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Der Tag fing für mich an mit der Darbietung “Inside VMWare” und wurde dargeboten von Michael Steil. Er fing natürlich mit der Historie an: wo kommt die Idee der Virtualisierung überhaupt her? Interessant fand ich dabei den Vergleich Scheduler <-> Hypervisor. Denn in typischen Betriebssystemen hat der Scheduler wirklich die Aufgabe eines Hypervisors: er teilt den Prozessen CPU-Zeit zu. Insofern wurde also schon mit dem Beginn der digitalen Rechentechnik virtualisiert, nur eben noch auf anderer Ebene. Später machte er dann die typischen Unterscheidungen in Hypervisor-Mode, Supervisor-Mode und User-Mode, wobei der Supervisor-Mode nicht wirklich nötig ist. Der Hypervisor hat das Kommando und sitzt hierarchisch sozusagen ganz oben, der Supervisor würde z.B. die Hardware verwalten und dafür Schnittstellen dem Guest-System im User-Mode zur Verfügung stellen. Aber theoretisch geht das auch alles im Hypervisor. Er stellte das Konzept der World-Switches vor, die ähnlich den Kontext-Switchen auf Prozeßebene ablaufen, nur eben, daß hier massiv mehr getan werden muß. Ganze Registersätze müssen ausgelagert werden, Wechsel zwsichen User- und Kernel-Modes finden statt usw., also sehr viel komplexer. Mit modernen CPUs bekommt man eine Ebene, die einem die Arbeit abnimmt. Intel hat dafür Vanderpool erfunden, welches nun VT heißt und AMD Pacifica, welches nun SVM heißt. Logisch: beide Systeme sind natürlich wieder inkompatibel zueinander…*seufz*
Das Interessante dabei ist, daß die Arbeit hier nicht wirklich weniger wird, sie wird nur in die Hadware verlagert. Denn ein Teil der Komplexität ist tatsächlich Recompiling in Echtzeit. Es gibt wohl bei x86-Prozessoren das Problem, daß bestimmter Kernel-Code sich im User-Mode nicht gut macht, weswegen man dann “x86-safe-Code” on the fly erzeugen muß (neben dem Auslagern der Register usw.). Seltsam ist nun, daß das auch in Hardware nicht zwingend schneller sein muß (aber wenigstens wohl auch nicht langsamer).

Dann kam er noch auf die interessanten Kleinigkeiten von VMWare zu sprechen. /usr/bin/vmware ist das Binary, das Closed Source ist, also packen sie hier so viel wie möglich rein, während das Kernel-Modul vmmon.o, welches eben für Handling von Kernel-Modi zuständig ist, Open Source (also GPL) ist und systematisch ausgedünnt wurde. Nicht gerade eine nette Strategie, muß ich sagen. Einen Seitenhieb auf XEN gab’s natürlich noch: Ohne VT/SVM kann man XEN wohl in die Tonne treten, während VMWare auch ohne flüssig läuft. Ich empfehle hierzu die Tests, die Fridtjof in seinem Blog aufführt.

Irgendwie war der letzte Tag von den Vorträgen her nicht mehr so ganz prickelnd. Ich wanderte herum und fand noch so den Rest der Veranstaltung “TV-B-Gone” von TV-B-Gone Mitch Altman. Er vertreibt kleine Geräte, mit denen man universell alle TV-Geräte in einem Raum ausschalten kann (über seine Webseite TV-B-Gone.com. Er meinte, wir alle würden zu viel Zeit vor der Flimmerkiste sitzen. Mag sein, aber ich gebe zu: ja, ich bin abhängig. Ich bekenne mich dazu, ich kann gut beim fernsehen entspannen. Es gab auch lustige Nachfragen aus dem Publikum: wird es ein Internet-B-Gone irgendwann geben? Er wich ein wenig aus. Aber interessant: er hat schon zig-Tausend davon verkauft (20$ plus 10$ Shipping nach Europa) und arbeitet gerade an Version 3. Negativ zu bewerten: die Datenbank dazu ist nicht OpenSource und das Ganze ist nicht updatebar, weil er keine teuren Flash-Chips reinpacken wollte. Nunja, wer’s braucht. Er erzählte allerdings lustige Anekdoten von Flughäfen, in denen überall TV-Geräte hängen und man sie mit einem Klick alle ausschalten kann. :)

Der Beitrag “Security Nightmares”, dargebracht von Ron und Frank war einerseits lustig, andererseits blieb einem so manches Mal das Lachen im Halse stecken. Schlecht ist natürlich der Verkauf von Exploits, das wird die Welt nicht sicherer machen. Teilweise werden die Dinger schon so benutzt wie Patente: man veröffentlicht eins und wenn dann die Anwälte der Firma auftauchen und einem die Hölle heiß machen wollen, sagt man ihnen einfach: Hey, ich habe noch 10 mehr, soll ich die auch veröffentlichen? Das Ganze nimmt also drastische Ausmaße an, vor allem in rechtlicher Hinsicht, da kann man schonmal vor gericht vor die Hunde gehen, wenn’s schief läuft, das Sicherheitsgeschäft wird also zu einem Minenfeld im Rechtssystem. Der CCC bietet deshalb eine Art “Safe Harbour” für Exploits an. Schlißelich macht die Veröffentlichung Sinn, nur dann werden die Mißstände auch von den jeweiligen Firmen beseitigt.
Bei Botnetzen wurde erähnt, daß man die auch mit Discount erwerben kann, X Euro für 10000 Hosts, Y Euro für 20000 Hosts usw. Finster: sie werden nicht entdeckt, weil die Nutzer dieser Netze nur Spam versenden möchten. Würden sie Schadroutinen verbreiten, würden sie ja auffliegen und man will ja schließlich Geld machen.
Dann gab es tatsächlich Konkurrenz zum FoeBUD, es gibt wohl mittlerweile RFID-Funk-geschützte Brieftaschen zu kaufen. Habe leider vergessen, wo. Stadtteil-Blinkenlights wurde ja immer noch vermißt, aber so wie’s aussieht, werden das wohl die Stromversorger gleich miterledigen mit ihren Stromausfall-Serien.
Die Käufer von Ford-, Fiat- und Peugeot-Autos sollten demnächst gut nachdenken, was sie da tun, da wandert Windows-Mobile rein. Damit auch die Bremse mal remote angesteuert werden kann, z.B. verzögert oder so. LKW-Tacho-Scheiben sind nun digital, mit Totalüberwachung des Fahrers, aber das mit der Totalüberwachung der staatlichen Seite ist so eine Sache. Denn der Bürger macht die Sache mittlerweile auch selbst, wie man auf YouTube (bäh: Flash-Dreck!) und Flickr gut sehen kann. Man wird also demnächst sowieso überwacht, egal ob von privater oder staatlicher Seite.
Da Handies mittlerweile einen Standard besitzen, nach dem sie Remote anschaltbar und abhörbar sind, ohne daß der Nutzer es merkt, wurde das OSS-Handy gefordert. Wäre ja eigentlich die richtige Methodik, um gegen sowas vorzugehen. Sehr schön war die Idee, Politiker mehr zu überwachen und zwar möglichst vollständig. Schließlich seien sie oft selbst potentielle Straftäter (Stichwort Schwarze Kassen) und gehörten damit zu einer kriminellen Randgruppe, die man überwachen muß. Damit in 5 Jahren der Mann nicht vor dem Untersuchungsausschuß steht und sagen kann: “Kann mich nicht erinnern.” Dann werden andere eben das Gedächtnis sein.

Nach diesem Event ging es schnurstracks weiter zum Fnord-Jahres-Rückblick mit Frank & Fefe. Dazu muß man nicht viel sagen, es war erschütternd. Sie haben den Überwachungswahn des letzten Jahres durch ein Spiel thematisiert und zwar ein 1984-like-game. Es gibt 2 Seiten: Oceania (Airstrip One), also UK und US und Eurasia, also Kontinentaleuropa. Ich habe die Highlights fotografiert:

Eigentlich war danach Warten angesagt auf die Endvorstellung, es gab keine für mich interessanten Vorträge mehr, also warteten Bonzo und ich in Saal 1 ab, damit wir den Sitzplatz nicht verlieren (wat sind wir faule Hunde). Dabei lief eine Veranstaltung, die ich mir wohl normalerweise nicht angetan hätte: Culture Jamming & Discordianism. Vorgestellt von Fox Magrathea und Autumn Tyr-Salvia. Es gibg darum, wie man Dinge als Protestform nutzt, die sich ins Hirn der Leute eingebrannt haben. Da waren schöne Beispiele, so z.B. das gelbe McDonald’s-Logo zusammen mit einem kleinen Klecks und dem String “I vomit it” darunter. Also im Grunde eine Art von Culture Hacking. Ganz lustig, wird aber wohl in den Medien selten große Beachtung finden. Trotzdem ein guter Ansatz.

Endlich kam die 23C3 ends Schlußveranstaltung, wie immer von Tim Pritlove geleitet. Hier gab es natürlich Zahlen: 1.7 GBit/s out und 1.0 GBit/s in. 2500 Users plus 1600 WLAN Users. 5 GBit/s-Core nach außen und innen 4 x 10 GBit/s. Es gab einen verängstigten ISP und einen verängstigten User. Also nix dolles dieses Jahr. Aber wenigstens konnte man nochmal einen Blick auf das Chip-Art-Logo des CCC werfen. Insgesamt war es diesmal ein weniger technischer, dafür mehr kultureller und politischer Congreß. Ein bißchen mehr Technik wäre schon schön gewesen, aber vielleicht habe ich auch nur zur falschen Zeit im falschen Saal gesessen? Ich werde mir jedenfalls noch ein paar Mitschnitte reinziehen, die sollen demnächst fertig codiert ins Netz gestellt werden. Ich kann das auch allen Leuten empfehlen, die den Congress verpaßt haben. Seht euch die Vorträge an!

Ansonten schließe ich dieses Jahr nun ab. Allen Lesern dieses Blogs einen guten Start ins neue Jahr und viel Erfolg, Glück, Liebe, was auch immer ihr euch wünscht, im Jahr 2007!

23C3: Dritter Tag

2006-12-30

(Vorsicht, das wird diesmal etwas länger!)

