Fakten zu haben?

Und vor allem: Ist das wirklich untersuchenswert? Viel wichtiger wäre doch, mal eine Prozent-Rechnung aufzumachen, wieviel legitimer Mailverkehr, verglichen mit dem Dreck, reinkommt. Bei mir sind das im letzten Jahr knapp 5600 Mails (also knapp 100 Mails pro Woche, haha!) gewesen. Also ungefähr 7% des Email-Aufkommens sind bei mir noch legitime Mails…

Heute habe ich es gerade so eben geschafft, ein Vanity-Fair-Magazin zu ergattern. Das war durchaus schwierig, die fette Werbekampagne, ein Kampfpreis von einem Euro… Dort, wo man überhaupt von diesem Magazin wußte (ca. 50% aller Kioske, in denen ich war), war es ausverkauft. So z.B. auch bei Karstadt am Hermannplatz. Dort vertröstete man mich aber auf heute morgen, weil sie nochmal 30 nachbestellt hatten. Nunja, geliefert wurden noch 2 und ich habe das letzte bekommen. Übrigens: am Donnerstag kommt die nächste Ausgabe des Magazins raus, ist ja schließlich eine Wochenzeitschrift. Und ab da ist Sense mit dem Kampfpreis. Von 1 Euro auf 7, ist ja nur eine Versiebenfachung… Für ein wöchentliches Magazin??? Noch dazu im Stil der typischen Klatsch-und-Tratsch-Zeitschriften für die deutsche Hausfrau, wie man sie halt alle so kennt. Ok, nicht die stillosen wie Gala, es ist sogar deutlich stylischer (komisches Wort) als Brigitte oder sowas. Aber ansonsten ähnlich wie die “tollen” Hochglanzmagazine (wie z.B. Instyle, Celebrity, Cosmopolitan, Elle, Glamour, Madame, Vogue und wie die Dinger sonst noch so heißen mögen) : viele Bilder, viel Werbung, hin und wieder auch mal ein Artikel mit Hintergrund, aber irgendwie nix Besonderes. Selbst, wenn ich zur Zielgruppe gehören würde (falsches Chromosomenpaar, sorry), wäre mir der Senf sicherlich keine 7 Euronen (oder hat der Zeitungsstand-Fuzzi nicht sogar 7,50 gesagt?) pro Woche wert. Wahrscheinlich nichtmal pro Monat. Aber gut, Geschmäcker sind unterschiedlich und ich gehöre nicht zur Zielgruppe, insofern steht mir inhaltliche Kritik nicht zu. Aber untersuchen wir das Ganze doch mal etwas objektiver, ohne zu stark auf den Inhalt einzugehen, mehr so die marktwirtschaftliche Sicht:

Da hat jemand ewig im Geheimen gewurstelt, um eine englische Zeitschrift auf Deutsch rauszubringen. Die sollte natürlich ganz anders als das Original sein. Mir persönlich erschließen sich die Unterschiede nicht so, ich hatte vorher mal in der englischsprachigen Ausgabe geblättert. Und meiner Meinung nach ist es doch auch eher gut, wenn das Original einfach 1:1 übersetzt wird, damit könnte der Kunde, der englisch versteht, es aber lieber auf deutsch lesen will, überredet werden, das nationale Magazin zu kaufen. Aber das schien eigentlich nicht gewollt, man wollte ganz anders sein als das Original. Trotzdem sieht es für mich wie eine Stil-Kopie aus. Mag sein, daß die Themen andere sind, aber der Stil ist der Gleiche.

Für Geheimhaltung benötigt man vor allem einen Grund, um sich von anderen abzugrenzen: das Alleinstellungsmerkmal. Außer dem Kampfpreis und einem netten, schwarzen Cover kann ich keins erkennen. Also hätte man schon im Entstehungsprozeß mächtig die Werbetrommel rühren können. Auf nichts warten die Leute so sehnsüchtig wie auf Vaporware. Ich persönlich kaufe alles, wo auch nur irgendwie auf der Packung “Duke Nukem” erwähnt wird. Auch wenn’s später klebrig ist, komisch aussieht und nach Kacke stinkt. Dieses nur mal so als Beispiel, wie man es richtig macht. Oder z.B. wie bei der Tempo-Nummer. Die haben den Zeitpunkt immer weiter nach hinten geschoben, was durchaus zu mehr *Lechz* meinerseits geführt hat. Da kauft man gleich nochmal so gerne!

