Heute habe ich es gerade so eben geschafft, ein Vanity-Fair-Magazin zu ergattern. Das war durchaus schwierig, die fette Werbekampagne, ein Kampfpreis von einem Euro… Dort, wo man überhaupt von diesem Magazin wußte (ca. 50% aller Kioske, in denen ich war), war es ausverkauft. So z.B. auch bei Karstadt am Hermannplatz. Dort vertröstete man mich aber auf heute morgen, weil sie nochmal 30 nachbestellt hatten. Nunja, geliefert wurden noch 2 und ich habe das letzte bekommen. Übrigens: am Donnerstag kommt die nächste Ausgabe des Magazins raus, ist ja schließlich eine Wochenzeitschrift. Und ab da ist Sense mit dem Kampfpreis. Von 1 Euro auf 7, ist ja nur eine Versiebenfachung… Für ein wöchentliches Magazin??? Noch dazu im Stil der typischen Klatsch-und-Tratsch-Zeitschriften für die deutsche Hausfrau, wie man sie halt alle so kennt. Ok, nicht die stillosen wie Gala, es ist sogar deutlich stylischer (komisches Wort) als Brigitte oder sowas. Aber ansonsten ähnlich wie die “tollen” Hochglanzmagazine (wie z.B. Instyle, Celebrity, Cosmopolitan, Elle, Glamour, Madame, Vogue und wie die Dinger sonst noch so heißen mögen) : viele Bilder, viel Werbung, hin und wieder auch mal ein Artikel mit Hintergrund, aber irgendwie nix Besonderes. Selbst, wenn ich zur Zielgruppe gehören würde (falsches Chromosomenpaar, sorry), wäre mir der Senf sicherlich keine 7 Euronen (oder hat der Zeitungsstand-Fuzzi nicht sogar 7,50 gesagt?) pro Woche wert. Wahrscheinlich nichtmal pro Monat. Aber gut, Geschmäcker sind unterschiedlich und ich gehöre nicht zur Zielgruppe, insofern steht mir inhaltliche Kritik nicht zu. Aber untersuchen wir das Ganze doch mal etwas objektiver, ohne zu stark auf den Inhalt einzugehen, mehr so die marktwirtschaftliche Sicht:
Da hat jemand ewig im Geheimen gewurstelt, um eine englische Zeitschrift auf Deutsch rauszubringen. Die sollte natürlich ganz anders als das Original sein. Mir persönlich erschließen sich die Unterschiede nicht so, ich hatte vorher mal in der englischsprachigen Ausgabe geblättert. Und meiner Meinung nach ist es doch auch eher gut, wenn das Original einfach 1:1 übersetzt wird, damit könnte der Kunde, der englisch versteht, es aber lieber auf deutsch lesen will, überredet werden, das nationale Magazin zu kaufen. Aber das schien eigentlich nicht gewollt, man wollte ganz anders sein als das Original. Trotzdem sieht es für mich wie eine Stil-Kopie aus. Mag sein, daß die Themen andere sind, aber der Stil ist der Gleiche.
Für Geheimhaltung benötigt man vor allem einen Grund, um sich von anderen abzugrenzen: das Alleinstellungsmerkmal. Außer dem Kampfpreis und einem netten, schwarzen Cover kann ich keins erkennen. Also hätte man schon im Entstehungsprozeß mächtig die Werbetrommel rühren können. Auf nichts warten die Leute so sehnsüchtig wie auf Vaporware. Ich persönlich kaufe alles, wo auch nur irgendwie auf der Packung “Duke Nukem” erwähnt wird. Auch wenn’s später klebrig ist, komisch aussieht und nach Kacke stinkt. Dieses nur mal so als Beispiel, wie man es richtig macht. Oder z.B. wie bei der Tempo-Nummer. Die haben den Zeitpunkt immer weiter nach hinten geschoben, was durchaus zu mehr *Lechz* meinerseits geführt hat. Da kauft man gleich nochmal so gerne!
Der Kampfpreis ist für die Einführung eines neuen Produkts sicherlich richtig. Wobei dieses Element auf diverse Dinge abgestimmt werden muß:
- Auf die Zielgruppe. Habe ich ein superstylisches Magazin, bei dem ich später VIPs und andere wichtige Leute vor den Karren spannen will, darf ich nicht zu tief runtergehen. 1 Euro war sicherlich etwas unterhalb des Niveaus der Zielgruppe. So hat Tante Erna das Magazin erstanden, bevor Udo Walz im Kiosk auftauchte, um seine Presseerzeugnisse zu erwerben. Klar, Tante Erna steht für Schnäppchen zur Not auch um 5 Uhr morgens auf, wenn der Kiosk um 8 aufmacht. Sie nimmt die Schlange in Kauf, wie bei Aldi. Gut, Herr Walz wird das Magazin wohl per Post und umsonst kriegen, vielleicht nicht ganz so das prickelnde Beispiel. Aber ich denke, es ist klar, worauf ich hinaus will, oder?