Heute fing der Tag etwas chaotischer an. Bei “Lighnting Talks” bekamen sie zuerst den Beamer nicht in den Griff. Es referierten also Leute ohne Präsentation am Anfang. Der Brasilianer Julio Cesar Fort berichtete über Wardialing, einer Kunst, die hierzulande schon fast als vergessen gilt. Aber das Ganze hatte auch einen Vorteil: ein LinuxTag-Mann erzälte, daß der nächste LinuxTag in Berlin stattfinden würde und zwar vom 30.5.-2.6.2007 im ICC. Das werde ich gleich mal in meiner Terminliste vormerken.

Es folgte ein Italiener namens Alessio L.R. Pennasilico, der über diverse Hacking-Gefahren und Cybercrime-Analyse berichtete. Er war schwer zu verstehen, weshalb im IRC-Chat, den Anselm zufällig offen hatte, gefordert wurde: “No more coffee for the Italian!” oder “He needs a different breathing technique”, denn in der Tat war er vor Aufregung fast am hyperventilieren. Der gleiche Mann mußte nach diesem Vortrag nochmal ran. Thema diesmal: VoIP Insecurity. Hier scheint es gravierende Mängel zu geben: IP-Phones nutzen DHCP, TFTP, senden alles im Klartext und benutzen kaum oder oftmals sogar gar keine Paßworte. Zum Hacken im SIP-Bereich gibt’s mittlerweile zig Tools was bedeutet, wir werden wohl auch bald Firewalls für Telefone haben. Oder? Vor allem: wird es uns etwas nützen?

Beim nächsten Beitrag ging es um Game-Face, einer Online-Spiele-Fachzeitschrift. Der Referator sprach auch darüber, wie Spiele für die Linux-Community geschrieben oder portiert werden, auf den Seiten scheint es viele Tips zu geben. Klar, die Spiele-Welt ist das einzige, was Windows der Linux-Welt noch voraus hat, aber ob Game-Face hier weiterhelfen kann, wird sich wohl erst in fernerer Zukunft zeigen.

Übrigens war zwischendurch Nils aufgetaucht, der aber eine andere Veranstaltung besuchen wollte. Ich erwähne das deshalb, weil einer seiner Freunde den nächsten Talk hielt. Es war Hendrik Scholz und er sprach über ein Tool namens SMAP, einem Mix aus NMAP und SIPSAK (welches übrigens von Nils stammt). Hiermit kann man SIP-Hosts scannen, also im Grunde jeden DSL-Router. Das deutet wiederum ebenfalls auf kommende VoIP-Probleme hin, ich hatte Alessios Talk oben über VoIP-Insecurities schon erwähnt…

Ab jetzt wurde es schräger. Ein Mann namens Thomas Waldmann behandelte den seltsamen Vortrag “What you have in common with a guinea pig”, also: “Was haben wir gemeinsam mit einem Meerschweinchen”
Das Ganze gab’s nur als Text-Datei, wobei mir die Präsentationsform ziemlich am A… vorbeigeht. Anselm fand es lustig, weil die “Präsentation” auf einem Apple (huh, Design, alta!) lief, aber egal, es war lesbar. Der Grundgedanke des Vortrags basierte darauf, daß die Empfehlungen der Gesundheitsorganisationen für die Einnahme von Vitamin C (zwischen 60 und 100 mg sind empfohlen) viel zu niedrig sind. Und, daß wir früher Vitamin C wohl mal selbst produzieren konnten, aber dieses Gen bei uns defekt sei (wie eben auch beim Meerschweinchen). Deshalb müßten wir mehr zu uns nehmen, so hat eine Ziege bei 35 kg Gewicht eine Tagesproduktion von 13 Gramm (also 13000 mg!). Auf den Menschen übertragen würde das bedeuten, bei 70 kg Gewicht müßten wir also täglich 26 Gramm Ascorbinsäure zu uns nehmen. Und wenn die Ziege krank ist, produziert sie noch mehr! Das wage ich gar nicht hochzurechnen! Ich bezweifle, daß uns das bekommen würde, mal abgesehen davon, daß wir das meiste davon sowieso wieder ausschwemmen würden. Ich denke mal, 2-3 Gramm (huh, sehe ich hier eine 23?) dürften ausreichen pro Tag. War jedenfalls ein lustiger Vortrag und Herr Waldmann verwies auch noch auf VitaminCFoundation.org. Bloßer Zufall, daß die das Zeug auch verkaufen…

Aber es kam noch besser. Ein Amerikaner namens Dan erzählte etwas über eine Datenbank namens 4D. Und er ließ kein gutes Haar an ihr. Oder eher: mit jedem Satz wurde seine Ansicht zu dieser Art Software schlimmer, sie funktioniert nicht, macht Fehler, speichert alles in proprietären Formaten, ist nicht debugbar und und und. Es war total irre! So ein Bashing hat die Welt noch nicht gesehen. Ich dachte mir die ganze Zeit: Und? Wo will er hin? Am Schluß gab es außer Beschimpfungen kein Ergebnis, also ging ich hin und fragte ihn, was das Ganze soll. Er wollte einfach mal Luft ablassen, weil seine Firma diesen Scheiß gekauft hatte und er sich mit dem Mist befassen mußte. Und da denke ich manchmal, wenn ich meine Zeiterfassung auf einem Windows-Terminal-Server machen muß, habe ich’s schwer. Tz.

Dann kam nochmal ein Typ, der Propaganda für den 100$-Laptop machte. Näheres dazu findet sich auch auf meinem gestrigen Blog-Eintrag. Jedenfalls hieß er SJ Klein und erzählte noch ein paar weitere Eckdaten, wie man den Kindern in der dritten Welt mit diesem Gerät helfen will. Eigentlich ein Klasse Projekt, ich habe nur die Befürchtung, daß die die Dinger als erstes verticken werden, für 100$ bekommt man in Entwicklungsländern viel zu beißen…

Damit war der heutige Lightning Talk beendet und ich widmete mich dem Thema “Subverting AJAX”. Denn schließlich mag ich Ajax, ich habe ja sogar im aktüllen Linux-Magazin über ein Tool namens AjaxTerm geschrieben. Ajax/XML/XSS-Attacks Stefano Di Paola und Giorgio Fedon zeigten Angriffe auf XSS, aber auch Angriffe auf andere Teile des Webs. Da wurde einem richtig mulmig, wie Scheiße diese Applikationen alle geschrieben sind. Arobat Reader, Macromedia Flash und sogar Java schnitten wirklich nicht gut ab, es ging also weit über den Ajax-Teil hinaus. Außerdem konnte man nicht nur den Internet-Explorer überlisten, auch der Firefox macht vom User unbemerkt Verbindungen auf, wenn der Angreifer das will. Größtenteils waren es aber Attacken auf die Client-Welt, es wurde meistens XMLHttpRequest genutzt. Ok, man klinkt sich auch in den Server-Betrieb mit ein, aber das dürfte schwieriger sein. Ich denke, für den Client wird die Sache schlimmer, vor allem, weil man über verrückte URLs die Browser überlisten kann… Es war also mehr ein Global-Angriff gegen das Web 2.0, Ajax und JavaScript spielten dabei mehr eine Nebenrolle, aber heftig war es trotzdem. Ich denke, i
ch
werde aber trotzdem meine Pro-Einstellung zu Ajax nicht aufgeben, schließlich gab es keine echten Proof-of-Concepts und PHP ist immer noch deutlich schlimmer.

Ich begab mich nun in Saal 4, wo Harald Welte einen freien RFID-Scanner vorführte. Er machte am Schluß dann den kleinen Fehler, das Ding in Aktion zu zeigen, wobei er Karten mit RFID-Chips davorhielt. Prompt kamen alle möglichen Leute auf die Idee, ihm Karten mit solchen Chips hinzuhalten. Ob nach dem Kuddelmuddel jeder noch genau seine Karte zurückbekam, weiß ich nicht. :)

Weiter ging’s im Saal 2. Die österreichischen Jungs von Quintessenz, die schon letztes Jahr durch das Hacken einer Überwachungskamera hervorstachen, versuchten diesmal, die Überwachung mehr aus sozologischem Blickwinkel zu sehen. Sie verwiesen auf die Probleme der Ausuferung, die dazu führt, daß die Unschuldsvermutung umgekehrt wird. Man muß mittlerweile beweisen, daß man unschuldig ist. Auch die Sprache würde sich in der Gesellschaft anpassen, man redet nicht mehr von “Überwachungskamera” sondern von “Sicherheitskamera”. Der Überwachungsdruck führt natürlich auch zu Verhaltensänderungen. Menschen, die sich beobachtet fühlen, reagieren nunmal anders als normalerweise und fühlen sich unwohl. Um das zu beweisen, hatten sie ein Experiment gemacht. Denn die meisten Leute antworten auf Überwachung mit den Worten: “Ich habe nix zu verbergen.”

Dazu muß man erstmal sagen, daß in Wien Zeitungen in Taschen rumliegen, an denen eine Dose zum Geldeinwurf hängt. Die Dose ist meistens wenig bis gar nicht gefüllt, im Schnitt zahlen 10% der Leute ihre Zeitung. Es geht hier also um Diebstahl. Man hatte übrigens auch Versuche mit Kisten wie in England und USA gemacht. Entweder wurde gar nicht gekauft oder für den nächsten wurde einfach eine Zeitung in die Tür gesteckt, daß sie nicht mehr zufällt. Sind Österreicher also ein Volk der Gangster? Als Test hängten die Quintessenzer also eine Tasche mit Zeitungen auf und hängten Warnungen dran: Achtung, Kameraüberwacht. Inklusive dem passenden Strafrechtsparagrafen und der Belehrung, daß auf Diebstahl 6 Monate Haft angesetzt sind. Die Ergebnisse waren mehr als lustig. Da der Preis bei 90 Cent lag und man also mehr als ein Geldstück reinwerfen müßte, warfen die “ehrlicheren Kunden” nur ein Geldstück rein. Dann gab es ein paar, die nach der Kamera suchten und unschlüssig weggingen. Und dann gab es welche, die schnell im Vorbeihuschen eine klauten. Übrigens kann man das Unrechtsbewußtsein nachweisen, denn bei viel Publikumsverkehr waren oft noch Zeitungen in den Taschen, während die in dunklen Ecken leer waren. Gelegenheit macht Diebe. Nun wurde eingewandt: ist doch gut, wenn keiner mehr klaut. Andererseits hat es die Zeitungen bisher nicht umgebracht, sie leben wohl trotzdem recht gut, theoretisch könnten die ihre Blätter also auch umsonst verteilen. Und: die, die sagen “ist doch gut, wenn keiner klaut”, würden sich vielleicht an totaler Verkehrsüberwachung stören, wenn alle 5 Minuten ein Ticket einflattert. Oder anders ausgedrückt: jeder hat irgendwelche Leichen im Keller. Folglich ist also der Sicherheitswahn der Behörden Overkill.