Der Kampfpreis ist für die Einführung eines neuen Produkts sicherlich richtig. Wobei dieses Element auf diverse Dinge abgestimmt werden muß:

  1. Auf die Zielgruppe. Habe ich ein superstylisches Magazin, bei dem ich später VIPs und andere wichtige Leute vor den Karren spannen will, darf ich nicht zu tief runtergehen. 1 Euro war sicherlich etwas unterhalb des Niveaus der Zielgruppe. So hat Tante Erna das Magazin erstanden, bevor Udo Walz im Kiosk auftauchte, um seine Presseerzeugnisse zu erwerben. Klar, Tante Erna steht für Schnäppchen zur Not auch um 5 Uhr morgens auf, wenn der Kiosk um 8 aufmacht. Sie nimmt die Schlange in Kauf, wie bei Aldi. Gut, Herr Walz wird das Magazin wohl per Post und umsonst kriegen, vielleicht nicht ganz so das prickelnde Beispiel. Aber ich denke, es ist klar, worauf ich hinaus will, oder?
  2. Der Kampfpreis darf nicht zu weit vom späteren, echten Preis liegen, sonst bleibt Ausgabe 2 wie Sondermüll liegen. Sehr schwerer Fehler: zwischen einem und 7 Euro ist einfach zu viel Platz. Hinzu kommt die imaginäre 5er-Schwelle. Leute denken immer in Schwellen. Die 5 wäre ein Maximum gewesen. Darüberhinaus können die Macher des Magazins jetzt nur noch beten und hoffen, daß genug Leute mit reichlich Asche das Ding kaufen. Oder wieder billiger werden. Könnte man ja noch eine Werbekampagne draus machen. *zwinkerzwinker*
  3. Setzt man einen Kampfpreis derart niedrig an, 1 Euro für ein wirklich dickes Magazin (auch wenn die Hälfte Werbung ist), dann sollte es logisch sein, daß die Nachfrage enorm sein wird. Geiz ist geil und nix zieht hierzulande so stark wie ein Schnäppchen.

    Reporter im Schlußverkaufsgewühl: “Sie haben dieses Dingsda erstanden, sind Sie glücklich?”
    Kunde (pappt gerade ein Pflaster auf die Schürfwunden): “Und wie! Es ist ein echtes Schnäppchen! So billig habe ich das noch nie gesehen!”
    Reporter: “Und was machen Sie nun damit?”
    Kunde (schaut etwas verlegen auf seine zerissene Jacke): “Keine Ahnung. Wegwerfen?”

    Ok, zugegeben, man kann selbst bei so einem Kampfpreis nicht sagen, wieviel Ausgaben man wirklich brauchen wird. Das ist logistisch sicherlich schwierig, schließlich ist das Ganze ja eine Werbekampagne und die kostet genug Geld, da kann man nicht auch noch ewig die Druckerpressen laufen lassen. Trotzdem war das Magazin an den meisten Kiosken, wo ich war, schon am ersten Tag ausverkauft und auch die diversen Nachlieferungen gingen schon morgens weg. Da stellt sich die Frage, ob die Zielgruppe überhaupt eins der Magazine bekommen hat. Damit wäre die Werbekampagne ad absurdum geführt.

Fazit: zumindest die Marketing-Abteilung würde ich feuern, dermaßen eklatante Fehler darf man sich eigentlich nicht leisten. Ich denke, man könnte das Ganze retten, wenn man entweder auf Monatsmagazin schwenkt, von mir aus dann auch bei 7 Euro oder aber den Preis auf 5 oder sogar 4 Euro runterdreht, dann könnte man sich im Markt auch wöchentlich halten. Wenn es aber so bleibt, dann habe ich nur noch 2 Fragen: ist Vanity Fair eine eigene AG? Wenn ja, gibt es eine Bank, die Put-Optionen darauf anbietet? Das wäre dann ja eine todsichere Sache.

