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Schlaflos

2006-12-16

Vorsicht, der folgende Bericht ist nichts für schwache Nerven, Leute unter 18 und Puritaner…

Ja, wo fange ich an zu erzählen? Vielleicht historisch? Ja, das ist eine gute Idee. Ich treibe mich nun schon seit gut 18 Jahren in dunklen Höhlen rum und so mancher Club macht dabei eine Mutation durch. Um einen von diesen Clubs geht es in meinem heutigen Beitrag.

Ganz früher gab es mal das Joy, das ist nun wirklich ewig her, über 10 Jahre bestimmt. Das Joy war nicht durchgängig gothic, an manchen Tagen gab es auch Otto-Normal-Disco, aber hin und wieder gab es dort nette Parties. Vor allem um Weihnachten rum gab es immer eine X-Mas-Special-Party. Irgendwann machten sie dicht, keine Ahnung wieso. Wahrscheinlich pleite oder so was. Nun kam eine türkische Discothek in die heiligen Hallen. Zuerst dachte ich: schade um die Weihnachts-Party, aber nein, die kam dann tatsächlich doch. Das war dann ganz bizarr, gruftige Leute aber türkische Bedienung und Türsteher. Die Jungs vom Laden hatten sichtliche Probleme mit ihrem etwas andersartigen Publikum, aber sie meisterten die Lage und hielten auch notorische Spinner draußen, weswegen es zu wenig bis gar keinen Pöbeleien im Inneren des Ladens kam.

Nun gab es aber trotzdem irgendwann Querelen, allerdings außerhalb dieses speziellen Datums. Irgendwer war vom Türsteher abgewiesen worden, worauf der dann meinte, testen zu müssen, ob sein Auto vielleicht in die Tür paßt. Daraufhin war der Laden wieder dicht für einige Zeit.

Nun machte vor einger Zeit ein Etablissement in den Gemäuern auf namens Insomnia, also Schlaflosigkeit. Dieser Laden hat zwar einerseits eine breite Palette von Veranstaltungen, andererseits sind sie alle irgendwie in der Fetisch-Ecke angesiedelt. Dieser Umstand (ich verkleide mich ungern und meistens gibt’s bei Fetisch-Parties einen Dresscode) und der oft damit verbundene hohe Preis hielten mich von einem Besuch der Einrichtung bisher ab. Noch dazu ist auch die Musik oft Tekkno-like, also total uninteressant, bei Tekkno schlafe ich immer ein.

Nun war ich aber selbst etwas schlaflos, da Freitag mein freier Tag gewesen war und ich gut ausgepennt hatte. Als Alternative bot sich sonst nur das BKA-Theater am Mehringdamm an, hier wäre sogar freier Eintritt gewesen. Da ich aber BKA immer äußerst lästig und langweilig finde, dachte ich mir, versuche ich’s also bei der Insomnia-Party. Diese war als Nightmare before Christmas Party angekündigt, aber ich hatte leider nur den Eintrag im Etoile gesehen. Dort stand:

22:00 Der Hellfire Club Berlin
Der Hellfire Club Berlin präsentiert Insomnia’s Nightmare before Christmas
Die etwas andere Party.
Am Freitag erwarten wir dunkle Seelen zu Tanz und frivoler Ausgelassenheit bei Wave, 80er, Gothic und Rock nach dem Motto: Alles außer Techno”
Eintritt nur für Erwachsene

Tja, dachte ich, das wird also wohl die übliche Weihnachts-Gothic-Party (kein Tekkno, kein Fetisch) sein und damit wohl im Normal-Bereich. Ich beschloß also, es zu wagen. Dort angekommen, wollte man 10 Euro von mir, was einerseits viel ist, andererseits kosten dortige Parties sonst das Doppelte. Meine Kleidung wurde kurz gemustert und ich wurde vom Türsteher auf die Garderobe aufmerksam gemacht, weil es oben heiß sei. Ich sagte nur: “Ich mag’s heiß.” Tz, ich bin schließlich durch die Wüste von Vegas gefahren, mit offenem Fenster und quasi Fön am Ohr… Also ging ich hoch. Dort hatte ich erstmal nur Augen für die Theke. Hinter der Theke standen 2 fast-gar-nicht-bekleidete Damen und bei einer von ihnen bestellte ich mein momentanes Lieblings-Getränk: Becks Green Lemon. Während ich auf das Bier wartete, bemerkte ich, daß der Etoile-Eintrag wohl etwas wahrheitsdehnend gewesen war. Diverse Damen mit fast-oben-ohne, diverse Herren ganz oben ohne, eine Fetisch-Party. Ich erkundigte mich bei der Bedienung nochmal, weil ich ja eine Grufti-Nacht erwartet hatte, aber sie meinte, das sei alles ok so. Gut, es waren ja auch Gothic People da, nur waren sie eben in der Minderheit. Gut ein Drittel waren Homo-, Bi- und Trans- oder eben Anders-sexuelle Personen (was auch immer, mir doch Wurst). Komischerweise liefen auf der Leinwand oberhalb der Tanzfläche nur Hetereo-F*ck-Filme, irgendwie unausgewogen. Will man Heteros wie mir Gayporn nicht zumuten? Ich meine, man kann ja schließlich wegsehen, oder nicht? Wie auch immer, die Musik stimmte größtenteils, zwischendurch gab es leider 2 Ausrutscher in Schlager-Müll, irgendwas, was fast an Wolfgang Petry erinnerte, *würg*. Da hätten sie eher aufpassen müssen, laßt keinen schwulen DJ ans Pult!