Die Wiener Verkehrsbetriebe rüsten nun auf Druck der öffentlichen Meinung ihre Bahnen mit Kameras aus. Interessanterweise werden auch hier wohl Handtaschendiebe wohl kaum zur Rechenschaft gezogen, weil der Aufwand groß wäre, deswegen bauen sie die nur ein wegen Vandalismus. Der liegt aber in Wien bei 200000 Euro, also nichtmal im Promille-Bereich der jährlichen Betriebskosten, wogegen die Kamera-Ausrüstung und Wartung wohl ein paar Millionen kosten wird. Also: die brauchen die Überwachung gar nicht, aber der Bürger will es so. Letztlich geht es also um ein subjektives Sicherheitsgefühl. Daß mehr Leute im Verkehr als durch Terror umkommen, interessiert den Bürger nicht. Die unbekannte Gefahr scheint schlimmer als die bekannte zu sein. Komischerweise wird bei der bekannten Gefahr keine 100%-Prävention gefordert, bei der unbekannten dagegen schon. Diese subjektiv tief sitzende und unbegründete Angst (sowohl in Deutschland als auch in Österreich geht die Verbrechensrate runter) kann man tatsächlich durch mehr Licht, mehr Sichtebenen in Parks und gepflegtere Stadtbereiche verbessern. Der Witz bei Überwachung scheint zu sein: Sind wir in der Gruppe, fühlen wir uns sicher, die Kamera gibt das Gefühl der Gruppe wieder. Habe ich mehr Licht und Sichtebenen, so daß mich mehr Leute sehen können, ist ebenfalls das Gruppengefühl wieder da: das subjektive Sicherheitsgefühl verbessert sich. Wir sind schon eine komische Spezies. Übrigens: am besten ausgerüstet mit Überwachungskameras sind Banken. In Österreich ist das der einzige Kriminalitätsbereich, der um 25% gestiegen ist…

Zwischendurch tauchte Tube auf, den hatte ich die letzten zwei Tage auf dem Congress schon vermißt. Aber irgendwie wollte er noch einen anderen Vortrag sehen, also verlor ich ihn wieder aus den Augen.

Beim nächsten Beitrag habe ich schon ein wenig mit mir gerungen, ob ich das hier wirklich erwähnen soll. Schließlich versuche ich schon, hier einigermaßen clean zu bleiben aufgrund des netten Domain-Namens. Aber: wenn ich schon berichte, dann richtig! Es ging also diesmal um Pornografie und Technologie Pornografie und Technologie. Referentin war eine Dame namens Tina Lorenz. Sie fing geschichtlich an, wann fing das alles an (Gutenberg ist schuld) und wie entwickelte sich Pornografie über die Jahrhunderte, ein wirklich sehr altes Thema. Sie sprach natürlich nicht nur die alte Technologie wie den Buchdruck an, sondern auch die Fotografie, dan die Stereo-Fotografie, dann das Kinematoscope, wo man Geld einwirft und einen 5-Minütigen Film durch ein Guckloch sieht. Und schließlich den Film, sowohl den mit den laufenden Bildern als auch den Negativ-Film, der einfach zu reproduzieren war. Schließlich kam dann das Video-Zeug für zu Hause und so wi’s aussieht, gewann VHS gegen Betamax, weil einfach längere Filme draufpaßten. Es ging also nicht nur um Sex-Filmchen, um dem Mythos “Betamax hat gegen VHS wegen Sex verloren” ein wenig den Wind zu nehmen. Heute sind laut Heise 60% aller Dateien in P2P-Netzen mit pornografischem Inhalt, wobei Google bei Webseiten darauf besteht, maximal 1% der Webseiten seien mit sexuellem Inhalt gefüllt. Sie widmete sich auch der Frage der Definition von Pornografie. Ich gleube nicht, daß das lösbar ist, schließlich ändert sich ständig die öffentliche Moral, da kann man eigentlich keine klare Antwort geben. Schön fand ich aber den Satz: “If I like it, it’s erotic, if you like it, it’s porn.” Oder ihr Aufkleber auf ihrem Laptop: “It’s just Porn, Mum.” Danach gab es dann den Ausflug in die Zukunft. Teledildoing und Interactive Porn scheinen im Kommen zu sein, sie zeigte ein Beispiel für einen “Wiibrator” und die anschließende Diskussion war sehr lebhaft. Auch wenn Frau Lorenz meinte, jeder könne heutzutage seinen Fetisch ausleben, so war der Einwand “Children?” durchaus gerechtfertigt. Also: es gibt durchaus Limits und dazu gehöre

n wohl nicht nur Kinder, sondern alle Formen von “Partner will das oder das nicht”. Das war dann schon ein wenig kurz gekommen, schließlich bedeutet Freiheit auch immer die Freiheit der anderen, Zwang jeder Art sollte grundsätzlich als verwerflich gelten. Einigkeit herrschte wohl in der Frage, daß unsere Bandbreiten wohl nie so kraß gewachsen wären, ohne den immensen Porno-Konsum der Nutzer des Netzes. Schräges Thema für so einen Kongreß.

Am Schluß ging ich dann in Saal 1, zum Hacker Jeopardy Hacker Jeopardy (hier: Ende von Runde 1). Ein echtes Highlight in jedem Jahr. Man bekommt Antworten vorgegeben und muß die passende Frage dazu finden. Durchaus witzig. Es gibt 3 normale Runden mit Freiwilligen und der Gewinner jeder Runde muß dann nochmal in eine 4. Runde, das Finale. Dort kommt dann auch der Champion des letzten Jahres dazu, um seinen Titel zu verteidigen. Mittendrin wird man immer wieder durch Hacker Jeopardy Begriffe wie diesen verwirrt. Oder diesem.

Ach ja, bei diesem Event traf ich dann noch auf Bonzo, der immer noch eine steinalte Webseite hat und mal dringend was daran machen sollte (hint, hint!)…:)

Aber weiter im Text…

Obwohl es diesmal eine Kategorie namens TFDK (Things Fefe doesn’t know) gab, damit der ständige Dauersieger Fefe nicht schon wieder gewinnt, hat er dennoch gewonnen.

Übrigens heißt HwTlA “Hardware with three letter acronyms”. Fragt nicht. Die schrägsten Fragen, die ich auf Foto bannen konnte, habe ich mal hier aufgelistet:

Der Spaßfaktor war jedenfalls groß und man kann den Machern dieser Veranstaltung nicht genug danken. Vielleicht durch Ersteigerung CCC-Kabelsalat-Logo als Chip-Kunst dieses formschönen Kunstwerks?

Für heute bin ich jedenfalls fertig. Fix und fertig…

Nachtrag:

Im Delirium habe ich CTF (Cpture the Flag) fast vergessen. Es gab am Schluß jedenfalls noch dieses Hacker-Game in Saal 3. Ich hatte mal gefragt, wie es denn abläuft. Also: jeder bekommt eine CD mit einem Betriebssystem-Image und muß bestimmte darauf vordefinierte Dienste am Laufen halten. Während die andere Seite versucht, sie runterzureißen. Wer am längsten durchhält hat gewonnen und das Ganze natürlich auch noch in Teamarbeit. Lustige Idee. Aber leider für Zuschauer ohne Spaßfaktor. Man muß schon selber mitmachen, sonst bringt das nix.

23C3: Zweiter Tag

2006-12-29

Der Tag begann zwar spät für mich, aber angenehm: Lightning Talks. Das ist eine Form, in der jeder Redner 5 Minuten Zeit hat, seine Dinge vorzutragen. Da ist interessantes bei aber auch uninteressantes. Ich selbst treffe hier eine sehr subjektive Auswahl, also nur Dinge, die ich persönlich interessant fand.

Zuerst war da der Mensch von Neo-Layout.org, der die ewige Diskussion um unsere QWERTZ-Tastatur mal wieder auffrischte. Ganz amüsant, man hatte mal wieder ein neues Tastatur-Design Tastatur-Design erfunden, aber ich bezweifle, daß sich dieses durchsetzen wird. Egal, wenigstens war das kein ganz so politisches Thema wie gestern, als das Thema Wahlcomputer alles überdeckte. Wobei Rop bisher deutlich als Enterteiner hervorstach, wenn ihr den Stream in die Finger bekommt: unbedingt ansehen! Und als weiterer Nachtrag: Die “Use more Bandwidth”-Schilder scheinen diesmal sauer aufzustoßen, weil dauernd das überlastete Netz zusammenbricht. Aber weiter im Text…

Nun kam der Auftritt von Bert Freudenberg. Er macht mit beim 100$-Laptop-Projekt, das eigentlich 100¤-Laptop-Projekt heißen müßte, da das Gerät etwas teurer geworden ist als erhofft. Er hatte einen Prototyp mit, der 100$-Laptop so aussieht. Er ist sehr klein, bootet ein 100$-Laptop Fedora Linux, hat eine Auflösung von 1200×900 Pixeln, ein drehbares Display und 256 MB RAM. Als Platte dient ein 512MB-Flash-Chip, der das komprimierte JFFS-File-System beinhaltet und zur Hälfte gefüllt ist. Zusätzlich hat das Gerät 3 USB-Ports und einen SD-Port.

Und natürlich: Video-Kamera eine eingebaute Video-Kamera, (der untere Punkt von den beiden dunklen Stellen über dem rechten Lautsprecher) d.h. Multimedia-Möglichkeiten trotz recht schwacher CPU (voll Intel-kompatibel!) sind ebenfalls mit drin.