Nicht daß jetzt jemand denkt, ich würde hier Dinge vermengen. Nur weil ich auf die schlechtesten PC-Produkte aller Zeiten verweise, heißt das nicht, das hätte etwas mit meiner Vanity-Fair-Kritik zu tun. Es ist also eher ein Themenwechsel. Jedenfalls: die Plätze 11-15 sind ein guter Anfang und ich freue mich schon fast wie bei Vaporware auf die Top10. Aber mal ehrlich: wer hat je ZIP-Laufwerke gebraucht? Die waren ja schon zu lütt, als sie rauskamen. Insofern auch ein gutes Beispiel für schlechtes Wirtschaftsdenken. Wobei IOmega gut an den Dingern verdient hat, mag am Alleinstellungsmerkmal liegen.

Aber, um mal bei Marktwirtschaft zu bleiben: Die Kundschaft ist mittlerweile schlau genug, nichts DRM-Verseuchtes zu kaufen. Klar, es gibt ein paar Blöde, die kaufen Musik in WMA-Form in Online-Shops, aber mit der Menge an Kunden krebsen sie nur so’n bißchen rum, wie Premiere mit ihrer Kundenanzahl. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Folglich merk
en jet
zt vor allem Firmen wie Apple, daß mit DRM kein Staat zu machen ist. Kein Kunde, der sich über nichtfunktionierende Musik in irgendeinem Gerät geärgert hat, wird jemals wieder diesen stinkenden Dreck kaufen. Folglich schreit Apple danach, DRM sein zu lassen. Klar wehrt sich die Musikindustrie, aber ich denke, die Einschläge kommen wohl langsam näher. Denn wie sonst sollte man sich erklären, daß eine große Firma wie EMI laut daüber nachdenkt, DRM fallen zu lassen. Klar, das wird ein langsamer Prozeß, aber er ist unabwendbar. Musik mit DRM wird nicht gekauft, ebenso denke ich, daß der HD-DVD/BDVD-Markt in die Binsen gehen wird, da auch hier ein ziemlich wasserdichtes DRM am werkeln ist.

Fazit: wer sich gegen den Kunden stellt, ändert entweder seine Einstellung oder er geht unter. Markt ist, was Du draus machst!

Was ich mit Flitze-Kacke meine, sollte klar sein: Das Drecks-Flash-Format, welches überall gehyped wird. Klar könnte ich das unter Linux abdudeln, aber es bleibt ein proprietäres Format, noch dazu eins, das Daten und Programmcode lustig vermischt und mit Sicherheit irgendwann in einem Viren-Supergau endet, der alle Plattformen erreichen wird. Vor allem, weil es 90% aller Leute nutzen. Leute, freßt mehr Scheiße, Milliarden Fliegen können nicht irren. Wie auch immer, solange diese größte IT-Grütze aller Zeiten nicht wenigstens richtig OpenSource wird, werde ich den Mist boykottieren. Nun hatte ich auf Detlefs Motorrad-Webseiten gesehen, daß er einen T-Shirt-Shop eingebunden hat. Und zwar von Spreadshirt.net. Eigentlich haben die wirklich gute Ideen auf ihren Seiten. Man macht einen Shop auf und die machen das ganze Verkaufshandling, man schlägt einen Euro drauf und den Rest der Kohle (aber auch den Rest der Arbeit) kriegen die. Da gab’s T-Shirts, Tassen, Taschen usw. in Dutzenden von Farben, mit Texten, die man selbst wählen kann und sogar Logo-Upload. Ein bißchen teure Endpreise für den Käufer, aber dafür kriegt man dann ja auch etwas Exklusives.

