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23C3: Zweiter Tag

2006-12-29

Der Tag begann zwar spät für mich, aber angenehm: Lightning Talks. Das ist eine Form, in der jeder Redner 5 Minuten Zeit hat, seine Dinge vorzutragen. Da ist interessantes bei aber auch uninteressantes. Ich selbst treffe hier eine sehr subjektive Auswahl, also nur Dinge, die ich persönlich interessant fand.

Zuerst war da der Mensch von Neo-Layout.org, der die ewige Diskussion um unsere QWERTZ-Tastatur mal wieder auffrischte. Ganz amüsant, man hatte mal wieder ein neues Tastatur-Design Tastatur-Design erfunden, aber ich bezweifle, daß sich dieses durchsetzen wird. Egal, wenigstens war das kein ganz so politisches Thema wie gestern, als das Thema Wahlcomputer alles überdeckte. Wobei Rop bisher deutlich als Enterteiner hervorstach, wenn ihr den Stream in die Finger bekommt: unbedingt ansehen! Und als weiterer Nachtrag: Die “Use more Bandwidth”-Schilder scheinen diesmal sauer aufzustoßen, weil dauernd das überlastete Netz zusammenbricht. Aber weiter im Text…

Nun kam der Auftritt von Bert Freudenberg. Er macht mit beim 100$-Laptop-Projekt, das eigentlich 100¤-Laptop-Projekt heißen müßte, da das Gerät etwas teurer geworden ist als erhofft. Er hatte einen Prototyp mit, der 100$-Laptop so aussieht. Er ist sehr klein, bootet ein 100$-Laptop Fedora Linux, hat eine Auflösung von 1200×900 Pixeln, ein drehbares Display und 256 MB RAM. Als Platte dient ein 512MB-Flash-Chip, der das komprimierte JFFS-File-System beinhaltet und zur Hälfte gefüllt ist. Zusätzlich hat das Gerät 3 USB-Ports und einen SD-Port.

Und natürlich: Video-Kamera eine eingebaute Video-Kamera, (der untere Punkt von den beiden dunklen Stellen über dem rechten Lautsprecher) d.h. Multimedia-Möglichkeiten trotz recht schwacher CPU (voll Intel-kompatibel!) sind ebenfalls mit drin.

Danach kam dann Peter Stuge, um das Linux-BIOS-Projekt vorzustellen. Ein Hammer! Die sind mittlerweile bei Version 3 angelangt, können sogar Windows 2000 booten und der schnellste Boot-Zyklus vom Einschalten bis zum Login-Screen lag bei 3 Sekunden! Übrigens verwendet obiges Laptop ebenfalls das Linux-BIOS. Das Laptop bootet deutlich langsamer, weil die CPU eben recht lahm ist. Mr. Stuge hatte auch eine Demo laufen lassen, die knapp 10 Sekunden zum Booten benötigte. Interessant fand ich auch, daß die Idee aus dem Los Alamos National Laboratory stammt, also quasi eine echte Bombe. :)
Zu erwähnen wären noch diese Features: das BIOS bringt einen eigenen SSH-Daemon mit, kann vom Userspace aus konfiguriert werden und ist natürlich prädestiniert für Virtualisierung. Mir fällt dabei auf, daß man angesichts dieser Features auch Hackern ein wenig die Tore öffnet…

Schließlich traf ich noch Anselm und nachdem die Gruppe Hacktivismo ihren Vortrag (eigentlich war es mehr ein Betteln um Mitglieder) beendet hatte, schmiß diese Gruppe Gummi-Sweets in die Menge. Das wurde leicht chaotisch, weswegen ich dachte: Na, da wird wohl die nächste Zeit so weitergehen, ca. 30 Minuten oder so… Denn das Publikum schmiß nicht benöigte Tüten weiterhin durch die Gegend. Ebbte dann aber doch noch ab, so daß ein Herr Kai Kunze über Wearables berichten konnte. Endlich! Ein Linux-PC in einer Gürtelschnalle, was will man mehr? Also schon sehr schöne Ideen, die Uni-Passau scheint hier eine Menge zu sponsorn, Hut ab!