Danach kam dann Peter Stuge, um das Linux-BIOS-Projekt vorzustellen. Ein Hammer! Die sind mittlerweile bei Version 3 angelangt, können sogar Windows 2000 booten und der schnellste Boot-Zyklus vom Einschalten bis zum Login-Screen lag bei 3 Sekunden! Übrigens verwendet obiges Laptop ebenfalls das Linux-BIOS. Das Laptop bootet deutlich langsamer, weil die CPU eben recht lahm ist. Mr. Stuge hatte auch eine Demo laufen lassen, die knapp 10 Sekunden zum Booten benötigte. Interessant fand ich auch, daß die Idee aus dem Los Alamos National Laboratory stammt, also quasi eine echte Bombe. :)
Zu erwähnen wären noch diese Features: das BIOS bringt einen eigenen SSH-Daemon mit, kann vom Userspace aus konfiguriert werden und ist natürlich prädestiniert für Virtualisierung. Mir fällt dabei auf, daß man angesichts dieser Features auch Hackern ein wenig die Tore öffnet…

Schließlich traf ich noch Anselm und nachdem die Gruppe Hacktivismo ihren Vortrag (eigentlich war es mehr ein Betteln um Mitglieder) beendet hatte, schmiß diese Gruppe Gummi-Sweets in die Menge. Das wurde leicht chaotisch, weswegen ich dachte: Na, da wird wohl die nächste Zeit so weitergehen, ca. 30 Minuten oder so… Denn das Publikum schmiß nicht benöigte Tüten weiterhin durch die Gegend. Ebbte dann aber doch noch ab, so daß ein Herr Kai Kunze über Wearables berichten konnte. Endlich! Ein Linux-PC in einer Gürtelschnalle, was will man mehr? Also schon sehr schöne Ideen, die Uni-Passau scheint hier eine Menge zu sponsorn, Hut ab!

Dann hatte ich kurz bei “Body Hacking” reingesehen. Eine Dame namens Quinn Norton referierte darüber, daß sie sich Magneten in die Fingerkuppen hat einbauen lassen. Kids, don’t try this at home! Hier kann es nämlich zu Komplikationen kommen, wenn die schützende Gold-Hülle leckt und die Infektion den Finger leicht schwärzt. Auch nach einer Not-OP einer solchen Geschichte kann es zu sensorischen Problemen kommen. Und das alles nur, weil man Borg-Like werden will, für ein paar Kunststückchen? Nunja, der Mode-Gag ist natürlich auch dabei, aber natürlich gibt’s Anwendungen für “Body Enhancements”: Betrieb von Mini-Motoren (z.B. durch die Magneten), Glukose-Meßgeräte, Hörgeräte im Knochen einbauen und und und… Außerdem sollten wir nicht vergessen, die Überwachungsregierung will bestimmt demnächst jedem neugeborenen Baby einen RFID-Chip unter die Haut setzen. Auch hier sollte man mal über Infektionsrisiken reden, so simpel wie Politik und Wirtschaft sich das immer schönreden, scheint es nicht zu sein. Wird wohl noch dauern, bis wir alle Borg werden, aber der Weg scheint vorgezeichnet.

Jetzt kam der Beitrag von Frau Dr. Ketzer (schöner Name für dieses Thema) über die “Überwachungsgesellschaft” oder besser die “Angstgesellschaft”. Heute haben ja alle Angst und Medien und Politik schüren diese Angst, um noch mehr Überwachung und Sicherheit durchzudrücken. Das läuft vielschichtig und sogar Herr Tauss, der ja selbst Mitglied des Bundestags ist, bemerkte, daß als letzte funktionierende demokratische Instanz das Bundesverfassungsgericht übrig geblieben ist. Er muß es wissen, er arbeitet ja in einer demokratischen Instanz. Was er auch noch sagte war interessant: die Sicherheits-Fanatiker möchten sowas wie das “Grundrecht auf Sicherheit” einführen. Obwohl es das eigentlich gar nicht gibt. Tja. Bisher haben sie immer nur versucht, das Grundgesetz kleiner zu machen, aber wie kriegen sie eigentlich so einen neuen Artikel da rein? Wird wohl nicht ganz unbemerkt bleiben.

Danach hatte ich mir Standup-Comedian angetan, mit Fefe und Ilja. Die Aktion hieß “You can’t make this stuff up” und sollte ein generelles Bashing gegen diverse Firmen und Personen sein, die einfach totalen Unfug daherblubbern oder in ihrem Code Mist bauen usw. Es war lustig, wobei ich echte Probleme hatte, Ilja zu verstehen, aber Fefe machte seine Sache fast zu gut (Ilja kam kaum dran). Was ich bemängeln muß: Bashing gegen Firmen oder von mir aus auch CEOs von Firmen, ok. Aber Privatpersonen, die nicht ganz so große Machtfülle haben, das ist schon ein wenig unfair, finde ich. Mal abgesehen von den Personen, die dort genannt wurden, es wird so manch einer sagen: das haben die verdient. Mag alles sein, trotzdem irgendwie ein bißchen unpassend. Das kann man in Webforen machen, wo sich derjenige wehren kann, aber nicht auf so einer Veranstaltung. CEOs und Firmen haben meistens e
h
die Medien hinter sich, da darf man raufknüppeln. So hatte das einen leicht schalen Beigeschmack, aber lustig war’s dennoch. :) Ich habe übrigens Fotos gemacht, aber da die beiden Akteuere rumzappelten und ich keinen Blitz nutzen wollte, sind sie alle verwackelt. Übrigens, auch wenn ich als Schleimer gelten werde: ist Fefe dünner geworden?

Nach einem kurzen Reinschnuppern bei Müller-Maguhns Illuminaten-Theorien (schade, durch die Überschneidung mit der Comedy habe ich eine sicherlich interessante Runde verpaßt, ich hoffe ja auf die Mitschnitte) versuchte ich mich am letzten Thema des Abends (jedenfalls für mich): “Biometrics in Science Fiction”
Das war sozusagen der zweite Teil, das gab’s wohl letztes Jahr schonmal. Vorgeführt wurde das Ganze von Constanze Kurz und Roland Kubica, wobei die Dame hier den Ton angab. Thema war also Biometrie im Filmgeschäft. Dabei waren natürlich viele der üblichen Verdächtigen: 2001, Terminator 3, Sixth Sense und viele andere SF-Stories. Schön war aber, daß z.B. ein Film, in dem geradezu verschwenderisch mit Biometrie umgegangen wurde, ausgerechnet Barbwire war. Das hatte ich nicht erwartet, es gab sogar mobile Scanner! Sehr ausgefuchst war auch die Biometrie bei Alien: ein Atem-Test. Wobei das Cheaten des Tests nachher mit Sprühflaschen ausgeführt wurde, wobei diverse Flaschen an einem Schlüsselring hingen. Die Frage stand im Raum: wie kommt man an sowas ran? Noch abgefahrener war die “Lippen-Überprüfung” bei Catwoman. Dann gab’s DNA-Scanning wie beim Terminator 3: mittels Zunge des Frauen-Termy. Einen echten DNA-Overkill bei Judge Dredd: Jedes Mal, wenn er seine Waffe berührt, wird die DNA überprüft, leicht angepaßt und sogar die Kugel wird mit seiner DNA markiert, damit klar ist, daß er Opfer XY erschossen hat. Heftig. Lustige Dinge wie Fingerabdrucks-Haut-Scanner oder wie bei Charlie’s Angels ganze Fabriken, um eine Hand nachzubilden, gab’s ebenso. Schon erstaunlich, was man so alles nicht mitbekommt, wenn man den Film ganz normal sieht. In solchen kurzen abgehackten Szenarios wird erst das ganze Ausmaß deutlich.

Grandios war eine Szene aus Stealth: Aus dem Stealth-Bomber heraus, also aus der Luft quasi, wurde auf eine Straße mit irgendeinem Trouble runtergezoomt. Die Aufnahmen wurden dann Retina-gescannt, Gesichts-gescannt und Fingerabdruck-gescannt! Das wird wohl alleine wegen optischer Probleme noch längere Zeit Zukunftsmusik bleiben. Am schönsten war aber eine Szene, die mehr so nebenbei hochkam. Beim Staatsfeind Nr. 1 gibt es eine Einstellung, wo die “Guten” den “Bösen Minister” durch einen ID-Scan im Computer ausfindig machen. Dabei steht dann auch das Geburtsdatum des Bösewichts: 9/11/40, also 11. September… Hui, das ist was für Verschörungstheoretiker!

Zum Schluß noch ein Bild einer Drohne Selbstbau-Flug-Drohne. Diese wiegt selbst ca. 800 Gramm, kann 200 Gramm zuladen, z.B. eine Kamera. Momentan liegt der Preis für sowas wohl bei 10000 Euro, dürfte aber deutlich runtergehen. Ich erwarte in den nächsten Jahren lustige Bilder von allen möglichen “Korrespondenten” dieser Welt. Da paßt zur Not auch ein Richtmikro drauf und die Rotoren kriegt man bestimmt auch leise genug. Ich wette, da wird jemand den Spieß umdrehen und mal der Politik mit Total-Überwachung drohen. Schließlich wollen wir doch alle sicher sein, was? :)

23C3: Erster Tag

2006-12-28

Nun läuft er also, der 23. Chaos Communication Congress. Das Chaos des Anstehens hatte ich einen Abend vorher schon versucht zu vermeiden, es war mir um 20 Uhr aber nicht vergönnt gewesen (ewige Schlange!), weswegen ich um 1:30 Uhr nochmal dort beim BCC auftauchte. Nach der Arbeit kam ich nun so gegen 18:30 an und die Schlange war immer noch nicht ganz abgeebbt. Wo bleiben eigentlich die ganzen Leute? Es ist zwar voll, aber nicht unbedingt gequetscht…

Nach der Genehmigung eines Kaffees besuchte ich die Veranstaltung eines Herrn Ulrich Wiesner, der über Wahlmaschinen und die rechtlichen Fragen drumrum erzählte. Eigentlich hätte ich mir gerne “The gift of sharing” von Gregers Petersen angehört, aber das war irgendwie Banane, zu öde. Nun also Wahlmaschinen. Herr Wiesner machte deutlich, daß unser Wahlrecht von der Verfassung und diversen unterstützenden Gesetzen geschützt sei und die Administration, also die Regierung, deutlich unterhalb dieser Ebene anzusiedeln ist. Das bedeutet, daß die Einführung von Wahlcomputern wohl illegal sein könnte, da sie den ehernen Prinzipien von freien Wahlen widersprechen: Geheimhaltung, Transparenz und Überprüfung der Wahl. Interessant war, daß eine Wahlbeschwerde gegen Wahlcomputer, die im September 2005 eingereicht worden war, im Mai 2006 (!) vom Innenminister abgelehnt worden war und dann im Dezember 2006 schließlich auch vom Bundestag. Beachtlich dabei ist natürlich nicht die Ablehnung an sich, die war vorherzusehen. Denn die sprechen sich ja nicht für ihre eigenen Taten schuldig. Heftig ist nur die Verzögerung: Einspruch gegen Ende des Jahres 2005, Bundestags-Entscheid mehr als ein Jahr später. Nehmen wir nur mal an, der Bundestag hätte anders entschieden, dann wäre die Regierung illegal gewesen und mit ihr alle in diesem Zeitraum beschlossenen Gesetze? Oder wie? Herr Wiesner will jetzt jeden Fall eine Verfassungsbeschwerde angehen und benötigt dafür noch 100 Unterschriften (siehe URL oben). Übrigens: auch der “Digital Pen” aus Hamburg entspricht nicht den Kriterien einer freien, geheimen und validierbaren Wahl. Was man gar nicht oft genug erwähnen kann: das Thema Wahlcomputer ist kein IT-Thema! Das geht uns alle an! Wahlcomputer, wie sie bisher eingesetzt wurden, bedeuten das Ende der Demokratie! Das sollte uns allen klar sein!