Wie auch immer, ich hatte mich schon angemeldet, das erste Logo hochgeschoben und wollte mich an das T-Shirt-Erstellen machen, da kam das Kleingedruckte am Ende mit voller Wucht: Flash-Kacke. Uah! Sofort das Logo wieder auf dem Shop gelöscht und wieder raus da. Seitdem suche ich verzweifelt nach einem Shop, der das vernünftig macht, via Ajax oder von mir aus sogar Java. Java hat wenigstens rudimentäre Sicherheitsmechanismen, um Code und Daten zu trennen und ist mittlerweile echte OpenSource-Software, da Sun das Ganze unter die GPL gestellt hat. Da würde ich ja eher noch PHP akzeptieren, als Flash anzufassen. Jedenfalls: Wenn jemand einen ähnlichen Shirt-Shop findet, ohne daß man gezwungen ist, die besch… Software der Welt (also Flash) benutzen zu müssen, bitte ich um Nachricht!

Aber, wenn wir schon bei Boykott von miesen Ideen der Industrie sind: bei mir kommt ja grundsätzlich nix DRM-Verseuchtes (DRM = Digitales Restriktions-Management, Benutzerverarsche) auf den Rechner, weswegen die Musik-Shops mich bisher als Kunden kaum angeln konnten. Außer die wachsende Zahl an MP3-Shops. Bei denen ist zwar das Angebot nicht so dicke, aber trotzdem ein guter Trend. Ich denke, daß Apple mit seinem iTunes-Angebot bei einer gewissen Art Marktsättigung angekommen ist, weswegen würde Mr. Jobs auf einmal auf die Idee kommen, gegen DRM zu reden? Tja, von 1% der Musikkunden lebt sich’s halt nicht so dolle. Und logisch, daß es großes Wauwau von der Musikindustrie dazu gab. Aber: auch dort sitzen scheinbar lernfähige Leute, die merken: von verblödeten Käufern alleine kann man nicht lange überleben. Auf einmal gibt es bei EMI Überlegungen, vom DRM-Weg abzuweichen. Das wäre ja wirklich eine erfreuliche Entwicklung. Schließlich geht es den meisten Nutzern sicherlich nicht um den Preis, sondern darum, daß nicht nur die Industrie von der digitalen Welt profitieren will, sondern auch der Endkunde. Meine gesamte CD-Wand (ein riesiges Regal) würde locker als MP3 auf eine Festplatte passen. Das Resultat wäre mehr Platz in der Wohnung. Folglich: das wird kommen. Aber bestimmt nicht mit DRM, niemand will verkrüppelte Formate, die nach kurzer Zeit schon nicht mehr abdudelbar sind, weil die Software dazu nicht mehr da ist, ein Lizenzkey auf der Platte verhungert ist oder ein Stück Hardware kaputt geht. DRM war von Anfang an eine Sackgasse, der Ärger mit dem Sony-Rootkit und anderem Schwachsinn hat wahrscheinlich mehr Löcher in die Kassen der Industrie gerissen, als es alle kommerziellen Musikpiraten dieses Planeten zusammen schaffen könnten. Aber immerhin ist jetzt Licht am Horizont. Evolution ist, wenn auch die Industrie nachdenkt und die Hirnlosen rauskantet, um der Vernunft eine Chance zu geben.

Also immer schön weitersagen: Nein zu DRM!

P.S.: Schöne Anekdote am Rande. Eben habe ich auf Extra3 gesehen, daß Helgoland nun ein Polizeiauto bekommen hat. Damit sie, wie einer der Cops sagte, “mit 100 Sachen zum Leuchtturm heizen” können. Ok, das ist nun nicht gerade neu, das wurde schon letzte Woche berichtet. Was ich erstaunlich fand, bei den Kameraschwenks wurde kurz eine Imbiß-Werbung gezeigt: Döner King! Auf Helgoland! Bruhahaha!