- Der Kampfpreis darf nicht zu weit vom späteren, echten Preis liegen, sonst bleibt Ausgabe 2 wie Sondermüll liegen. Sehr schwerer Fehler: zwischen einem und 7 Euro ist einfach zu viel Platz. Hinzu kommt die imaginäre 5er-Schwelle. Leute denken immer in Schwellen. Die 5 wäre ein Maximum gewesen. Darüberhinaus können die Macher des Magazins jetzt nur noch beten und hoffen, daß genug Leute mit reichlich Asche das Ding kaufen. Oder wieder billiger werden. Könnte man ja noch eine Werbekampagne draus machen. *zwinkerzwinker*
- Setzt man einen Kampfpreis derart niedrig an, 1 Euro für ein wirklich dickes Magazin (auch wenn die Hälfte Werbung ist), dann sollte es logisch sein, daß die Nachfrage enorm sein wird. Geiz ist geil und nix zieht hierzulande so stark wie ein Schnäppchen.
Reporter im Schlußverkaufsgewühl: “Sie haben dieses Dingsda erstanden, sind Sie glücklich?”
Kunde (pappt gerade ein Pflaster auf die Schürfwunden): “Und wie! Es ist ein echtes Schnäppchen! So billig habe ich das noch nie gesehen!”
Reporter: “Und was machen Sie nun damit?”
Kunde (schaut etwas verlegen auf seine zerissene Jacke): “Keine Ahnung. Wegwerfen?”
Ok, zugegeben, man kann selbst bei so einem Kampfpreis nicht sagen, wieviel Ausgaben man wirklich brauchen wird. Das ist logistisch sicherlich schwierig, schließlich ist das Ganze ja eine Werbekampagne und die kostet genug Geld, da kann man nicht auch noch ewig die Druckerpressen laufen lassen. Trotzdem war das Magazin an den meisten Kiosken, wo ich war, schon am ersten Tag ausverkauft und auch die diversen Nachlieferungen gingen schon morgens weg. Da stellt sich die Frage, ob die Zielgruppe überhaupt eins der Magazine bekommen hat. Damit wäre die Werbekampagne ad absurdum geführt.
Fazit: zumindest die Marketing-Abteilung würde ich feuern, dermaßen eklatante Fehler darf man sich eigentlich nicht leisten. Ich denke, man könnte das Ganze retten, wenn man entweder auf Monatsmagazin schwenkt, von mir aus dann auch bei 7 Euro oder aber den Preis auf 5 oder sogar 4 Euro runterdreht, dann könnte man sich im Markt auch wöchentlich halten. Wenn es aber so bleibt, dann habe ich nur noch 2 Fragen: ist Vanity Fair eine eigene AG? Wenn ja, gibt es eine Bank, die Put-Optionen darauf anbietet? Das wäre dann ja eine todsichere Sache.
Nicht daß jetzt jemand denkt, ich würde hier Dinge vermengen. Nur weil ich auf die schlechtesten PC-Produkte aller Zeiten verweise, heißt das nicht, das hätte etwas mit meiner Vanity-Fair-Kritik zu tun. Es ist also eher ein Themenwechsel. Jedenfalls: die Plätze 11-15 sind ein guter Anfang und ich freue mich schon fast wie bei Vaporware auf die Top10. Aber mal ehrlich: wer hat je ZIP-Laufwerke gebraucht? Die waren ja schon zu lütt, als sie rauskamen. Insofern auch ein gutes Beispiel für schlechtes Wirtschaftsdenken. Wobei IOmega gut an den Dingern verdient hat, mag am Alleinstellungsmerkmal liegen.
Aber, um mal bei Marktwirtschaft zu bleiben: Die Kundschaft ist mittlerweile schlau genug, nichts DRM-Verseuchtes zu kaufen. Klar, es gibt ein paar Blöde, die kaufen Musik in WMA-Form in Online-Shops, aber mit der Menge an Kunden krebsen sie nur so’n bißchen rum, wie Premiere mit ihrer Kundenanzahl. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Folglich merk
en jet
zt vor allem Firmen wie Apple, daß mit DRM kein Staat zu machen ist. Kein Kunde, der sich über nichtfunktionierende Musik in irgendeinem Gerät geärgert hat, wird jemals wieder diesen stinkenden Dreck kaufen. Folglich schreit Apple danach, DRM sein zu lassen. Klar wehrt sich die Musikindustrie, aber ich denke, die Einschläge kommen wohl langsam näher. Denn wie sonst sollte man sich erklären, daß eine große Firma wie EMI laut daüber nachdenkt, DRM fallen zu lassen. Klar, das wird ein langsamer Prozeß, aber er ist unabwendbar. Musik mit DRM wird nicht gekauft, ebenso denke ich, daß der HD-DVD/BDVD-Markt in die Binsen gehen wird, da auch hier ein ziemlich wasserdichtes DRM am werkeln ist.
Fazit: wer sich gegen den Kunden stellt, ändert entweder seine Einstellung oder er geht unter. Markt ist, was Du draus machst!
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