Dann hatte ich kurz bei “Body Hacking” reingesehen. Eine Dame namens Quinn Norton referierte darüber, daß sie sich Magneten in die Fingerkuppen hat einbauen lassen. Kids, don’t try this at home! Hier kann es nämlich zu Komplikationen kommen, wenn die schützende Gold-Hülle leckt und die Infektion den Finger leicht schwärzt. Auch nach einer Not-OP einer solchen Geschichte kann es zu sensorischen Problemen kommen. Und das alles nur, weil man Borg-Like werden will, für ein paar Kunststückchen? Nunja, der Mode-Gag ist natürlich auch dabei, aber natürlich gibt’s Anwendungen für “Body Enhancements”: Betrieb von Mini-Motoren (z.B. durch die Magneten), Glukose-Meßgeräte, Hörgeräte im Knochen einbauen und und und… Außerdem sollten wir nicht vergessen, die Überwachungsregierung will bestimmt demnächst jedem neugeborenen Baby einen RFID-Chip unter die Haut setzen. Auch hier sollte man mal über Infektionsrisiken reden, so simpel wie Politik und Wirtschaft sich das immer schönreden, scheint es nicht zu sein. Wird wohl noch dauern, bis wir alle Borg werden, aber der Weg scheint vorgezeichnet.

Jetzt kam der Beitrag von Frau Dr. Ketzer (schöner Name für dieses Thema) über die “Überwachungsgesellschaft” oder besser die “Angstgesellschaft”. Heute haben ja alle Angst und Medien und Politik schüren diese Angst, um noch mehr Überwachung und Sicherheit durchzudrücken. Das läuft vielschichtig und sogar Herr Tauss, der ja selbst Mitglied des Bundestags ist, bemerkte, daß als letzte funktionierende demokratische Instanz das Bundesverfassungsgericht übrig geblieben ist. Er muß es wissen, er arbeitet ja in einer demokratischen Instanz. Was er auch noch sagte war interessant: die Sicherheits-Fanatiker möchten sowas wie das “Grundrecht auf Sicherheit” einführen. Obwohl es das eigentlich gar nicht gibt. Tja. Bisher haben sie immer nur versucht, das Grundgesetz kleiner zu machen, aber wie kriegen sie eigentlich so einen neuen Artikel da rein? Wird wohl nicht ganz unbemerkt bleiben.

Danach hatte ich mir Standup-Comedian angetan, mit Fefe und Ilja. Die Aktion hieß “You can’t make this stuff up” und sollte ein generelles Bashing gegen diverse Firmen und Personen sein, die einfach totalen Unfug daherblubbern oder in ihrem Code Mist bauen usw. Es war lustig, wobei ich echte Probleme hatte, Ilja zu verstehen, aber Fefe machte seine Sache fast zu gut (Ilja kam kaum dran). Was ich bemängeln muß: Bashing gegen Firmen oder von mir aus auch CEOs von Firmen, ok. Aber Privatpersonen, die nicht ganz so große Machtfülle haben, das ist schon ein wenig unfair, finde ich. Mal abgesehen von den Personen, die dort genannt wurden, es wird so manch einer sagen: das haben die verdient. Mag alles sein, trotzdem irgendwie ein bißchen unpassend. Das kann man in Webforen machen, wo sich derjenige wehren kann, aber nicht auf so einer Veranstaltung. CEOs und Firmen haben meistens e
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die Medien hinter sich, da darf man raufknüppeln. So hatte das einen leicht schalen Beigeschmack, aber lustig war’s dennoch. :) Ich habe übrigens Fotos gemacht, aber da die beiden Akteuere rumzappelten und ich keinen Blitz nutzen wollte, sind sie alle verwackelt. Übrigens, auch wenn ich als Schleimer gelten werde: ist Fefe dünner geworden?