Wer außer mir Tanja kennt (also die, die ich meine), wird wissen, daß sie seit einiger Zeit dabei hilft, ein Magazin zu entwickeln. Eins, welches vorher nur auf englisch zu kriegen war und von dem es jetzt einen deutschen Ableger gibt: Vanity Fair. Das war eine ganze Zeit lang supergeheim und nachdem man im Spiegel ein Interview mit dem Chefredakteuer verfolgen konnte, sah es so aus, als ginge es sofort los. Leider dauerte es noch einige Zeit, bis es endlich soweit war und schließlich bemerkte ich, wieso in diesem Markt alles so geheimnisbeladen ist. Auf einmal waren alle Plakatwände mit “Park Avenue” (wohl ein Konkurrenzprodukt), zugenagelt. Ich hatte schon fast die Hoffnung verloren, da kam doch noch die Erlösung:

Den meisten, die mein Blog kennen, wird aufgefallen sein, daß das HDR-Aufnahmen sind. Mittlerweile entwickelt sich das für mich zu einem Standard-Thema. Übrigens, kleine Anekdote am Rande: Als ich da am Hauptbahnhof rumstand und die Bilder von diesem Haus machte, hörte ich ein älteres Ehepaar die Werbung vorlesen, die Lautschrift dazu wäre ungefähr so: “WAH-NITTY FA-IR”

Übrigens entwickelt sich das Ganze zu einer Erfolgsgeschichte. Das Magazin kostet nur einen Euro und ist sogar in Neukölln (!) ausverkauft. Ich versuche jedenfalls seit Tagen krampfhaft, dieses Magazin zu ergattern (auch, wenn ich wohl nicht die Zielgruppe bin), aber irgendwie will es mir nicht gelingen.

Nun ja, wenn ich schonmal in der Nähe bin, um neuen Medienprojekten zu huldigen, mache ich natürlich gleich ein paar HDR-Bilder vom Bahnhof:

Tja, ist doch ein nettes Hobby. Aber Fotografieren ist sowieso irgendwie unverhofft mein Steckenpferd geworden. Vor der digitalen Zeit hat mich das nicht die Bohne interessiert. Heute habe ich irgendwie immer einen Fotoapparat mit und dann kriegt man oft genug auch solche Fotos hin:

Zu schade, daß das Auto oder was es auch immer verursacht hat, schon weggeräumt war. Das ist (war) übrigens eine Telefonzelle in Hannover, Hamburger Allee, Nähe Vahrenwalder Straße…

Morgens bin ich meistens etwas neben mir, aber nichtsdestotrotz muß man ja, um seine Brötchen zu verdienen, früh zur Arbeit. Im Winter nutze ich statt Fahrrad das Auto, also nutzt man als Informationsmedium das Radio. Das ist in Berlin eine schwierige Sache. Früher gab es mal sowas wie Studentenradios oder alternative Sender. Die lebten mehr schlecht als recht und machten oft schnell wieder zu. Aber selbst große Marken wie RIAS 2 wurden im Radio-Business niedergeknüppelt zu einem gleichgeschalteten Mainstream-Gemurkse. Ob man nun rs2 oder andere Sender hört: man hat oft nur noch die Wahl zwischen “dem besten der 60er, 70er, 80er, 90er Jahre und von heute” und irgendwelchem HipHop-Müll für Kids. Der Jugendsender Berlins namens Fritz ist tatsächlich zwischen 7 Uhr und 19 Uhr praktisch unhörbar. Ok, ich bin ja schließlich eher ein alter Sack, also falsche Zielgruppe. Dann gibt es noch im hörbaren Bereich Radio Eins, welches sich zwar rühmt, “nur für Erwachsene” zu sein, aber dennnoch hirntote Rotation bei Musik, wenn auch leicht bessere, nutzt. Wobei ich ja das Wort Erwachsene eher als Beleidigung auffasse. Wenn man “erwachsen” geworden ist, ist man meistens langweilig und wartet nur noch auf den Tod. Jedenfalls blieb in den letzten Jahren außer Radio Eins nicht viel übrig.

Irgendwann sagte mir ein Freund (nennen wir ihn Michael S., den Unhold), es gäbe auf 100,6 einen netten Sender. Da dachte ich noch: WÜRG! Schamoni? Aber weit gefehlt. Schamoni war lange nicht mehr auf dieser Frequenz. Folglich gab es einen Neuling namens Motor FM. (Hey, Thilo! Hier kann man sich ein Umsonst-Blog holen! :) )) Dieser “Neuling” läuft bereits seit über einem Jahr auf dieser Frequenz, aber ich hatte es das erste Mal so im Oktober versucht und war angenehm überrascht. Hier wird tatsächlich Alternativ- und Independent-Musik gespielt. Die Wortbeiträge halten sich im Rahmen und es gibt keine verblödeten Gewinnspielchen. Klar, sie haben auch sowas wie eine Rotation, aber es nervt nicht so sehr wie bei den anderen Sendern. Logisch, spielt ja sonst keiner. Ein Wunder, daß die sich halten können, noch dazu als profitorientierter Privatsender.