Im Anschluß an dieses Thema kam dann die holländische Sicht auf Wahlcomputer. Rop Gonggrijp, einer der Mitgründer von XS4ALL, zeigte, was man in Holland gegen Wahlcomputer unternimmt. Man hat dort eine Initiative gegründet namens Wij vertrouwen stempcomputers niet (Wir vertrauen Wahlcomputern nicht). Rop erwähnte am Anfang noch andere Initiativen, so z.B. Blackboxvoting und fing dann mit einem wahren Gag-Feuerwerk an. Irland hatte z.B. für 50 Millionen Euro Nedap-Wahlcomputer aus Holland gekauft… um sie dann nicht zu benutzen! Des weiteren führte er aus, daß Holland DAS Land schlechthin für Wahlcomputer sei, denn bis auf Amsterdam und einige kleinere Städte hatte man schon seit 1990 mit Wahlcomputern gewählt. Nach dem ganzen Trouble in den USA wurde es aber einigen zu mulmig. Nur weil in Amiland bei Wahlen von vorn bis hinten betrogen wurde, wollte man diese Zustände nicht einfach so im eigenen Land hinnehmen.

Also machten sie sich an die Arbeit. Sie forschten mittels Informationsfreiheitsgesetz bei den Regierungsstellen nach und kamen zu dem seltsamen Ergebnis, daß eine Wahlcomputer-Wahl in Amsterdam eine Million Euro teurer war als eine Papier-Wahl. Außerdem schien der ganze Wahl-Prozeß komplett outgesourced zu sein. Die Wahlcomputer-Firma verkaufte die Computer mittlerweile gar nicht mehr, sondern lieh sie nur aus und ließ sich den Service bezahlen. Noch finsterer: die Regierungsoffiziellen mußten sich die Wahl mittels Citrix-Clients auf den Servern der Firma ansehen, anonsten hatten die Regierungsleute mit der Wahl praktisch gar nichts mehr zu tun! Es kam, wie es kommen mußte: Rop & Co. besorgten sich so eine Maschine und hackten sie. Nicht nur, daß sie im Handumdrehen Eproms entwickelten, die bei Tests das richtige Ergebnis zurücklieferten (maximal 50 Stimmen), aber bei der richtigen Wahl dann das Ergebnis in Richtung einer Partei schummelten, nein: weil der Entwickler der Computer immer noch behauptete, das sei kein Computer, sondern eine Maschine, schließlich könne man darauf kein Schach spielen, brachten sie genau das dem Gerät bei. Der Wahlcomputer spielte also Schach. Dann gab es einen TV-Bericht, wo die Initiative zeigte, daß man einfach an die Wahlcomputer rankam, die standen in einem relativ unbewachten Lagerhaus und die freundliche Dame rückte auch glatt welche raus, schließlich war ja das Fernsehen dabei. Dabei wurde auch erwähnt, daß Sicherheit nicht nötig sei, da das Lagerhaus in einer Drug-Dealer-Gegend sei und sich eh keiner nachts dorthintraut… Das Ganze wurde immer verrückter und explodierte in den Medien geradezu. Zuerst war die Politik geschockt, nicht etwa, daß Wahlcomputer die Demokratie zerstören könnten, sondern weil die Initiative von Rop & Co. an die Geräte gekommen waren! Dann versuchten sie, die Initiative zu loben, damit diese sich für die Wahlgeräte einsetzen würde. Schließlich kippte das Ganze dermaßen, daß Dutzende Spinner im Fahrwasser der Initiative mitschwammen (Die Wahlcomputer seien von Aliens ferngesteuert wie auch die Regierung) und es eine herbe Regierungskrise gab, man wollte glatt die nächsten Wahlen verschieben. Schließlich ging man zurück zu Stift und Papier. Nun haben wir das Problem an der Backe. Eine der Nedap-Maschinen konnte vom holländischen Geheimdienst durch Wände beobachtet werden und verlor auch noch ihre Wahl-Klassifizierung. Deshalb kann Nedap praktisch in Holland diese Geräte nicht mehr verkaufen. Und jetzt kriegen wir den Dreck an die Backe. Wobei man diesen Leuten wahrscheinlich nocht nichtmal Schlimmes vorwerfen kann. Ich muß sagen, daß Rop trotz der Widrigkeiten immer auch ein Ohr für die andere Seite hatte, also durchaus ausgewogen war, die ganze Nummer. Nun liegt es an uns, dem Sieg der Holländer gegen Wahlmaschinen nachzueifern. Das drängt, denn nun kommen US-Firmen wie Diebold auf den deutschen Wahlcomputer-Markt und wie diese Hersteller total verkacken, sieht man quasi bei jeder US-Wahl. Mal sehen, was da noch alles kommen wird…

Zwischendurch war ich immer mal wieder gucken, was es so alles gab, so z.B. eine Multi Touch Console Multi-Touch-Console, mit der man diverse Punkte auf einem Display gleichzeitig ansteuern kann. So könnte man z.B. große Studio-Mixer emulieren. Die Technik schien einfach zu sein: unten ein Beamer und eine Infrarot-Kamera als Abtaster, coole Wurst.

Dann tauchten natürlich, wie letztes Jahr wieder die üblichen Use More Bandwidth “Use More Bandwidth”-Schilder auf. Ich habe mich extra bemüht, ein künstlerisch aufgeklebtes Teil zu finden.

Als l

etzten Beitrag hörte ich mir “Digitale Bildforensik” von Matthias Kirchner an. Obwohl der Beitrag manchmal etwas dröge in die Mathematik abrutschte, war er doch recht lehrreich. Ich wußte z.B. nicht, daß man schon um 1900 rum mit Bildmanipulation rumgespielt hatte. Heute ist das natürlich pipieinfach dagegen. Das Fälschen an sich ist mittlerweile gesellschaftsweit akzeptiert, es gibt sogar Tools, die die Personen auf den Bildern aufhübschen usw. Herr Kirchner zeigte nun an einigen Algorithmen, wie man Fälschungen aufspüren kann und wie man Bilder exakt einer Kamera zuordnen kann. Ich war sehr beeindruckt, hier scheint es kein Entrinnen zu geben, auch hier kommt es irgendwann zur Totalidentifikation. Das einzige was man anonym dagegen halten kann, wäre: Foto ausdrucken und einscannen. Aber wenn Kameras irgendwann Wasserzeichen einführen, wird selbst das hinfällig. Erstaunlich!

Zum Schluß noch ein paar Bild-Impressionen:

Zu guter Letzt noch ein Hinweis:

am 28.12. ab 19 Uhr steigt eine Party in der Tucholski-Str. 48. Veranstalter sind die Leute vom Linux-Tag, also alle Linux-Interessierten: nix wie hin da! Ich gehe nun ins Bett…

Wie jedes Jahr so auch dieses Jahr: der CCC tagt 4 Tage lang zwischen dem 27.12.2006 und dem 30.12.2006 durchgehend ohne Pause in den heiligen Hallen des BCC am Alexanderplatz (siehe auch meineTermin-Liste). Hier der 23C3-Logo direkte Link zu den Seiten des Chaos Communication Congress 2006. Was es so alles geben wird, sieht man besonders schön in diesem Artikel. Darunter so schöne Themen wie “Kritik an den Illuminaten zwischen 1787 und 2006″ (Bruhahaha!) oder dem Verbot von Sicherheits-Tools (fälschlicherweise immer als Hackertools bezeichnet, ziemlich dämlich, so ein Verbot). Was ich aber bemerkenswert finde, ist eine 5-Watt-DVB-T-Lizenz! Die dürfen tatsächlich Digital-TV via Antenne verbreiten! Ok, es wird nur knapp über den Alex reichen, trotzdem: 1A!

Weitere schöne Links sind die FAQ-Seiten und natürlich die Seiten mit den Logos und Bannern für den Event. Und für ganz Bekloppte findet sich auch noch eine Anleitung zum Advents-Kalender-Basteln mit dem Congress-Logo als Titel des Kalenders…

Aber wenn wir schon mal euphorisch sind, auf Heise gab es noch eine gute Meldung (nur falls alle denken, die CCC-Sache sei so negativ: auch wenn der CCC Mißstände anprangert, es ist gut, daß er statt findet, DAMIT Mißstände ÜBERHAUPT angeprangert werden!), nämlich diese (gute Meldung, nicht Mißstände). Ist viel Blabla und vielen sicherlich zu langweilig. Schön ist aber der erste Satz:

“Die Entwicklung lebenswichtiger, über Jahrzehnte eingesetzter und gepflegter Computersysteme im Flugzeug-, Raumfahrt- und Automobilbau stellt besondere Anforderungen an die Entwicklungswerkzeuge, die der klassische Software-Markt oft nicht erfüllen kann.”