Die Einrichtung des Ladens war übrigens wundervoll, ein großer Festsaal, eine lange Bar mit einem riesigen Spiegel und Skeletten, eine obere Etage und unten diverse Liegen, alles in leicht rötlich gehalten. Keine Ahnung, wofür man Liegen braucht…

Glücklicherweise war der Schlager-Scheiß die schlimmste Phase des Abends und schnell vorüber. Es waren viele schräge Leute da. Ein Mann mit Vollbart im kleinen schwarzen Kleidchen. Ein anderer Mann, mit Tanga-Slip und Korsett, auf Hi-Heels, etwas korpulenter (*hüstel*). Ich will mich über unsere homo- oder wieauchimmer-sexuellen Mitbürger wirklich nur ungern lustig machen, aber das war wirklich zum Schreien, denn: Der Mann hatte echte Probleme beim Laufen, so schwierig waren für ihn die Hi-Heels (Zu groß? Zu klein?). Er hätte das wirklich vorher üben sollen. Vielleicht war es auch so gedacht und sollte so aussehen, da mußte ich mich jedenfalls zusammenreißen, ich bin da immer ein wenig fies drauf. Entsetzen kam in mir immer dann auf, wenn er zum Klo ging, da muß man nämlich ein paar Stufen runter. Ein Wunder, daß der sich an dem Abend nicht die Beine gebrochen hat, das tat schon beim Zusehen weh. Dann gab es noch den Standard-Transsexuellen oder vielleicht eher den Crossdresser, denn sein Prachtstück war nicht irgendwie nach hinten gebunden, sondern wurde mit Stolz rumgezeigt, (mit Hose drüber, nicht, daß hier jemand auf unzüchtige Gedanken kommt :) )). Aber alles entspannt, soweit. Zwischendurch wurden immer mal wieder ein paar Frauenhintern mit klatschenden Händen verbunden, das war komischerweise lauter als die Musik.

Zum Tanzen kann man noch erwähnen, daß einige der oben-ohne-Personen mit XY-Chromosomenmix anatomisch tanzten, denn sie tanzten so, daß man sowohl beim Rücken als auch bei der Frontseite die Bewegung von einzelnen Muskeln sehen konnte. Hatte was von Medizin-Kursen, habe ich so noch nie gesehen. Erstaunlich!
Eine weitere Tanzkuriosität war eine weibliche Person, die sich einen “Aufziehschlüssel” in Übergröße hinten an ihr Kleid geklebt hatte. Lustige Idee!

Dann kam die erste Art “Show”. Eine kleine Dame in einem superengansitzendem pinkfarbenen Latex/Spandex/Lycra-Anzug (sucht euch was aus). Das war das erste Mal, daß ich etwas erotisches in dem Laden sah. Sie war definitiv besser als der Film über der Tanzfläche oder die anderen halbnackten Damen. Manchmal ist es halt eher eine Augenweide, wenn noch Kleidung über dem Fleisch ist, ich sage nur: Cameltoe. :)

Bei ihr sah das ganz nett aus (Fotos ab 3 Megapixel bitte an meine Mail-Adresse! :) )) und sie machte mit einer Kollegin (ich nehme mal an, daß da viele Leute zum Personal gehörten, sicher bin ich mir da nicht) eine Lesbo-Show inmitten der anderen Tänzer. Ganz nett. Sp�
0E4;ter ka
m dann noch eine zweite Show mit einem Mädel, welches wiederum von Pinky (nennen wir sie mal so) mithilfe eines Messers ihrer Ganzkörperstrumpfhose entledigt und dann mit Wachs traktiert wurde. Das war eigentlich die zweit-schlimmste Phase des Abends. Denn ich kann Schmerzen eigentlich nicht leiden und leide bei sowas immer mit. Außer, wenn ich mir Boxen ansehe, aber die sehen meistens nicht so aus, als wenn sie Schmerzen haben. Hier gehörte das mit dem schmerzverzerrten Gesicht ja zur Show und da mußte ich durchaus woanders hinsehen, um meine Nerven zu beruhigen, das war unangenehm.

Als letztem Negativpunkt kann ich klar aufführen: Die Beleuchtung! Leute, wenn ihr eine Gothic Party macht, muß es dunkler sein! Zur Not muß man die Tanzfläche halt mit Spots beleuchten, wenn man Show haben will, aber dieses helle Rotlicht war dann doch etwas zu grell für meinen Geschmack.

Insgesamt also ein interessanter Abend, obwohl ich ja eigentlich zappelnde Leute tanzenderweise sehen wollte und nicht in anderen Positionen… Aber gut, ich will mich nicht beschweren. Irgendwie hatte das Ganze den ungezwungenen Touch des ersten KitKat-Clubs, dort saß damals immer eine Tussi auf einer Schaukel und hin und wieder nahm sie beim Schaukeln “Dinge in sich auf”. Hier gab’s zwar auch eine Schaukel, aber sie wurde zumindest an dem Abend nicht ganz so frivol genutzt. Ich muß aber sagen: wenn ich weggehe, dann will ich dunkle Melancholie oder heftigen Elektro-Trash mit Blitzen aus der Dunkelheit, ein Dark Flair. Sex mag als Show nett sein, aber als Haupt-Attraktion den ganzen Abend finde ich es eher etwas ermüdend, das stumpft irgendwie ratzfatz ab. Muß ich mir gut überlegen, ob ich nächstes Jahr da nochmal hingehe.
Die Parties zwischendrin sind ja sowieso nur für Paare (Cymone würde ich da im Leben nicht reinkriegen) oder aber mit heftigem Dresscode. Damit falle ich also von vornherein durch’s Raster, brauche ich also gar nicht drüber nachdenken. Aber vielleicht konnte ich mit diesem Bericht so manch anderen ermutigen, der schon immer seine seltsamsten Phantasien austoben wollte? Ich bin sicher, im Insomnia-Club wird man demjenigen fast nichts übel nehmen, ich wünsche viel Spaß!

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