Heute morgen war jedenfalls einer der netten Sprachbeiträge zu hören. Ein Mann der Zentralen Intelligenz Agentur (sehr schöner Name!) kam zu Wort und erzählte von seinem Buch Wir nennen es Arbeit. Im Grunde reitet er auf der Web 2.0-Welle, was ich ja schon ein wenig verdächtig finde. Andererseits hatte er Thesen, die nicht von der Hand zu weisen sind. Markttechnisch hat der Mainstream nämlich ganz schön zu kämpfen im Zeitalter des Internets. Dinge, die früher alle unter Gruppendruck haben wollten, leiden unter einer Athmosphäre der Einzigartigkeit. Jeder will was Besonderes haben. Dann gab es früher natürlich das Problem, daß man mit Nischenprodukten kein Geschäft betreiben konnte. Laufkundschaft ist nunmal nicht mit irgendwelchen Puppenkleidern zu bekommen. Im Internet geht das schon. Dezentrale Netze von Nischen tun sich auf, ein riesiger Markt. Amazon & Co. bieten individuelle Shops für jedermann an, auf Ebay kann man jeden Schrott privat verkaufen. Dinge, die man früher weggeworfen hätte. Das tut der Mainstream-Industrie natürlich weh, denn die Menge des Geldes ist begrenzt. Und wenn die Menschen Gebrauchtartikel bevorzugen, wird der Verkauf von Neuware schwieriger. Klar, die Industrie wird nun einer Sättigung durch verminderte Lebensdauer ihrer Artikel vorbeugen und die Umweltverschmutzung in nie geahnte Höhen treiben (siehe auch Umweltprobleme durch Windows Vista). Das wird aber nur begrenzt gehen, die virtuellen Netzwerke von Gleichgesinnten haben jetzt ja auch die Möglichkeit über Blogs und Foren ihre Erfahrungen mit Produkten auszutauschen. Und ein Anbieter, der mieses Zeug verkauft, wird relativ schnell den Tod des Gerechten sterben. Als interessante Idee fiel mir auf, daß man auch sozial viel besser kaufen kann. Ich selbst kaufe z.B. keine BenQ-Produkte mehr, da mir die Methodik, wie sie mit ihren Mitarbeitern umgegangen sind, nicht gefällt. Klar, dann ranzt der Rest der Firma irgendwann auch ab. Aber ich würde das eher Marktbereinigung im positiven Sinn nennen. Der Individualismus wird also in allen Bereichen dem Mainstream Paroli bieten: Markt, soziales Umfeld, politisches Umfeld, ja vielleicht wird sich sogar die Art und Weise verändern, wie wir miteinander umgehen. Im Interview wurde es nett benannt: Früher waren es Familien, dann Companies, dann Staaten und nun sind wir über all diesen Dingen. Virtuelle Netzwerke von Individualisten, die mit Gleichgesinnten zusammen arbeiten, reden, gestalten. Im Grunde wie im USENET. Einen Haken sehe ich doch: zur Zeit ist man gezwungen, über den Tellerrand seiner eigenen Welt zu blicken. Das wird zukünftig immer unnötiger, damit bleiben aber auch Impulse aus. Es könnte ein Jahrhundert der Kreativ-Krise werden, wir brauchen Polarisation und Diskussion zwischen verschiedenartigen Personen und Gruppen. Aber ich denke, auch das werden wir noch lernen (müssen).