Oder anders gesagt: kauft man proprietäre Software, kann man die praktisch demnächst (weniger als ein Jahr?) in die Tonne kloppen, weil sie nicht mehr läuft oder keinen Support mehr hat. Kann einem bei OpenSource-Software praktisch nicht passieren. Voyager und andere Deep-Space-Raumsonden wären mit Windows oder anderem proprietärem Zeugs wahrscheinlich schon nach wenigen Jahren verreckt. Ergo: alles, was länger halten soll oder muß, muß wohl zwangsweise OpenSource-Software beinhalten. Interessant, wenn sowas ein Industrie-Gigant von sich gibt… Der freunliche Admin
Ehrlich gesagt, mir ist auch viel wohler, wenn ich weiß, daß der Flieger mit Linux betrieben wird als mit MicroSchrott…

Es ist ja äußerst selten, daß im Fernsehen über interessante Themen diskutiert wird. Gerade Talkshows (und damit meine ich nicht den hirnlosen Nachmittagsdreck) zeigen zwar manchmal interessante Persönlichkeiten, aber Botschaften für die Allgemeinheit sind da kaum drin. Das ist einer der Gründe, warum ich mir das selten antue, oder wenn, dann nur kurz. Das trifft auch auf die Johannes B. Kerner-Show zu. Meistens sind es irgendwelche Flachwixer, wie Köche oder andere Leute, die ihren Job zwar so lala machen, mir aber im Grunde wenig bedeuten, weil sie keinerlei Bedeutung haben. Sie hinterlassen oft nichtmal genug Eindruck, daß ich mir deren Namen merken kann.

Nicht so die heutige Sendung. Sie fing etwas schwach an, mit Astrologen und einer Wahrsagerin. Aber auch: Nina Hagen! (Vorsicht, hinter dem Link ihres Blogs wird’s heftig bunt!) Auch wenn sie die ganze Zeit im Hintergrund Faxen und Grimassen machte, so hatte sie doch schnell ein paar politische Anliegen vorgebracht, nämlich ihren offenen Brief gegen Uran-gehärtete Waffen oder z.B. die Erinnerung an ein weiterhin strahlendes Monster in der Elbmarsch, welches weiterhin für hohe Kinderleukämie-Raten steht (seit 20 Jahren wohlgemerkt). Das sind alles keine besonderen News, aber wenn ich das hier schreibe, liest das nur ein winziger Kreis. Prominente haben dagegen meiner Meinung nach die Pflicht, sowas öfter auf den Teller der Neuigkeiten zu schieben, damit desaströse Zustände nicht einfach vergessen und verdrängt werden. Auch wenn viele Leute Nina Hagen für eine Spinnerin halten: sie macht ihre Sache supergut! Weiter so!

Aber Nina war nicht das einzige Highlight. Nun kam Frau Schwarzer von Emma zu Wort. Früher fand ich die Frau ja ein bißchen verbissen, sie ist glücklicherweise über die Jahre lockerer geworden. Ich selbst konnte mich eigentlich nie “Feminist” nennen, vor allem deshalb, weil der Kampf-Charakter der früheren Emmas (ja, ich habe durchaus am Kiosk das Zeug durchgeblättert!) mir immer so vorkam, als wenn man das “Patriarchat” einfach durch ein “Matriarchat” ersetzen wollte. Die Töne sind deutlich moderater geworden, vor kurzem hatte ich ein Heft in der Hand, das ich fast gekauft hätte (warum eigentlich nicht? Nur weil ich ein Mann bin? Ich Pflaume!).

Jedenfalls würde ich mich selber eher als “Emanz” bezeichnen, denn der Witz besteht im Wort “Gleichberechtigung”, also möglichst viel Freiheit für alle. Diesem Ideal scheint nun auch Frau Schwarzer entgegen zu kommen und ich muß sagen, alleine der Umstand, daß sie mit einer Satire namens “Benno” (es gibt nur eine Flash-URL, die fällt hier aus, stinkender Dreck, dieser Flash-Mist) kommt, die auch noch von einem Mann mitinszeniert wurde, macht deutlich, daß aus dem Kampfblatt doch etwas geworden ist, was Sinn macht. Vor allem Frau Schwarzers Bemühungen gegen die Abmagerung, sie nannte es Verhungern, kann ich nur zustimmen. Insofern scheint die Welt bzgl. gleicher Rechte von Mann und Frau doch etwas besser geworden zu sein.

Wo es aber definitiv nicht besser wird, ist das Militär. Man bekommt wenig von den Nöten von Soldaten mit, außer sie kommen in Särgen zurück. Deswegen hielt hier ein weiterer interessanter Mann namens Dr. Karl Pastor ter Horst (Wo auch immer der Pastor-Titel hingehört) gegen und sprach über Kriegsdienstverweigerer, gerade die von der US-Army. Und das, obwohl das eigentlich eine Berufsarmee ist. Fand ich eine coole Sache, der Mann organisiert ganze Netzwerke und christliche Familien, die Deserteure aufnehmen, damit man der Tötungsmaschinerie entkommen kann. Endlich mal Christentum, wie man es erwartet: für die Menschenrechte, gegen das Töten. Nina konnte auch hier ihren Sabbelmund nicht halten und erwähnte gleich einen Event in der Heimatstadt des Pastors, bei dem es um Charity for Peace geht.

Ich denke mal, in dieser Sendung wurden mehr Grundrechte verteidigt und Menschenrechte angesprochen, als unsere Oberen überhaupt kennen. Ich wünsche mir mehr von einem solchen Menschenrechts-TV, damit man mal sieht, was so alles heimlich unter den Teppich gekehrt wird.

Und Nina: wenn Du mal andere Blumen für die Haare brauchst, frag doch einfach die Kürbiskönigin nach ihren Kreationen aus der Bat Catz’n'Deads-Collection Cymones Schädel-Haar-Blumen :) ))

P.S.: Nina Hagens Hauptseite scheint diese Seite zu sein. Das ist zwar nicht unbedingt weniger bunt und heftig, aber es sind ein paar mehr Links zu Aktionen drauf. Es lohnt sich!

Der Spiegel berichtet mal wieder von einem Thema, daß hier sicherlich heftige Wogen schlagen wird, nämlich von der PKW-Maut. Mal abgesehen davon, daß ich mir als Wenig-Autofahrer wohl nie eine Jahreskarte kaufen würde und das “10-Tages-Ticket” ablehne, da ich eher sowas wie ein “10-Fahrten-Ticket” bräuchte, bemerkt man in diesem Satz die auch bei mir anzutreffende Bereitschaft, zu bezahlen. Auf der Seite des Spiegels gibt es auch eine Umfrage und auch hier sieht der Trend seltsam aus. Nur 3% sind komplett gegen eine Autobahn-Maut. Warum ist das eigentlich so? Die Deutschen sind irgendwie große Liebhaber von Extra-Steuern. Wir akzeptieren diese Dinge nicht nur zähneknirschend, nein, auch im Vorfeld begeistern wir uns für Maßnahmen, die unsere Brieftaschen leeren. Wir sind ein Volk der Bekloppten. Und jetzt soll keiner sagen, daß es dafür woanders, bei Mineralölsteuer oder ähnliches günstiger werden will. Der Staat braucht Geld und wird dafür mit Sicherheit höchstens optische Pflege betreiben, damit die Abzocke nicht ganz so auffällt. Schon komisch.

Aber mal zu positiveren Dingen. Wenn ich schon den Spiegel zitiere, dann muß man auch mal die Kritiker dieses Online-Magazins erwähnen. Es gibt, ähnlich dem Bildblog mittlerweile auch eine Seite namens Spiegelkritik.de, auf der Artikel, die mit handwerklichen Fehlern behaftet sind, besprochen werden. Aber nicht nur das, es gibt auch Hintergrundberichte über den Ablauf, wie bei Spiegel-Online (und gerade um die geht es hier) gearbeitet wird. Sehr nett. Aber das Lustigste ist die Seite Spiegelkritikkritik, hier veröffentlichen die Macher der Seite die Beschimpfungen ihrer Gegner. Eigentlich sehr schön gemacht, weiter so!

Und jetzt der übliche Kampf Gut gegen Böse. Windows Vista (Böse) ist ja nun offiziell raus und schon gibt es die ersten handfesten Gegenstimmen dazu. Die FSF macht auf einer neuen Seite Stimmung gegen Vista und meint, daß das Trojaner-Problem schon dadurch verschärft wird, weil Microsoft selbst nun Quasi-Trojaner installiert (also DRM-Mechanismen), um dem User keine Möglichkeit mehr zu geben, seinen Rechner auch nur ansatzweise zu beherrschen. Naja, ist ja irgendwie offensichtlich und nix wirklich neues. Aber im Zuge dieser Ankündigung haben sie auch noch einen Hinweis darauf, wie man es besser macht, angegeben. Es gibt nämlich ein Linux (Gut) zum Selbermachen, was ich eigentlich ganz lustig finde. Übrigens: wenn jedes Linux auch nur ein bißchen anders ist als das andere, raufen sich Angreifer und Hacker die Haare. Bei Windows wird natürlich gerade auch durch die automatischen Updates alles gleich sein, hier ist der Angriff also immer vielversprechender. Dieses nur dazu, weil seit Jahren alle unken, also bald gibt es auch Linux-Viren. Die Realität straft diesen Satz Lügen. Selbst die Trojaner-Landschaft sieht bei Linux eher lächerlich aus.

Aber um mal beim Beispiel Gut gegen Böse zu bleiben. Auf Heise gab es eine Mitteilung, in der Auf das Spiel “Left Behind: Eternal Forces” hingewiesen wird. In dem Spiel muß man endzeitmäßig andere zum christlichen Glauben bekehren, wer sich nicht bekehren läßt, wird weggeflext. Darum tobt nun also eine Diskussion. Ich frage mich: wieso? In den USA ist das doch bald an der Tagesordnung, in Wirklichkeit sind die christlichen Irren dort nur neidisch auf den Iran, weil dort der Theokratie-Staat durchgezogen wurde. Sowas hätten die Glaubensfanatiker in den USA sicherlich auch gerne, nur natürlich mit ihrer “Religion”. Ich schreibe das deswegen in Gänsefüßchen, weil es ja mit Religion alles nix zu tun hat, hier geht es um Macht. Was einen etwas erschüttert, ist, daß es in England auch schon in diese Richtung tendiert und auch bei uns die Kreationisten schon am Werk sind, um gegen Evolutions-Lehre und Urknall-Theorien vorzugehen. Insofern ist dieses Spiel meiner Meinung nach eher dichter an der Realität als die Diskussionen darum. Es stellt sich nur die Frage, wer die Guten und wer die Bösen sind. Die Welt-Politik zeigt es deutlich: Menschen, die ihren Glauben in die Welt tragen, können nicht die Guten sein. Sie sind eher der Krebs dieses Planeten. Die Frage stellt sich: wie betreibt man Krebs-Bekämpfung, ohne sich auf die unterste moralische Stufe (nämlich 0 Moral) dieser Personen zu begeben? Hilft hier ein Killer-Spiele-Verbot, wenn der Krebs schon in den Köpfen von Politik und Wirtschaft sitzt? Letztlich bleibt immer nur ein Weg: Bildung, Bildung, Bildung. Leute, die Kinder haben oder eine Zukunft für diesen Planeten haben wollen, sollten sich also vor den nächsten Wahlen gut ansehen, wer von den Hanseln am ehesten etwas für den Bildungssektor tun wird. Und damit meine ich nicht Elitenbildung, sondern Wissen für alle.