Nach einem kurzen Reinschnuppern bei Müller-Maguhns Illuminaten-Theorien (schade, durch die Überschneidung mit der Comedy habe ich eine sicherlich interessante Runde verpaßt, ich hoffe ja auf die Mitschnitte) versuchte ich mich am letzten Thema des Abends (jedenfalls für mich): “Biometrics in Science Fiction”
Das war sozusagen der zweite Teil, das gab’s wohl letztes Jahr schonmal. Vorgeführt wurde das Ganze von Constanze Kurz und Roland Kubica, wobei die Dame hier den Ton angab. Thema war also Biometrie im Filmgeschäft. Dabei waren natürlich viele der üblichen Verdächtigen: 2001, Terminator 3, Sixth Sense und viele andere SF-Stories. Schön war aber, daß z.B. ein Film, in dem geradezu verschwenderisch mit Biometrie umgegangen wurde, ausgerechnet Barbwire war. Das hatte ich nicht erwartet, es gab sogar mobile Scanner! Sehr ausgefuchst war auch die Biometrie bei Alien: ein Atem-Test. Wobei das Cheaten des Tests nachher mit Sprühflaschen ausgeführt wurde, wobei diverse Flaschen an einem Schlüsselring hingen. Die Frage stand im Raum: wie kommt man an sowas ran? Noch abgefahrener war die “Lippen-Überprüfung” bei Catwoman. Dann gab’s DNA-Scanning wie beim Terminator 3: mittels Zunge des Frauen-Termy. Einen echten DNA-Overkill bei Judge Dredd: Jedes Mal, wenn er seine Waffe berührt, wird die DNA überprüft, leicht angepaßt und sogar die Kugel wird mit seiner DNA markiert, damit klar ist, daß er Opfer XY erschossen hat. Heftig. Lustige Dinge wie Fingerabdrucks-Haut-Scanner oder wie bei Charlie’s Angels ganze Fabriken, um eine Hand nachzubilden, gab’s ebenso. Schon erstaunlich, was man so alles nicht mitbekommt, wenn man den Film ganz normal sieht. In solchen kurzen abgehackten Szenarios wird erst das ganze Ausmaß deutlich.

Grandios war eine Szene aus Stealth: Aus dem Stealth-Bomber heraus, also aus der Luft quasi, wurde auf eine Straße mit irgendeinem Trouble runtergezoomt. Die Aufnahmen wurden dann Retina-gescannt, Gesichts-gescannt und Fingerabdruck-gescannt! Das wird wohl alleine wegen optischer Probleme noch längere Zeit Zukunftsmusik bleiben. Am schönsten war aber eine Szene, die mehr so nebenbei hochkam. Beim Staatsfeind Nr. 1 gibt es eine Einstellung, wo die “Guten” den “Bösen Minister” durch einen ID-Scan im Computer ausfindig machen. Dabei steht dann auch das Geburtsdatum des Bösewichts: 9/11/40, also 11. September… Hui, das ist was für Verschörungstheoretiker!

Zum Schluß noch ein Bild einer Drohne Selbstbau-Flug-Drohne. Diese wiegt selbst ca. 800 Gramm, kann 200 Gramm zuladen, z.B. eine Kamera. Momentan liegt der Preis für sowas wohl bei 10000 Euro, dürfte aber deutlich runtergehen. Ich erwarte in den nächsten Jahren lustige Bilder von allen möglichen “Korrespondenten” dieser Welt. Da paßt zur Not auch ein Richtmikro drauf und die Rotoren kriegt man bestimmt auch leise genug. Ich wette, da wird jemand den Spieß umdrehen und mal der Politik mit Total-Überwachung drohen. Schließlich wollen wir doch alle sicher sein, was? :)

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