Tja, wie der Zufall es so will, hat ein aufmerksamer Leser meines Blogs mich auf eine weitere Skimming-Variante aufmerksam gemacht. Wie jetzt? Ihr wißt nicht, was Skimming ist? Nichtmal, nachdem ihr das oder das gelesen habt? Wundert mich nicht. Ich bin ja nach wie vor der Meinung, daß es ein mißglückter Begriff ist. Phishing ist ja schon komisch, aber Skimming? Ich wette, ich habe bald alle Google-Leser, die nach Skimming suchen, auf meiner Seite…

Aber zurück zum Thema. Oben genannter Leser, nämlich Thilo schickte mir diese Email:

ich habe heute mal wieder Blogs gelesen und bin über Deinen “Skimming-Diskurs” gestolpert.

In dem Zusammenhang habe ich das Wort natürlich auch noch nicht gehört (obwohl es Sinn macht), aber in unserer Branche sind Skimming(s) völlig gebräuchlich.

<Besserwissermodus> Das übliche deutsche Wort hierfür ist “Krätze” (lach’ nich’!). Bei einem Metallbad (in einem Ofen) wird vor dem Vergiesen die oberste Schicht (also die “Haut”) abgezogen (abgekrätzt). Das abgezogene Material besteht zum größten Teil aus Metalloxid (durch die Berührung mit der Atmosphäre) und zu einem geringeren Teil aus Metall (je nachdem wie weit man das Werkzeug eintaucht). Die Krätze wird anschließend wieder dem Recyclingprozess zugeführt. Für Metallkrätzen werden von den Recyclingwerken hohe Preise bezahlt. Der Ausdruck Skimmings stammt daher, dass mit der Einführung des neuen europäischen Abfallrechts im Jahre ?? (vor einigen Jahren jedenfalls), Krätze als “besonders überwachungsbedürftiger Abfall” deklariert wurde und nur im sog. Begleitscheinverfahren transportiert werden darf. Um diesem <durchgestrichen>Blödsinn </durchgestrichen> <durchgestrichen> Bürokratiemonster</durchgestrichen> Verfahren zu entgehen wurde einfach das Wort “Krätze” durch das Wort “Skimmings” ersetzt. Die englische Bezeichnung für Metallkrätze ist übrigens “Dross”.</Besserwissermodus>

(Original-Zitat Dipl.-Kaufm. Thilo Wetzel, Prokurist)

Vielleicht sollte man noch dazu sagen, daß Monsieur Wetzel mit Aluminium-Verarbeitung und -Recycling zu tun hat, nur der Vollständigkeit halber. Tja, ihr Skimming-Liebhaber, die Übersetzung “Abschöpfen” ist auch im Deutschen vieldeutig. Aber gut, ich will da nicht zu lange drauf rumreiten, Harharhar…

Vielleicht mal zur Abwechslung etwas weniger Irritierendes. In Florida hat man sich gegen Wahlmaschinen, jedenfalls in ihrer jetzigen Form, entschieden. Und das unter einem Republikaner! Sollte das Land mit dem Ende der Bush-Ära wieder zur Demokratie zurückkehren? Bisher sieht’s ja nicht so aus. Und auch andere Leute wie ich reisen ungern in Länder, in denen man als Tourist für vogelfrei erklärt wird. Das zeigt sich jedenfalls im Besucherrückgang um 17% (offizielle Zahlen, inoffiziell wird von einem Drittel weniger USA-Einreisen, besonders aus Europa, gesprochen). Die TIA (Nein, das ist weder ein touristischer Zweig der CIA, noch ist es der Geheimdienst von Clever & Smart) beweist, daß sie auf dem richtigen Weg ist, sie will mit Hochglanzbroschüren und Webseiten die USA wieder attraktiver für Touristen machen. Tja, wenn sie für ein Impeachment von Bush und seinem üblen Gefolge eintreten würden, würden sie bei mir mehr Punkte machen.