Schlaflos

2006-12-16

Vorsicht, der folgende Bericht ist nichts für schwache Nerven, Leute unter 18 und Puritaner…

Ja, wo fange ich an zu erzählen? Vielleicht historisch? Ja, das ist eine gute Idee. Ich treibe mich nun schon seit gut 18 Jahren in dunklen Höhlen rum und so mancher Club macht dabei eine Mutation durch. Um einen von diesen Clubs geht es in meinem heutigen Beitrag.

Ganz früher gab es mal das Joy, das ist nun wirklich ewig her, über 10 Jahre bestimmt. Das Joy war nicht durchgängig gothic, an manchen Tagen gab es auch Otto-Normal-Disco, aber hin und wieder gab es dort nette Parties. Vor allem um Weihnachten rum gab es immer eine X-Mas-Special-Party. Irgendwann machten sie dicht, keine Ahnung wieso. Wahrscheinlich pleite oder so was. Nun kam eine türkische Discothek in die heiligen Hallen. Zuerst dachte ich: schade um die Weihnachts-Party, aber nein, die kam dann tatsächlich doch. Das war dann ganz bizarr, gruftige Leute aber türkische Bedienung und Türsteher. Die Jungs vom Laden hatten sichtliche Probleme mit ihrem etwas andersartigen Publikum, aber sie meisterten die Lage und hielten auch notorische Spinner draußen, weswegen es zu wenig bis gar keinen Pöbeleien im Inneren des Ladens kam.

Nun gab es aber trotzdem irgendwann Querelen, allerdings außerhalb dieses speziellen Datums. Irgendwer war vom Türsteher abgewiesen worden, worauf der dann meinte, testen zu müssen, ob sein Auto vielleicht in die Tür paßt. Daraufhin war der Laden wieder dicht für einige Zeit.

Nun machte vor einger Zeit ein Etablissement in den Gemäuern auf namens Insomnia, also Schlaflosigkeit. Dieser Laden hat zwar einerseits eine breite Palette von Veranstaltungen, andererseits sind sie alle irgendwie in der Fetisch-Ecke angesiedelt. Dieser Umstand (ich verkleide mich ungern und meistens gibt’s bei Fetisch-Parties einen Dresscode) und der oft damit verbundene hohe Preis hielten mich von einem Besuch der Einrichtung bisher ab. Noch dazu ist auch die Musik oft Tekkno-like, also total uninteressant, bei Tekkno schlafe ich immer ein.

Nun war ich aber selbst etwas schlaflos, da Freitag mein freier Tag gewesen war und ich gut ausgepennt hatte. Als Alternative bot sich sonst nur das BKA-Theater am Mehringdamm an, hier wäre sogar freier Eintritt gewesen. Da ich aber BKA immer äußerst lästig und langweilig finde, dachte ich mir, versuche ich’s also bei der Insomnia-Party. Diese war als Nightmare before Christmas Party angekündigt, aber ich hatte leider nur den Eintrag im Etoile gesehen. Dort stand:

22:00 Der Hellfire Club Berlin
Der Hellfire Club Berlin präsentiert Insomnia’s Nightmare before Christmas
Die etwas andere Party.
Am Freitag erwarten wir dunkle Seelen zu Tanz und frivoler Ausgelassenheit bei Wave, 80er, Gothic und Rock nach dem Motto: Alles außer Techno”
Eintritt nur für Erwachsene

Tja, dachte ich, das wird also wohl die übliche Weihnachts-Gothic-Party (kein Tekkno, kein Fetisch) sein und damit wohl im Normal-Bereich. Ich beschloß also, es zu wagen. Dort angekommen, wollte man 10 Euro von mir, was einerseits viel ist, andererseits kosten dortige Parties sonst das Doppelte. Meine Kleidung wurde kurz gemustert und ich wurde vom Türsteher auf die Garderobe aufmerksam gemacht, weil es oben heiß sei. Ich sagte nur: “Ich mag’s heiß.” Tz, ich bin schließlich durch die Wüste von Vegas gefahren, mit offenem Fenster und quasi Fön am Ohr… Also ging ich hoch. Dort hatte ich erstmal nur Augen für die Theke. Hinter der Theke standen 2 fast-gar-nicht-bekleidete Damen und bei einer von ihnen bestellte ich mein momentanes Lieblings-Getränk: Becks Green Lemon. Während ich auf das Bier wartete, bemerkte ich, daß der Etoile-Eintrag wohl etwas wahrheitsdehnend gewesen war. Diverse Damen mit fast-oben-ohne, diverse Herren ganz oben ohne, eine Fetisch-Party. Ich erkundigte mich bei der Bedienung nochmal, weil ich ja eine Grufti-Nacht erwartet hatte, aber sie meinte, das sei alles ok so. Gut, es waren ja auch Gothic People da, nur waren sie eben in der Minderheit. Gut ein Drittel waren Homo-, Bi- und Trans- oder eben Anders-sexuelle Personen (was auch immer, mir doch Wurst). Komischerweise liefen auf der Leinwand oberhalb der Tanzfläche nur Hetereo-F*ck-Filme, irgendwie unausgewogen. Will man Heteros wie mir Gayporn nicht zumuten? Ich meine, man kann ja schließlich wegsehen, oder nicht? Wie auch immer, die Musik stimmte größtenteils, zwischendurch gab es leider 2 Ausrutscher in Schlager-Müll, irgendwas, was fast an Wolfgang Petry erinnerte, *würg*. Da hätten sie eher aufpassen müssen, laßt keinen schwulen DJ ans Pult!

Die Einrichtung des Ladens war übrigens wundervoll, ein großer Festsaal, eine lange Bar mit einem riesigen Spiegel und Skeletten, eine obere Etage und unten diverse Liegen, alles in leicht rötlich gehalten. Keine Ahnung, wofür man Liegen braucht…

Glücklicherweise war der Schlager-Scheiß die schlimmste Phase des Abends und schnell vorüber. Es waren viele schräge Leute da. Ein Mann mit Vollbart im kleinen schwarzen Kleidchen. Ein anderer Mann, mit Tanga-Slip und Korsett, auf Hi-Heels, etwas korpulenter (*hüstel*). Ich will mich über unsere homo- oder wieauchimmer-sexuellen Mitbürger wirklich nur ungern lustig machen, aber das war wirklich zum Schreien, denn: Der Mann hatte echte Probleme beim Laufen, so schwierig waren für ihn die Hi-Heels (Zu groß? Zu klein?). Er hätte das wirklich vorher üben sollen. Vielleicht war es auch so gedacht und sollte so aussehen, da mußte ich mich jedenfalls zusammenreißen, ich bin da immer ein wenig fies drauf. Entsetzen kam in mir immer dann auf, wenn er zum Klo ging, da muß man nämlich ein paar Stufen runter. Ein Wunder, daß der sich an dem Abend nicht die Beine gebrochen hat, das tat schon beim Zusehen weh. Dann gab es noch den Standard-Transsexuellen oder vielleicht eher den Crossdresser, denn sein Prachtstück war nicht irgendwie nach hinten gebunden, sondern wurde mit Stolz rumgezeigt, (mit Hose drüber, nicht, daß hier jemand auf unzüchtige Gedanken kommt :) )). Aber alles entspannt, soweit. Zwischendurch wurden immer mal wieder ein paar Frauenhintern mit klatschenden Händen verbunden, das war komischerweise lauter als die Musik.

Zum Tanzen kann man noch erwähnen, daß einige der oben-ohne-Personen mit XY-Chromosomenmix anatomisch tanzten, denn sie tanzten so, daß man sowohl beim Rücken als auch bei der Frontseite die Bewegung von einzelnen Muskeln sehen konnte. Hatte was von Medizin-Kursen, habe ich so noch nie gesehen. Erstaunlich!
Eine weitere Tanzkuriosität war eine weibliche Person, die sich einen “Aufziehschlüssel” in Übergröße hinten an ihr Kleid geklebt hatte. Lustige Idee!

Dann kam die erste Art “Show”. Eine kleine Dame in einem superengansitzendem pinkfarbenen Latex/Spandex/Lycra-Anzug (sucht euch was aus). Das war das erste Mal, daß ich etwas erotisches in dem Laden sah. Sie war definitiv besser als der Film über der Tanzfläche oder die anderen halbnackten Damen. Manchmal ist es halt eher eine Augenweide, wenn noch Kleidung über dem Fleisch ist, ich sage nur: Cameltoe. :)

Bei ihr sah das ganz nett aus (Fotos ab 3 Megapixel bitte an meine Mail-Adresse! :) )) und sie machte mit einer Kollegin (ich nehme mal an, daß da viele Leute zum Personal gehörten, sicher bin ich mir da nicht) eine Lesbo-Show inmitten der anderen Tänzer. Ganz nett. Sp�
0E4;ter ka
m dann noch eine zweite Show mit einem Mädel, welches wiederum von Pinky (nennen wir sie mal so) mithilfe eines Messers ihrer Ganzkörperstrumpfhose entledigt und dann mit Wachs traktiert wurde. Das war eigentlich die zweit-schlimmste Phase des Abends. Denn ich kann Schmerzen eigentlich nicht leiden und leide bei sowas immer mit. Außer, wenn ich mir Boxen ansehe, aber die sehen meistens nicht so aus, als wenn sie Schmerzen haben. Hier gehörte das mit dem schmerzverzerrten Gesicht ja zur Show und da mußte ich durchaus woanders hinsehen, um meine Nerven zu beruhigen, das war unangenehm.

Als letztem Negativpunkt kann ich klar aufführen: Die Beleuchtung! Leute, wenn ihr eine Gothic Party macht, muß es dunkler sein! Zur Not muß man die Tanzfläche halt mit Spots beleuchten, wenn man Show haben will, aber dieses helle Rotlicht war dann doch etwas zu grell für meinen Geschmack.

Insgesamt also ein interessanter Abend, obwohl ich ja eigentlich zappelnde Leute tanzenderweise sehen wollte und nicht in anderen Positionen… Aber gut, ich will mich nicht beschweren. Irgendwie hatte das Ganze den ungezwungenen Touch des ersten KitKat-Clubs, dort saß damals immer eine Tussi auf einer Schaukel und hin und wieder nahm sie beim Schaukeln “Dinge in sich auf”. Hier gab’s zwar auch eine Schaukel, aber sie wurde zumindest an dem Abend nicht ganz so frivol genutzt. Ich muß aber sagen: wenn ich weggehe, dann will ich dunkle Melancholie oder heftigen Elektro-Trash mit Blitzen aus der Dunkelheit, ein Dark Flair. Sex mag als Show nett sein, aber als Haupt-Attraktion den ganzen Abend finde ich es eher etwas ermüdend, das stumpft irgendwie ratzfatz ab. Muß ich mir gut überlegen, ob ich nächstes Jahr da nochmal hingehe.
Die Parties zwischendrin sind ja sowieso nur für Paare (Cymone würde ich da im Leben nicht reinkriegen) oder aber mit heftigem Dresscode. Damit falle ich also von vornherein durch’s Raster, brauche ich also gar nicht drüber nachdenken. Aber vielleicht konnte ich mit diesem Bericht so manch anderen ermutigen, der schon immer seine seltsamsten Phantasien austoben wollte? Ich bin sicher, im Insomnia-Club wird man demjenigen fast nichts übel nehmen, ich wünsche viel Spaß!

Endlich: Tempo!

2006-12-12

Dieses Motto kann ich auf Berlins Straßen zur Zeit nicht nachvollziehen. Wobei: wann sind die Verkehrsteilnehmer in dieser Stadt schon mal nicht lahmarschig, egal, welches Verkehrsmittel sie benutzen? Wie auch immer, die neue Tempo ist raus und erstmal als Fazit: das Buch (superschwer!) ist seinen Preis wert. Denn es ist tatsächlich wie Tempo damals, zumindest zu gut 80%. Die Themen sind natürlich wie immer überdreht, besonders schön ist die “Was-ist-in-10-Jahren-alles-passiert”-Nummer. Dabei so schöne Beispiele, wieviel Zigaretten Helmut Schmidt in der Zeit geraucht hat (über 180.000, gezeigt wird ein Raum voll abgebrannter Kippen) oder z.B. daß Moshammers kleine Hündin “Daisy” in der Zeit 14 Tonnen Kot abgesondert hat (im Bild steht der kleine Hund neben dem riesigen Scheißhaufen) uvm. Sehr nett und ziemlich schräg. Was aber nicht so schön ist: Werbung, Werbung, Werbung. Alleine, um zum Editorial durchzudringen, muß man sich durch etliche Seiten durchkämpfen, kein Wunder, daß es eher Buch als Zeitschrift ist. Ich schätze mal, von den 400 Seiten (ich habe die Zeitschrift erst zu einem Viertel durch) sind mindestens 50% Werbeseiten. Naja, wir haben ja alle gesunde Hände zum Umblättern…

Da ich heute etwas kurz angebunden bin, hier noch eine nette Anekdote vom letztmaligen Rixdorfer Weihnachtsmarkt in Neukölln. Ich gehe dort immer hin, um mir vom dortigen Schlachter Spanferkel zu besorgen, ich LIEBE das Zeug. Diesmal war es irgendwie nicht ganz so wohlbekömmlich, aber mein Pferdemagen hielt’s aus. Worauf ich hinaus wollte: kurz bevor ich den Schlachter erreichte, ging ich an ein paar Mädels, vielleicht 14 oder 15 Jahre alt, vorbei. Im Vorbeigehen hörte ich wie eine erzählte: “Ich habe jetzt endlich wieder einen neuen Freund, ich bin total glücklich.” Klingt doch freudig, wenn man das liest, oder? Dumm nur, daß ich die eigentliche Stimmung, die in ihrer Stimme dabei lag, hier nur schwer wiedergeben kann. Es war jedenfalls zwischen Gleichgültigkeit und Müdigkeit, ein Singsang, der alles andere als helle Freude ausdrückte, sondern eher totale Langeweile. Schon komisch, unsere Kids…

Zuerst mal wieder eine Nachricht aus der Welt der Blogs. Da ist z.B. Fridtjof, der sich darüber aufregt, daß ich ihn bei meinen Linkseiten mit dem Hinweis “komische HowTos” aufliste. Tz, ich bleibe dabei. Ach ja, hier natürlich der Link zu seinem Blog.

Bevor ich eine weitere Erwähnung mache, hier erstmal eine kleine Vorgeschichte. Oswald (weia, da steht demnächst Glühwein-Besäufnis an…) kenne ich seit meiner Uni-Zeit an der TU Berlin und der wiederum kannte jemand namens “Wusel”. Cymone und ich nannten ihn immer Wurzel, das paßte irgendwie besser. Vor allem, als wir mal bei ihm zu Hause (damals Hamburg) vorbeischneiten. Die Wohnungstür war offen, aber ein Einbrecher hätte keine Chance gehabt, weil ein paar der leeren Flaschen beim Öffnen der Tür umfielen. Eine Kettenreaktion blieb zwar aus, aber es war nur knapp, schließlich fanden sich überall Flaschen, in jedem Raum. Er wollte uns dann noch ein bißchen durch Hamburg kutschen, was insofern etwas schwierig war, weil erstmal ein leerer Bierkasten vom Rücksitz in den mit leeren Flaschen gefüllten Kofferraum seines Autos verfrachtet werden mußte. Also ein Erlebnis der ganz anderen Art. Wahrscheinlich zahlte er damals seine Miete über Flaschenpfand. Das war jedenfalls meine erste Begegnung mit “Wurzel”, danach verlor ich ihn irgendwie aus den Augen. Da Oswald aber auch ein Blog führt und dort andere Blogs ausweist, fand ich dort letztens tatsächlich das Blog von Wusel/Wurzel. Es ist irgendwie nicht ganz in meinem Themenbereich, aber er gibt sich Mühe. Interessanterweise sieht er heutzutage fast aus wie Linus Torvalds (kann man in seinem Impressum erahnen), dabei habe ich ihn noch fast als magersüchtigen bebrillten Nerd in Erinnerung. Aber wer bin ich, daß ich lästern darf, schließlich schiebe ich selber eine Plauze vor mir her (Senkbrust, Zitat Kurt Krömer)… Jedenfalls schön, daß Leute aus der Vergangenheit mal wieder in das eigene Radar rutschen, das ist irgendwie immer interessant. Zumindest für mich. :)

Dann gab’s mal wieder eine Polylux-Sendung, die zar nicht in der totalen Bizarrheit endete, wie sonst, aber es trotzdem in sich hatte. Es wurde über E-Sports berichtet, also Computerspiele, die professionell mit Geld und Sponsoren usw. betrieben werden. Mit WMs, Pokalen, Preisgeldern und Leuten, die von diesen Geldern mittlerweile leben. Natürlich ist Counterstrike (böses Ballerspiel, au weia!) Teil der Spiele-Sammlung. Und als weiterer Hinweis wurde berichtet, daß bei den olympischen Spielen in China E-Sports (inklusive Counterstrike) mittlerweile olympische Disziplinen sind. Tja, schon komisch, daß nach dem weitreichenden Spiele-Verbot, daß jetzt kommen wird, Deutschland wohl keine Spieler für diese Disziplin schicken wird, denke ich mal. Kann ja nicht sein, was nicht sein darf. Die Counterstrike-Leute sehen das gelassen, die Preisgelder gibt’s auch im Ausland und wenn es in der EU verboten wird, bleibt der Rest der Welt. In Südkorea gibt es 2 TV-Kanäle, die über E-Sports den ganzen Tag berichten, die Spieler können also entspannt sein. Und in Deutschland wird man sich also eine illegale Mafia ranziehen, die von Kids einfach überhöhte Gelder für Raubkopien nehmen wird. Aus der Alk-Prohibition von Chicago haben Politiker scheinbar bis heute nix gelernt, erstmal verbieten. Daß man dann ein paar Jahre damit das organisierte Verbrechen sponsort, ist ja Wurst. Mal sehen, wer der Al Capone des Spiele-Schwarzmarkts wird.

Linux braucht das alles nicht, kann man zur Not immer downloaden, ist ja fast alles ohne Shops zu haben. Als Nachtrag zu meinem Linux-Magazin-Artikel kann ich einerseits auf das Titelbild verweisen, als auch auf die internationale Ausgabe. Die deutsche Version des Artikels ist ja im Januar-Heft erschienen. Aber gestern flatterte mir die englische/internationale Ausgabe als englisch übersetztes PDF in die Mailbox. Dort wird der Artikel wohl in der Februar-Ausgabe erscheinen. Der brasilianische Chefredakteur, den ich zufällig kenne (*hüstel*), meinte, daß der Artikel wohl auch in die brasilianische Ausgabe aufgenommen werden würde. Dabei kann ich gar kein Portugiesisch, da kann ich also nichtmal gegenlesen. Schon schräg, welche seltsamen Wendungen solche Dinge manchmal haben, das verselbständigt sich total. Ob dort wohl auch wieder vergessen wird, irgendeinen URL-Hinweis auszugrauen? :) ))

Und natürlich wieder der Hinweis auf den Dark Market im Duncker (Dunckerstr. 64 in Berlin Prenzlauer Berg) von 13-20 Uhr am Sonntag, den 10. Dezember 2006. Cymone wird selbstverständich mit ihrer selbstgemachen Bat Catz’n'Deads-Collection Cymones Schädel-Haar-Blumen am Stand stehen! Weihnachten kommt! X-MAS! Ihr braucht doch alle Schnickschnack! Loslos! Und wehe, ihr packt die Geschenke dann zu früh aus, dann passiert euch nämlich das!

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