Aber wer bin ich, daß ich das kritisieren darf, schließlich ist trotz gerichtlicher Absage zum Bundestrojaner unser Minister für Staatssicherheit weiterhin der Meinung, daß Horch und Guck besser als Demokratie sind. Eigentlich interessant, wie diese Leute mehr und mehr die Masken fallen lassen. Mal sehen, wann so Sprüche kommen wie “Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen.” Schließlich wollen sie einem ja auch das Fliegen vermiesen. Denn vor kurzem gab es einen Beitrag von Welt der Wunder (die sind ja schon richtig subversiv mit ihrem Wissen) im TV, in dem klar nachgewiesen wurde, daß es nicht möglich ist, während eines Fluges aus binären Komponenten Flüssigsprengstoff herzustellen (Ich hatte da ja schon mal was zu gesagt) und daß man mit fertigem Flüssigsprengstoff wohl nichtmal bis zur Gangway käme, weil das Zeug zu instabil ist und schon vorher Bumm macht. Trotzdem darf man jetzt nur noch Mikro-Mengen an Getränken mitnehmen. Vielleicht, weil interessante Sendungen dieser Art abends um 23 Uhr gesendet werden? Oder jemand ist es ein Dorn im Auge, daß so viele Leute reisen oder jemand will die Billig-Flieger sponsorn, weil bei denen ja alles extra kostet. Also im Grunde ähnliche Schikanen wie beim DDR-Transit damals: “Gänsefleisch mol ihr Hondgebäck uffmache?” Dieses Land ist auf einem seltsamen Weg…

P.S.: Übrigens, nicht daß hier der Eindruck entsteht, ich bin gegen Sicherheitsmaßnahmen beim Fliegen. Sinnvolle Dinge, wie Mantel röntgen oder so, kann ich alles nachvollziehen. Wenn sie den Leuten aber Scheiße erzählen, um Kohle zu machen oder den Paniklevel oben halten zu können, dann schwindet die Akzeptanz solcher Maßnahmen mit Sicherheit nicht nur bei mir. Vor allem wird sich die Wut gegen das Sicherheitspersonal aufstauen und so mancher Kontrolleur wird, weil die Leute so angepißt sind, seinen Job mehr Larifari machen. Das Ende vom Lied: weniger Sicherheit. Paranoia und Angstmache sind schlechte Ratgeber, Verhältnismäßigkeit und Weitsicht sind gefragt!

Da dieses Thema immer mal wieder auftaucht, bin ich oft genug auf der Suche nach Informationen über Sendemasten-Standorte. Für mich persönlich gab’s natürlich immer den Grund: falls man umzieht, möglichst weit weg vom nächsten Sendemast. Auch, wenn die aktuelle Diskussion ja auf gar keine Probleme hindeutet. Leeres Blabla und in 30 Jahren kriegen wir alle sowieso die Rechnung. Es wäre also sozusagen eine prophylaktische Sicherheitsmaßnahme. Andere Leute möchten eher das Gegenteil haben: guten Empfang. Das trifft besonders die Home-Zone-Nutzer, die gar kein Festnetz-Telefon mehr haben. Wobei ich schon oft bemerke, daß die Festnetz-Telefonie eine höhere Sprachqualität bietet. Handy ist immer etwas dumpfer. Jedenfalls finden sich unter dieser Adresse diverse Listen der Sender, teilweise sogar mit Fotos. Die Listen sind oft nicht ganz aktuell, andererseits ändern sich GSM-Standorte nicht wirklich über die Jahre, die Antennen werden höchstens verbessert, mit mehr Power versehen usw. Am Ende der Seite befinden sich nicht nur Senderlisten aus anderen Ländern, sondern vor allem der nicht uninteressante Link der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post. Hier kann man genau nach PLZ suchen und sieht dann die Meßprotokolle inklusive Standorte. Nette Sache. Wobei die Home-Zone-Nutzer eines bedenken sollten: Ist der Mast direkt auf dem Dach, kann das auch Null Empfang bedeuten, weil die wellenförmige Ausbreitung der Strahlen in so fettem Winkel abgestrahlt wird, daß sie die unteren Stockwerke nicht erreichen. Dieses als Info auch an diejenigen, die Häuser mit möglichst wenig Strahlung suchen. Sicher ist man natürlich nie, am Besten die Örtlichkeit selbst mit Meßgeräten ausmessen. Das würde aber selbst ich für Overkill halten. Denn ich sagte gerade: Prophylaxe, nicht hermetische Abriegelung…

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